Die schlechten Umfragewerte für Friedrich Merz und die Union werden derzeit intensiv diskutiert. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hält jedoch wenig davon, die Probleme der CDU auf die Person des Kanzlers zu reduzieren. Im FUNKE-Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ sprach sie sich stattdessen dafür aus, den Blick stärker auf politische Reformen zu richten.
Im Gespräch mit Julia Emmrich und Jan Dörner wurde Klöckner direkt gefragt, ob die Union mit Friedrich Merz den richtigen Kanzler habe. Die CDU-Politikerin zeigte sich von der immer wiederkehrenden Personaldiskussion wenig begeistert. „Ach, was soll ich darauf jetzt antworten“, erklärte sie zunächst und legte dann nach: „Ich finde diese Frage auf eine Person zugespitzt, ständig Kanzler ja oder nein: Leute, wir werden denkfaul.“
📌 Julia Klöckner Geboren 1972 Julia Klöckner wurde am 16. Dezember 1972 in Bad Kreuznach geboren. Sie wuchs auf dem Weingut ihrer Familie an der Nahe auf. Studium und Journalismus Klöckner studierte in Mainz Theologie, Politikwissenschaft und Pädagogik. Anschließend arbeitete sie als Journalistin und war unter anderem Chefredakteurin des „Sommelier-Magazins“. Erstmals 2002 in den Bundestag gewählt 2002 zog Klöckner erstmals in den Deutschen Bundestag ein und gehörte ihm bis 2011 an. Seit 2021 ist sie erneut Bundestagsabgeordnete. Bundeslandwirtschaftsministerin Von 2018 bis 2021 war Klöckner Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett von Angela Merkel. Zuvor war sie von 2009 bis 2011 Parlamentarische Staatssekretärin im Agrarministerium. Prägende Rolle in der Landespolitik Klöckner war von 2010 bis 2022 Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz. Außerdem führte sie von 2011 bis 2018 die CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag. Bundestagspräsidentin seit 2025 Am 25. März 2025 wurde Klöckner zur Präsidentin des Deutschen Bundestages gewählt. Sie ist die vierte Frau an der Spitze des Parlaments.
Klöckner genervt: „Immer diese Personalfragen“
Aus ihrer Sicht werde in Politik und Medien zu oft über Köpfe statt über Inhalte gesprochen. „Immer diese Personalfragen“, sagte Klöckner. Selbst ein Austausch an der Spitze würde aus ihrer Sicht nichts an den grundlegenden Herausforderungen ändern. „Was ist, wenn Sie jemanden ersetzen? Meinen Sie, die Themen sind andere? Die Bürger sind andere? Nein, sind sie nicht. Wir müssen in Reformen reingehen.“
Dabei verwies die Bundestagspräsidentin auch auf historische Beispiele. Ihrer Ansicht nach habe es immer wieder Kanzler gegeben, die in schwierigen Phasen mit schlechten Umfragewerten kämpfen mussten. „Schauen Sie sich doch mal an, wie das nach der ersten Wahl bei Adenauer war“, sagte Klöckner. Auch beim Nato-Doppelbeschluss habe es heftige Debatten gegeben. „Da würden Sie auch sagen: Haben wir den Kanzler, der die alle mitnimmt? Heute würden wir anders dastehen. Und nicht besser, würde ich mal sagen.“
Bundestagspräsidentin plädiert für Reformen
Klöckner argumentierte, Politik dürfe sich nicht ausschließlich daran orientieren, ob Entscheidungen kurzfristig populär seien. Entscheidend sei vielmehr, ob notwendige Maßnahmen umgesetzt würden. „Alleine die Analyse der Fakten zeigt uns doch: Wir brauchen Reformen in diesem Land“, sagte sie. Gleichzeitig räumte sie ein, dass sich mit solchen Vorhaben oft kein Beifall gewinnen lasse: „Das sind auch schwierige Entscheidungen.“
Um ihre Sicht zu verdeutlichen, griff die CDU-Politikerin zu einem Vergleich aus dem Alltag vieler Familien. „Jeder, der zuhause mit seinen Kindern am Tisch hockt und hat eine Haushaltskasse und alle haben Wünsche addiert, die aber dreimal so groß sind wie die Haushaltskasse, da würde man sagen: Kommt mal her, wir müssen uns mal zusammenhocken, wie wir es machen.“
Klöckners Aussagen fallen in eine Zeit, in der die Union politisch unter Druck steht. Nach einer aktuellen Insa-Umfrage kommt die CDU/CSU nur noch auf 17,5 Prozent, während die AfD auf 30,5 Prozent zulegt. Auch Merz selbst kämpft mit schlechten Zustimmungswerten. Doch statt Personaldebatten anzustoßen, plädiert Klöckner für einen anderen Fokus: weniger Diskussionen über Personen, mehr Debatten über Inhalte und Reformen.
