Das Hühnchen-Versprechen wackelt: 70 Prozent der geprüften Unternehmen haben mehr Tierschutz zugesagt. Doch beim Umsetzen hakt es gewaltig. Das zeigt der am Mittwoch (4. November) veröffentlichte Masthuhn-Report 2026 der Albert Schweitzer Stiftung. Nestlé und Rügenwalder Mühle ziehen ihre Zusagen sogar komplett zurück.
Auch die Discounter stehen auf dem Prüfstand. Zum fünften Mal nimmt die Stiftung die wichtigsten Anbieter unter die Lupe. Ihr Urteil fällt ernüchternd aus: Kein einziger Händler knackt die 60-Prozent-Marke. Immerhin liegt Aldi Süd mit 54 Prozent vorn und schneidet damit am besten im gesamten Handel ab.
📌 Das ist die Stiftung hinter dem Report Gründung und Sitz: Die Stiftung wurde 2000 gegründet und hat ihren Sitz in Berlin. Sie ist nach dem Arzt und Philosophen Albert Schweitzer benannt. Dessen Leitgedanke der „Ehrfurcht vor dem Leben“ prägt ihre Arbeit. Fokus Tierschutz: Sie setzt sich vor allem für Tiere in der Landwirtschaft ein, also für Nutztiere. Ein Schwerpunkt ist die Verbesserung der Haltungsbedingungen, etwa durch Kampagnen gegen Käfighaltung und Qualzucht bei Masthühnern. Arbeit mit Unternehmen: Die Stiftung geht Kooperationen mit Lebensmittelherstellern, Handel und Gastronomie ein. Dabei geht es um verbindliche Tierschutzstandards und um mehr pflanzliche Angebote, zum Beispiel über die Europäische Masthuhn-Initiative („Better Chicken Commitment“).
Masthuhn-Report 2026: So schneiden Aldi, Lidl und Co. ab
Aldi Süd landet laut dem am 4. November vorgelegten Bericht deutlich vor Aldi Nord. Stolze 20 Prozentpunkte liegen zwischen den beiden Discountern. Das liegt vor allem an zwei Punkten: Zum einen hat Aldi Nord keine Roadmap vorgelegt, also einen konkreten Plan, welche Schritte zu mehr Tierschutz führen sollen. Zum anderen ist der Umsetzungsfortschritt bei Aldi Süd wesentlich weiter. Bei beiden Unternehmen ergab sich im Vergleich zum Vorjahr allerdings eine Verschlechterung.
Lidl liegt noch ein gutes Stück hinter Aldi Nord. Mit lediglich 26 Prozent gehört der Discounter der Schwarz Gruppe zu den Schlusslichtern der Auswertung. Die volle Unterstützung der Initiative und das Reporting sind hier nur teilweise umgesetzt, eine Roadmap ist nicht gegeben. Auch in Sachen Umsetzung hängt Lidl der Konkurrenz hinterher.
Stiftung fordert konkrete Ziele
Dabei sieht der Start gar nicht schlecht aus. 14 von 17 bewerteten Supermärkten und Discountern haben eine Zusage gegeben. Rewe und Penny landen mit je 42 Prozent zwar nur im Mittelfeld. Bei der konkreten Umsetzung zählen sie aber zur Spitze.
Der Zeitdruck wächst. Viele Unternehmen wollten ihre Lieferketten eigentlich bis 2026 umstellen und haben die Frist nun auf 2030 verschoben. „Ohne deutlich mehr Einsatz drohen sie jedoch auch dieses Ziel zu verfehlen“, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. Die Stiftung fordert deshalb konkrete Zwischenziele und wesentlich schnellere Fortschritte.
