Für viele Menschen in Deutschland gibt es beim Blick auf die aktuelle Energierechnung einen kleinen Lichtblick. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mussten Privathaushalte für eine Kilowattstunde Erdgas durchschnittlich 11,58 Cent bezahlen. Trotz dieses leichten Preisrückgangs liegen die Kosten weiterhin massiv über dem Niveau vor dem russischen Angriff auf die Ukraine.
Laut den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sanken die Gaskosten im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 um 5,3 Prozent. Gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres betrug das Minus 4,5 Prozent, was vor allem an der abgeschafften Gasspeicherumlage lag. Zieht man jedoch das zweite Halbjahr 2021 als Maßstab heran, zahlen private Verbraucher heute satte 80,7 Prozent mehr.
📌 Warum der Gasverbrauch so hoch ist Heizen ist der mit Abstand größte Verwendungszweck: Rund 85 % des Gasverbrauchs eines Haushalts entfallen auf die Raumheizung. Warmwasserbereitung ist der zweitgrößte Posten: Etwa 14 % des Gasverbrauchs werden für die Erwärmung von Wasser zum Duschen, Baden oder für die Küche eingesetzt, oft über eine Gastherme oder Zentralheizung. Kochen spielt nur eine sehr kleine Rolle: Der Anteil von Gasherden bzw. Gaskochfeldern am gesamten Gasverbrauch liegt bei nur etwa 1 %.
Strom wird günstiger, aber treibt weiter in die Schulden
Bei der Stromrechnung zeigt sich ein ganz ähnliches Bild für die Verbraucher. Durchschnittlich 37,97 Cent kostete die Kilowattstunde in der ersten Jahreshälfte. Niedrigere Netzentgelte, die durch staatliche Zuschüsse an die Netzbetreiber möglich wurden, drückten den Preis um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorhalbjahr. Dennoch bleibt Strom im direkten Vergleich mit der Zeit vor dem Ukraine-Krieg um 16,4 Prozent teurer.
Diese anhaltend hohen Tarife bringen unzählige Familien an ihre absoluten finanziellen Grenzen. Wie die Wiesbadener Statistiker kürzlich auf Basis von Daten aus dem Jahr 2025 meldeten, steckten rund 3,8 Millionen Menschen in Haushalten mit Zahlungsrückständen bei ihren Energieversorgern.
Neue Krisen treffen zuerst die Wirtschaft
Deutlich günstiger kommen derweil Unternehmen und Behörden bei der Energieversorgung weg. Ohne Mehrwertsteuer und andere abzugsfähige Abgaben zahlten diese Großkunden im ersten Halbjahr durchschnittlich nur 6,29 Cent für eine Kilowattstunde Erdgas. Für Strom berechneten die Versorger den Nicht-Haushalten nach vorläufigen Zahlen im Schnitt 17,64 Cent je Kilowattstunde.
Allerdings spürt die Industrie bereits die ersten Konsequenzen der jüngsten Eskalationen. Wegen der Krise in der Meerenge von Hormus kletterten die Gaspreise für Unternehmenskunden im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2025 wieder um 1,8 Prozent nach oben. Seit dem Kriegsausbruch zwischen den USA und dem Iran Ende Februar ist diese wichtige Route faktisch blockiert. Bis solche Preissteigerungen bei privaten Endkunden ankommen, vergeht wegen langfristiger Verträge normalerweise noch etwas Zeit.
