Insider spricht Klartext: „Von Verbürgerlichung der AfD kann keine Rede sein“

Die AfD ist nach ihrem historischen Wahlerfolg endgültig die bestimmende Kraft im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt. Tobias Rausch wurde am Dienstag (6. Oktober) zum neuen Landtagspräsidenten gewählt. Und Hans-Thomas Tillschneider wird nun Vizepräsident.

Eine Fraktion, die künftig in der Mitte des Parlaments Platz nimmt und oft klarstellt, dass sie eine bürgerliche Partei sei. Doch stimmt dies wirklich? „WELT“-Journalist Frederik Schindler, der sich intensiv mit der Partei beschäftigt, widerspricht dieser Vorstellung deutlich.

📌 Wer hat die AfD in Sachsen-Anhalt eigentlich gewählt? Laut MDR wählten bei den unter 25-Jährigen 51 Prozent der Männer die AfD, bei den Frauen waren es 31 Prozent. Großer Unterschied: Junge Frauen wählten häufiger die Linke: 20 Prozent, gegenüber 11 Prozent der jungen Männer. Bei den Wählern ab 70 Jahren kam die AfD nur auf 31 Prozent. Es ist ihr schwächstes Ergebnis unter den Altersgruppen.

Frederik Schindler blickt auf die AfD-Abgeordneten

„Von der Verbürgerlichung kann keine Rede sein. Alles in der AfD deutet ja eher in die andere Richtung hin“, sagt er bei der Live-Begleitung der konstituierenden Landtagssitzung in Magdeburg im „WELT“-Studio.

Dabei verweist er auf die AfD-Abgeordneten Sebastian Koch und Simon Lansmann. Gegen beide laufen Ermittlungen. Der Hintergrund laut „zdfheute“: Eine Sonnenwendfeier, die möglicherweise der verbotenen rechtsextremen „Artgemeinschaft“ zuzurechnen ist. Bei der Feier soll ein Lied der Hitlerjugend gesungen worden sein.

Lansmann ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass bei ihm keine Fortführung des verbotenen Vereins stattgefunden habe. Außerdem wurden bei Durchsuchungen von Koch Waffen gefunden. Die Staatsanwaltschaft leitete deshalb ein weiteres Ermittlungsverfahren ein.

„Diese radikalen Leute sind da an den höchsten Stellen.“

Frederik Schindler sieht aber auch in Siegmunds direktem AfD-Umfeld etwas. Dort seien laut „WELT“-Recherchen frühere Mitglieder der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ). Frederik Schindler sagt deutlich: „Diese radikalen Leute sind da wirklich an den höchsten Stellen.“ Zudem nimmt er auch Hans-Thomas Tillschneider in den Blick.

So sagt der „WELT“-Journalist: „Er ist ein radikaler Ideologe, ein sehr klarer Geschichtsrevisionist und Russland-Freund.“ Der AfD-Politiker wurde am Dienstag (6. Oktober) mit 44 Ja-Stimmen zum neuen Vizepräsidenten des Landtags in Sachsen-Anhalt gewählt.

Schlussendlich geht Frederik Schindler noch auf einen weiteren Aspekt ein: Pöbeleien während Sitzungen. „Mit dem Einzug der AfD in die Parlamente haben diese Pöbeleien sehr stark zugenommen, und zwar auch von AfD-Abgeordneten“, fügt er hinzu.

Ulrich Siegmund überraschte mit einer ungewöhnlichen Fotosession im Landtag von Sachsen-Anhalt. Es geschah während einer Pause.