Wegen Spionage-Verdacht: HateAid verklagt Meta, Fielmann und Co.

Die Organisation HateAid zieht gegen den Verkauf von Datenbrillen vor Gericht. Mit diesen Geräten lassen sich unbemerkt Fotos und Videos aufzeichnen. Im Fadenkreuz der Strafanzeigen stehen die Führungsriegen des Digitalkonzerns Meta sowie der Hersteller Ray-Ban und Oakley. Zuerst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

Auch große deutsche Handelsketten geraten in den Fokus. MediaMarktSaturn, Fielmann, Apollo-Optik und Mister Spex sehen sich ebenfalls mit Anzeigen konfrontiert. HateAid möchte den Vertrieb der Modelle komplett stoppen.

📌 Smart-Glasses Ursprung im Wearable-Bereich: Eine der ersten bekannten Smart Glasses war Google Glass (2013), die per Sprachsteuerung und kleinem Display Informationen direkt ins Sichtfeld einblendete – galt jedoch wegen Datenschutzbedenken und hohem Preis zunächst als kommerzieller Flop. KI und AR verschmelzen: Moderne Modelle wie die Ray-Ban Meta oder Meta Ray-Ban Display kombinieren Kamera, Lautsprecher und KI-Assistenten, sodass man z. B. Fotos machen, Musik hören oder in Echtzeit übersetzen lassen kann – oft ganz ohne sichtbares Display. Wachsender Markt: Laut Marktanalysen wird der globale Smart-Glasses-Markt in den kommenden Jahren stark wachsen (teils mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten), getrieben durch Fortschritte bei Akkulaufzeit, Miniaturisierung und KI-Integration.

Vorwurf der verdeckten Spionage

Optisch lassen sich die aktuellen Smart Glasses kaum von normalen Sonnenbrillen unterscheiden. Die Organisation stützt ihre Argumentation auf das Telekommunikationsgesetz, welches den Verkauf von getarnten Spionageanlagen verbietet. Im öffentlichen Raum droht durch die unauffälligen Aufnahmen ein permanenter Überwachungsdruck.

Darauf weist die HateAid-Geschäftsführerin Josephine Ballon hin. Neben den juristischen Schritten fordert die Organisation über eine Petition technische Nachbesserungen im Sinne von „Safety by Design“ sowie eine härtere Regulierung durch die Bundesnetzagentur und das Justizministerium.

Zweifel an den Warnsignalen

Normalerweise zeigt eine eingebaute Hardwarekomponente an, wenn die Brille aufzeichnet. Auf der Vorderseite der Meta-Brille pulsiert beispielsweise eine kleine weiße LED-Leuchte. Kritiker bezweifeln allerdings die Wirksamkeit dieser Warnung. Bei hellem Tageslicht nehmen Passanten das Blinken oft nicht wahr.

Der Meta-Konzern wehrt sich gegen die Vorwürfe. Bereits 2022 hat die Bundesnetzagentur die Datenbrillen laut einer Sprecherin geprüft. „Diese Funktion lässt sich nicht ausschalten, damit sich sowohl die Brillenträger als auch die Personen in ihrer Umgebung wohlfühlen“, erklärte Meta. Sobald jemand die LED abdeckt, schaltet sich die Kamera ab.

Händler reagieren überrascht

Die betroffenen Händler zeigen sich derweil verwundert über die rechtlichen Schritte. Ein Sprecher von MediaMarktSaturn betonte, dass der Konzern nur rechtlich geprüfte Ware anbietet. Auch bei Mister Spex wartet man nun die Entwicklungen ab. Das Unternehmen kündigte an, vollumfänglich mit den Ermittlungsstellen zu kooperieren.