Urlaub bedeutet für viele vor allem eins: gutes Essen. Doch die Tischsitten unterscheiden sich weltweit gewaltig. Was in Deutschland als höflich gilt, sorgt anderswo für hochgezogene Augenbrauen. Vom leeren Teller bis zum Trinkgeld lauern zahlreiche Fettnäpfchen.
Meist sind es Kleinigkeiten, die für Verwirrung sorgen. Ein zu früh geleertes Glas, die falsche Hand beim Zugreifen oder ein zu knappes Trinkgeld können Gastgeber vor den Kopf stoßen. Dabei meinen es die meisten Reisenden gut, nur fehlt oft das Wissen über lokale Gepflogenheiten.
📌 Restaurantbesuche weltweit In Japan gilt es als unhöflich, das Rückgeld direkt vor dem Kellner nachzuzählen, da dies wie ein stiller Betrugsverdacht wirkt. Auf vielen Südseeinseln ist die Annahme von Trinkgeld aus traditionellen Gründen sogar offiziell verboten. Laut einer Sumup- und Mastercard-Umfrage aus dem Jahr 2024 geben 80 Prozent der Deutschen nach einem Restaurant- oder Cafébesuch Trinkgeld. Statt mit Geld bedanken sich manche Japan-Reisende beim Personal mit kleinen gefalteten Origami-Kunstwerken. In Frankreich übernimmt bei Gruppen zunächst eine Person die gesamte Rechnung, aufgeteilt wird das Geld erst im Nachhinein untereinander.
Der Teller verrät die Kultur
In Deutschland gilt ein leerer Teller als Zeichen der Zufriedenheit. In den USA, Kanada, Japan, Thailand, Arabien und Finnland ist das anders. Dort sollte stets ein kleiner Rest liegen bleiben, sonst signalisiert der Gast noch Hunger.
Noch heikler wird es auf den Philippinen, in Kambodscha, Korea oder Ägypten. Dort gilt ein komplett leer gegessener Teller sogar als Beleidigung für den Gastgeber, wie das Reisemagazin „Liligo“ berichtet. Die Geste wirkt dort wie ein Vorwurf, die servierte Portion sei zu klein gewesen.
Falsche Hand, falsches Thema
In Indien und vielen islamischen Ländern zählt beim Essen nur die rechte Hand. Essen, Reichen und Nehmen mit links gilt als unhöflich, weil die linke Hand traditionell für die Körperhygiene reserviert ist. Wer das nicht weiß, tappt schnell ins Fettnäpfchen.
Auch beim Small Talk am Tisch lauern Gefahren. Über Politik zu sprechen kommt in China, Japan und Singapur überhaupt nicht gut an, wie die „Kölnische Rundschau“ schreibt. Auch Geld und Religion gelten in vielen asiatischen Ländern als heikle Gesprächsthemen.
Trinkgeld sorgt oft für Verwirrung
Kaum ein Thema führt so häufig zu Missverständnissen wie das Trinkgeld. In den USA gelten, laut „Süddeutsche Zeitung , 15 bis 25 Prozent im Restaurant fast als Pflicht. Wer dort weniger gibt, gilt schnell als unhöflich, weil viele Kellner von diesem Zusatzverdienst leben.
In Japan und weiten Teilen Chinas wirkt Trinkgeld dagegen oft befremdlich. Guter Service gehört dort ohnehin zum Job und wird nicht extra belohnt. Wer trotzdem Geld anbietet, bringt das Personal eher in Verlegenheit als in gute Stimmung.
Zu wenig oder zu viel Trinkgeld
Auch die richtige Höhe kann zum Problem werden. Etikette-Trainerin Lis Droste rät Urlaubern, guten Service grundsätzlich zu honorieren, da die Gehälter in Gastronomie und Tourismus oft niedrig ausfallen, wie das Portal „noz.de“ berichtet. Wer zu knauserig auftritt, sorgt schnell für schlechte Stimmung.
Gleichzeitig zeigt die aktuelle Entwicklung in den USA die andere Richtung. Dort klettern Trinkgelder inzwischen auf bis zu 30 Prozent, Medien sprechen bereits von einer regelrechten Tipflation. Wer sich vorab informiert, muss weder geizig noch übertrieben großzügig wirken.
Am Ende hilft vor allem eines: ein Blick auf die Tischsitten des jeweiligen Landes vor dem Abflug. Wer trotzdem einen Fehler macht, sollte sich einfach entschuldigen, denn die meisten Gastgeber verzeihen kleine kulturelle Ausrutscher. Wichtiger als Perfektion bleibt echtes Interesse an fremden Gepflogenheiten.
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