Fahrgäste im Fernverkehr brauchen starke Nerven. Obwohl die Bahn das Schienennetz massiv saniert, fahren die Züge immer unpünktlicher. Philipp Nagl, Chef der Infrastrukturtochter DB InfraGo, nannte nun gegenüber der „Zeit“ einen Zeitplan für die Rückkehr zur Zuverlässigkeit.
Bis Reisende eine Veränderung bemerken, vergeht noch einige Zeit. „Die Strahlwirkung wird man spüren, wenn wir mit den ganz heiklen Sanierungen fertig sind“, erklärte Nagl. Dazu zählt die Modernisierung der Verbindung Hannover-Berlin, die bis Ende des kommenden Jahres andauert. Im Jahr 2029 steht dann die Strecke Hamburg-Hannover an.
📌 Das ist die Deutsche Bahn Gründung: Die Deutsche Bahn AG gibt es seit 1994. Sie entstand aus der Zusammenlegung der westdeutschen Bundesbahn und der ostdeutschen Deutschen Reichsbahn. Das gesamte Unternehmen gehört bis heute zu 100 % dem Bund. Größe des Netzes: Das Schienennetz in Deutschland ist rund 33.000 km lang. Es ist eines der größten in Europa. Täglich fahren Tausende Züge im Fern-, Regional- und Güterverkehr. Fahrgäste: Die DB befördert pro Jahr mehrere Milliarden Fahrgäste, wenn man den Nahverkehr einschließlich Bussen mitzählt. Allein im Fernverkehr sind es über 150 Millionen Reisende.
Ein langer Weg zur Pünktlichkeit
Nach Abschluss dieser Arbeiten rechnet der Infrastruktur-Chef mit einer Wende. „Dann sind die großen Strecken erledigt. Und dann werden auch überall in Deutschland die Züge wieder pünktlicher kommen“, betonte Nagl. Durch Generalsanierungen auf Dutzenden Strecken soll das überalterte Netz langfristig fit gemacht werden.
Ursprünglich klang die Prognose optimistischer. Zum Start der ersten Sanierungswelle 2024 hatte der frühere Bahnchef Richard Lutz versprochen, dass sich die Lage mit jedem erneuerten Korridor verbessert. Eingetreten ist das Gegenteil. Letztes Jahr rutschte die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr auf rund 60 Prozent ab, 2023 lag sie noch bei 64 Prozent. Für 2026 werden noch schlechtere Werte erwartet. Damit rückt das Ziel der Bundesregierung in weite Ferne, die bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent fordert.
Veraltete Technik und volle Strecken
Als Hauptgrund für die Verspätungen nennt Nagl veraltete technische Anlagen. Weichen und Stellwerke gehen schneller kaputt, als Bautrupps sie reparieren können. „Die Zahl der Verspätungsfälle, die mit gestörten Infrastrukturanlagen zusammenhängen, ist 2026 um 40 Prozent gestiegen“, sagte der InfraGo-Chef der „Zeit“. „Das liegt an den vielen sanierungsbedürftigen Anlagen, die dieses Jahr im sehr kalten Winter und sehr heißen Sommer besonders strapaziert wurden. Extreme Temperaturen beschädigen die Infrastruktur und verhindern schnelle Reparaturen.“
Zusätzlich bringt die enorme Auslastung das System ans Limit. Einst planten Ingenieure die Strecke Hamburg-Berlin für einen Fernzug pro Richtung und Stunde. Mittlerweile schickt allein die Bahn dort alle 30 Minuten einen Zug auf die Reise. Hinzu kommen die Züge des Konkurrenten Flix und möglicherweise bald Verbindungen des italienischen Anbieters Italo. „Für diese Auslastung ist die Strecke nie gebaut worden“, stellte Nagl klar.
Quelle: dpa
