Ab dem Jahr 2027 müssen Eisenbahnunternehmen tiefer in die Tasche greifen. Für die Nutzung des deutschen Schienennetzes plant die zuständige Betreibergesellschaft DB InfraGo eine durchschnittliche Preiserhöhung von knapp acht Prozent.
Bei der Bundesnetzagentur will die Bahn-Tochter einen Zielerlös von 7,5 Milliarden Euro beantragen. Besonders hart trifft es den Güterverkehr, für den die Schienenmaut um fast 13 Prozent steigen soll. Im Regionalverkehr klettern die Kosten um 7,7 Prozent nach oben, während der Fernverkehr mit einem Plus von fünf Prozent etwas glimpflicher davonkommt.
📌 Das ist die Bundesnetzagentur Sitz und Größe: Die Bundesnetzagentur hat ihren Verwaltungssitz in Bonn und ist mit rund 2.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an bundesweit etwa 46–48 Außenstellen vertreten. Aufgaben: Sie reguliert als zentrale Infrastrukturbehörde Deutschlands die Netzindustrien Energie (Strom und Gas), Telekommunikation, Post und Eisenbahn, fördert dabei den Wettbewerb und sorgt für Verbraucherschutz. Gründung: Die Bundesnetzagentur geht in ihrer heutigen Form auf die Liberalisierung des europäischen Elektrizitätsbinnenmarktes seit den 1990er-Jahren zurück; rechtliche Grundlage ist insbesondere die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) von 2005.
Gerichtliche Vorgaben und weitere Preissteigerungen
Mit diesen Plänen reizt die Betreibergesellschaft eine vom Verwaltungsgericht Köln festgelegte Obergrenze bewusst nicht vollständig aus. Erst in der vergangenen Woche hatten die Richter entschieden, dass die Bahn ihre Trassenpreise im kommenden Jahr wie geplant anheben und an die Verkehrsunternehmen weitergeben darf. Die absolute Schmerzgrenze für die Gesamtkosten liegt laut dem Urteil bei 8,2 Milliarden Euro.
Für das Jahr 2028 peilt der Netzbetreiber zunächst einen Erlös von 8,6 Milliarden Euro an. Rechnerisch würde das einen weiteren Preissprung von gut 15 Prozent bedeuten. Laut der Deutschen Bahn ist dies allerdings nur ein vorläufiger Wert. Weil die genaue Höhe der staatlichen Instandhaltungsförderung noch unklar ist, soll der Antrag später noch nach unten korrigiert werden.
Düstere Aussichten für Fahrgäste im Regionalverkehr
Wer mit seinen Zügen auf dem deutschen Schienennetz rollen möchte, muss pro Kilometer eine Gebühr an die Betreibergesellschaft überweisen. Aus diesen Einnahmen finanziert das Unternehmen den laufenden Betrieb, wichtige Investitionen und die Instandhaltung der Strecken. Jedes Jahr aufs Neue muss die Bundesnetzagentur diese komplex berechneten Tarife für den Güter-, Fern- und Regionalverkehr absegnen.
Gerade für Reisende im Nahverkehr könnten die steigenden Mautgebühren unangenehme Folgen haben. Schon heute ächzen die regionalen Verkehrsunternehmen unter massiv gestiegenen Ausgaben für Personal und Energie. Zusätzlichen Druck brachte ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs im vergangenen März. Damals kippten die Richter die sogenannte Trassenpreisbremse, die den Schienenpersonennahverkehr bis dahin vor extremen Preissprüngen geschützt hatte. (mit dpa)
