„Wer kauft das noch?“: Markenschokolade bleibt teuer, während Discounter senken – Experte klärt auf

Im Netz brodelt es: Auf Reddit ärgern sich viele Verbraucher darüber, dass Markenschokolade von Milka oder Kinder teurer geworden ist oder zumindest nicht billiger wird. Lidl und Aldi haben dagegen auf die gesunkenen Kakaopreise reagiert. Ihre Tafeln kosten mittlerweile weniger. Ein Nutzer fragte daher erbost: „Wer kauft sich das dann noch?“ Wir haben mit einem Verbraucherexperten der Verbraucherzentrale Hamburg gesprochen, um die Preisschere einzuordnen.

Dass sinkende Rohstoffpreise nicht sofort im Regal ankommen, hat einen Grund. „Uns ist bekannt, dass Kakao zwischen einem Jahr und 18 Monaten im Voraus eingekauft wird“, sagt der Experte. Die aktuellen Preise an den Rohstoffmärkten seien deshalb nur zweitrangig. Große Firmen wie Mondelez oder Ferrero müssten sich eindecken. Zu welchen Konditionen sie das tun, wisse die Verbraucherzentrale allerdings nicht.

📌 Wusstest du das schon über Kakao? Ursprung und Name: Der Kakaobaum trägt den wissenschaftlichen Namen Theobroma cacao, was übersetzt „Speise der Götter“ bedeutet. Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Amazonasgebiet (unter anderem dem heutigen Ecuador), wo sie bereits vor über 3.300 Jahren kultiviert wurde. Blüten direkt am Stamm: Die Blüten wachsen beim Kakaobaum nicht an den Zweigen, sondern direkt am Stamm und an dicken Ästen – ein Phänomen, das in der Botanik als Cauliflorie bezeichnet wird. Hauptanbaugebiet Westafrika: Heute wird der Großteil des weltweiten Kakaos in den Tropen rund um den Äquator angebaut. Allein Westafrika (insbesondere die Elfenbeinküste und Ghana) liefert rund 65 % bis 70 % der weltweiten Kakaoernte. Historisches Zahlungsmittel: Bei den Maya und den Azteken war Kakao hoch angesehen. Die Azteken bereiteten daraus das bitter schmeckende „Xocóatl“ zu und nutzten Kakaobohnen zeitweise sogar als offizielles Zahlungsmittel.

„Das kann nicht am Kakaopreis liegen“

Bei Markenprodukten spiele der Kakao ohnehin kaum eine Rolle: „Gerade bei Markenprodukten spielt der Kakaopreis, wenn man ehrlich ist, keine dominierende Rolle. Andere Faktoren sind viel wichtiger.“ Besonders deutlich wird es bei Weihnachtsmännern – hier reichten die Preise von 90 Cent bis etwa 4,40 Euro pro 100 Gramm. „Das kann nicht am Kakaopreis liegen“, sagt er. Bei Discountern mache der Kakao dagegen schon 20 Prozent des Preises aus, dort müsse man Schwankungen deutlich stärker sehen.

Die Verbraucherzentrale schließt daraus, dass die Supermarktpreise zum Teil von den Kakaopreisen entkoppelt sind, obwohl die Hersteller das gerne anders darstellen. Steigen die Rohstoffpreise, werden sie als Ursache für höhere Preise herausgestellt. Grund: Hersteller hoffen dann am ehesten auf Verständnis. Sinken sie jedoch, kommt das im Regal selten an. Ziel der Firmen sei es ohnehin, den höchsten Preis zu finden, den Verbraucher bereit sind zu zahlen.

Marken locken mit Aktionen

Bei einer Marke liege der Preis deutlich höher als bei No-Name-Produkten, auch wenn „das Gleiche“ drin sei. Ein höherer Preis stützt dabei auch den Markencharakter. Festlegen dürfen die Preise allerdings nur die Händler, Hersteller können lediglich eine UVP aussprechen.

Hinzu kommen die Aktionen: „Markenprodukte gehen in ihren Regalpreisen eigentlich nicht runter. Das ist unsere Erfahrung. Stattdessen wird mit Aktionen geworben.“ Ende des letzten Jahres sei der Kakaopreis gesunken, doch weder Kinder noch Lindt oder Milka hätten ihre Regalpreise gesenkt. Dafür gab es fast jede Woche Rabattaktionen. Der normale Verbraucher frage sich da zurecht, wie es sein kann, dass die Schokolade in einer Woche 77 Cent und in der nächsten 1,99 Euro kostet. „Das können Verbraucher ganz schwer nachvollziehen“, so der Experte.

Was rät der Experte den Verbrauchern aber konkret? „Es geht hier auch um Genuss, gerade vor Weihnachten“, sagt er gegenüber unserer Redaktion im Interview. Man wolle Kindern, Enkeln und Freunden etwas Gutes kaufen und schaue dabei nicht so auf den Preis. Es gelten aber die allgemeinen Ratschläge: den Grundpreis anschauen, prüfen, ob sich die Füllmenge verändert hat, und nach Aktionen schauen. Zum Teil seien Hohlfiguren sogar günstiger als eine Tafel Schokolade. Das sei ein Versuch, die Leute wieder zu begeistern, denn Schokolade habe Umsatz an andere Süßigkeiten verloren.