Der Bodensee präsentiert sich derzeit von einer ungewohnt kargen Seite. Obwohl es in den vergangenen Wochen immer wieder geregnet hat, bleibt das Gewässer extrem leer. An den Ufern und in den Häfen liegen weite Flächen komplett trocken. Für Bootsbesitzer wird es zunehmend zu einer Herausforderung, ihre Wasserfahrzeuge überhaupt noch in den See zu bekommen. Besonders dramatisch zeigt sich dieses Bild am Untersee. Rund um Radolfzell sowie in der Gemeinde Moos im Landkreis Konstanz treten die Folgen des Wassermangels deutlich zutage.
Kürzlich erfasste die Messstation in Konstanz einen Pegel von lediglich 266 Zentimetern. Damit unterbietet der aktuelle Wert sogar den bisherigen historischen Negativrekord für einen 8. September. Im Jahr 2003 lag der Wasserstand an diesem Datum noch bei 277 Zentimetern. Vor allem an den flacheren Stellen des Sees lassen sich die massiven Auswirkungen der Trockenheit kaum übersehen.
📌 Der Bodensee Lage: Deutschland, Österreich und Schweiz Fläche: rund 536 km² Länge: etwa 63 Kilometer Größte Tiefe: rund 251 Meter Uferlänge: etwa 273 Kilometer Größter Zufluss: Alpenrhein Abfluss: Hochrhein Größte Stadt am See: Konstanz Besonderheit: Der Bodensee ist der drittgrößte See Mitteleuropas und ein bedeutendes Ausflugs- und Urlaubsgebiet.
Schiffsverkehr spürt die drastischen Folgen
Wegen der angespannten Lage schlagen die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) nun Alarm. Sie weisen Fahrgäste auf drohende Einschränkungen und mögliche Verspätungen im regulären Schiffsverkehr hin. Auf ihrer Webseite verdeutlicht das Unternehmen die dramatische Situation mit klaren Worten. „Noch nie war der Sommer-Pegelstand des Bodensees so niedrig wie in diesem Jahr“, teilen die BSB mit.
Für diese außergewöhnliche Entwicklung gibt es gleich mehrere Ursachen. Laut der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) fehlt dem See vor allem das wichtige Schmelzwasser aus den Alpen. Ein extrem schneearmer Winter hat diese wichtige Zuflussquelle versiegen lassen. Zusätzlich verschärften monatelange Trockenheit und eine enorme Verdunstung während der heißen Sommermonate die Lage drastisch.
Keine rasche Besserung in Sicht
Auf eine schnelle Entspannung der Situation hoffen Anwohner und Touristen vorerst vergeblich. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fallen in den kommenden Tagen nur vereinzelt Niederschläge. Ein Meteorologe des DWD dämpft die Erwartungen deutlich. „Viel wird es nicht sein, was da zusammenkommen wird“, erklärt der Experte. Das enorme Defizit der vergangenen Monate lässt sich durch diese geringen Regenmengen keinesfalls ausgleichen.
Trotz der widrigen Umstände bleibt die Region laut der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH ein lohnendes Ziel für Urlauber. Wer jedoch eine Fahrt mit dem Schiff, einen Ausflug mit dem eigenen Boot oder sportliche Aktivitäten auf dem Wasser plant, sollte vorsichtig sein. Die Verantwortlichen raten dringend dazu, sich vorab direkt bei den jeweiligen Anbietern zu informieren. An einzelnen Anlegestellen und in flachen Uferbereichen muss weiterhin mit spürbaren Einschränkungen gerechnet werden.
