Nach langem Ringen ist der Weg für eine neue Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg frei. Der Verkehrsausschuss des Bundestages bestätigte die Vorplanung der Bahn, die neben der Neubautrasse auch schnelle Verbesserungen an der alten Strecke fordert. Am späten Donnerstagabend soll das Parlament das von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken beschlossene Projekt endgültig absegnen. Für die Koalition gilt die Zustimmung als reine Formsache.
Auf der bestehenden Route herrscht chronische Überlastung, weshalb die Verbindung als eine der wichtigsten Verkehrsachsen Deutschlands gilt. In Niedersachsen kochen derweil die Emotionen hoch. Dort wehren sich Bürger und Politiker seit Jahrzehnten vehement gegen das Vorhaben.
📌 Wichtige Nord-Süd-Achse der Bahn Teil der Hannoverschen Südbahn und der Strecke nach Hamburg: Die Verbindung besteht aus mehreren historischen Abschnitten. Dazu gehören die Strecke Hannover–Celle–Uelzen–Lüneburg–Hamburg-Harburg und die Strecke Lehrte–Celle. Sie wurde größtenteils schon im 19. Jahrhundert eröffnet. Bekannt ist sie auch als Teil der Verbindung Hannover–Hamburg über Uelzen (die „Amerikalinie“ ist dagegen die Strecke Langwedel–Uelzen). Länge: Die Strecke ist rund 180 bis 190 km lang. Das hängt von der Route ab, zum Beispiel über Lüneburg oder über Celle und Uelzen. ICE und IC brauchen für die Fahrt zwischen Hamburg Hbf und Hannover Hbf etwa 1 Stunde 20 Minuten bis 1 Stunde 30 Minuten. Wichtige Verkehrsachse: Sie gehört zu den meistbefahrenen Nord-Süd-Verbindungen in Deutschland. Hier fahren ICE- und IC-Fernverkehr, Regionalverkehr und viele Güterzüge, vor allem von und zum Hamburger Hafen.
Kürzere Fahrzeiten und mehr Kapazität
Reisende im Fernverkehr sollen künftig 18 Minuten schneller pendeln. Bislang macht die Strecke einen Bogen über Lüneburg, Uelzen und Celle. Zukünftig soll die zweigleisige Trasse direkter und teilweise an der Autobahn 7 entlangführen. Mit bis zu 250 km/h sollen ICE-Züge über Soltau und Bergen rasen und den Fern- sowie Güterverkehr von der alten Verbindung abziehen.
Für den Warentransport ist die Achse extrem wichtig, da sie den Hamburger Hafen mit Süddeutschland und Europa verknüpft. Jeder vierte Güterwagen in Deutschland fährt von oder nach Hamburg. Auf der alten Route geht mit 147 Prozent Auslastung fast nichts mehr.
Jubel und scharfe Kritik
In Berlin herrscht Erleichterung. «Wir beenden den jahrelangen Stillstand bei Hamburg-Hannover und bringen Neubau und Verbesserungen auf der Bestandsstrecke endlich zusammen», sagte SPD-Politikerin Isabel Cademartori. Bis 2034 fließen 250 Millionen Euro in die alte Strecke für Lärmschutz und mögliche Regionalhalte. Christoph Ploß (CDU) sieht den Neubau als zentralen Baustein gegen Engpässe.
Auch Pro Bahn, Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay loben die Vorteile für Regionalverkehr und Wirtschaft. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies übt dagegen scharfe Kritik. «Mit dem Kopf durch die Wand die Planung einer Neubaustrecke voranzubringen, die in 30, 40 Jahren vielleicht mal kommt, ist nur die halbe Lösung», erklärte der SPD-Politiker.
Er fordert ein drittes Gleis auf der alten Strecke, wie es das Dialogforum «Alpha-E» vorsah. Der Bund schaue zu sehr auf die Städte. «Mir ist es wichtiger, was heißt das für die Pendlerinnen und Pendler in meinem Land», sagte Lies. «Das hat man aus meiner Sicht in Berlin zu wenig bedacht.» Auch SPD-Chef Lars Klingbeil und der Naturschutzbund wehren sich gegen das Projekt.
Langer Atem und Milliardenkosten
Bevor die Bagger rollen, steht 2029 die Sanierung der alten Strecke an. Dafür soll die Verbindung monatelang gesperrt werden, auch wenn das Ministerium dieses Konzept aktuell überprüft. Für den Neubau sollen 2034 die Planungsunterlagen eingereicht werden.
Der Baustart ist für 2036 angesetzt, die Fertigstellung für 2050. Bis dahin bleibt die Finanzierung offen. Mindestens neun Milliarden Euro veranschlagt die Bahn. Bei regionalen Sonderwünschen dürften die Kosten steigen, wobei der finanzielle Hauptbrocken erst beim Baustart fällig wird.
