Ab sofort geht auf der Trasse zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover nichts mehr. Die Deutsche Bahn nimmt die 230 Kilometer lange Ost-West-Verbindung für 14 Monate vom Netz. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2027 ruht der reguläre Verkehr. Zunächst schalten Arbeiter die Oberleitungen ab.
Danach tauschen Bautrupps hunderte Kilometer Gleise und Weichen aus. Gleichzeitig modernisiert der Staatskonzern mehr als zwei Dutzend Bahnhöfe. Als größte Herausforderung gilt die Erneuerung von über 50 Kilometern fester Betonfahrbahn bei Stendal. Zehntausende Tonnen an alten Platten reißen die Bagger heraus und verlegen sie neu.
📌 Wichtige Achse der Bahn Streckenlänge: Die Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin ist 256,2 Kilometer lang und verbindet die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover mit Berlin. Fahrzeit: Auf der schnellsten Verbindung beträgt die Fahrzeit nur 1 Stunde und 40 Minuten. Technische Eckdaten: Die Strecke ist in Normalspur (1435 mm) ausgeführt, elektrifiziert mit 15 kV 16,7 Hz Bahnstrom, hat einen minimalen Kurvenradius von 4.400 m und eine zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.
Massive Umwege für Reisende im Fernverkehr
Wegen der Sperrung leitet das Unternehmen sämtliche Fernzüge über Magdeburg und Braunschweig um. Für Magdeburg bedeutet das drei zusätzliche ICE-Verbindungen. Fahrgäste in Stendal und Wolfsburg schauen in die Röhre, denn dort halten vorerst keine Fernzüge mehr. Durch die Umfahrung verlängert sich die Reisezeit zwischen der Hauptstadt und Hannover um 80 Minuten auf rund drei Stunden.
Eigentlich sollte die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn als Ausweichroute dienen. Wegen Verzögerungen bei der Elektrifizierung steht diese Alternative jedoch nicht bereit. Auch Pendler im Nahverkehr spüren die Einschränkungen deutlich. Laut eigenen Angaben will die Bahn den Kunden ein «verlässliches Grundangebot» zur Verfügung stellen. Wer zwischen Nauen und Stendal reist, muss auf Ersatzbusse umsteigen.
Veraltete Technik bleibt trotz langer Bauzeit
Trotz der langen Bauphase rüstet der Konzern die Strecke nicht vollständig auf digitale Technik um. Lediglich sechs von 25 Stellwerken bereiten die Techniker auf das moderne Zugleitsystem ETCS vor. Alle restlichen Anlagen erhalten erst in den 2030er Jahren ein Update. Somit rollen die Züge nach der Wiederinbetriebnahme Ende 2027 weiterhin über veraltete Signaltechnik.
Aus der Branche hagelt es derweil Kritik an dem Konzept. Der Verband Die Güterbahnen bemängelt schlecht vorbereitete Umleitungen, die Frachtzügen noch längere Wege aufzwingen. Zuletzt äußerte auch das Verkehrsministerium Unmut über die Planung. Bei vorherigen Großprojekten wie der Strecke Hamburg-Berlin kam es zu Verzögerungen von sechs Wochen, woraufhin der Verkehr danach nicht reibungslos lief.
