Die Midterms sind für Donald Trump zum Debakel geworden: Nach AP-Daten haben die Demokraten den Senat und das Repräsentantenhaus erobert. Auch in Deutschland ließen die ersten Reaktionen nicht lange auf sich warten. Sie reichen von Freude über vorsichtige Zuversicht bis hin zu deutlichen Warnungen.
Schon in der Wahlnacht meldeten sich die ersten Politiker zu Wort. Karl Lauterbach schrieb auf X: „Jetzt erstmal ins Bett. Links ist noch nicht vorbei, auch in den USA nicht.“ Grünen-Chefin Franziska Brantner sprach von einem „fantastischen Sieg“ und sagte im „rbb24 Inforadio„: „Es freut mich wirklich sehr, dass es sich gelohnt hat, zu kämpfen.“
📌 Fakten über Donald Trump Ideologie: Sein politischer Stil gilt als populistisch („Trumpismus“) und ist stark auf die Wirtschaft fokussiert. Sein zentraler politischer Slogan lautet „Make America Great Again“ (MAGA). Erste Amtszeit (2017–2021): Als 45. Präsident setzte er erhebliche Steuersenkungen durch, betrieb massiven Deregulierungsabbau, ernannte drei konservative Richter für den Obersten Gerichtshof und verfolgte eine protektionistische Handelspolitik. Zweite Amtszeit (seit Januar 2025): Nach seiner Wahlniederlage 2020 gegen Joe Biden trat er 2024 erneut an, gewann die Präsidentschaftswahl und amtiert seit dem 20. Januar 2025 als 47. Präsident der USA. Seine zweite Amtszeit ist stark von innenpolitischen Umstrukturierungen und neuen globalen Handelskonflikten geprägt. Impeachment: Er ist der erste US-Präsident, gegen den während seiner Amtszeit zwei Amtsenthebungsverfahren (Impeachments) eingeleitet wurden (2019 und 2021) – beide endeten jedoch mit einem Freispruch im Senat. Juristische Urteile: Donald Trump ging als erster ehemaliger und amtierender US-Präsident in die Geschichte ein, der in einem Strafprozess (unter anderem in der New Yorker Schweigegeld-Affäre) von einer Jury schuldig gesprochen und strafrechtlich verurteilt wurde.
„Ein Morgen der Zuversicht“
Die Wähler hätten ein „Stoppschild gegen Trump und seine Milliardäre“ aufgestellt, so Brantner weiter. Für Europa sieht sie dennoch keinen Grund zum Aufatmen, denn Trumps Politik werde „erratisch bleiben“. Die EU müsse deshalb stärker auf die eigene Stärke setzen.
Zuversicht kommt auch aus der Union. Bundesbildungsministerin Karin Prien schrieb auf X: „Ein Morgen der Zuversicht. Die Geschichte der liberalen Demokratie ist längst nicht auserzählt.“ Das Ergebnis nannte die CDU-Politikerin ein „kraftvolles Votum“ für die Demokratie.
Wahlschlappe ein Urteil über Trumps Außenpolitik
Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, geht noch einen Schritt weiter. Für ihn ist die Wahlschlappe auch ein Urteil über Trumps Außenpolitik. Im ARD-Morgenmagazin nannte er den Iran-Krieg, die Gaza-Politik und die „relative Unterstützung für Putin“ durch gelockerte Sanktionen. Er hoffe, dass Trump künftig „mehr Vernunft walten lässt“.
Ob das gelingt, bezweifelt SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic. Er fürchtet, dass Trump nach der Niederlage noch aggressiver auftritt, etwa mit einem neuen Großangriff auf Iran. Bei RTL und ntv sagte, die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass man in den nächsten Tagen und Wochen etwas erlebe, „das uns nicht hilft“.
Eine Reaktion von Kanzler Friedrich Merz auf das Ergebnis lag zunächst nicht vor. Vor der Wahl hieß es aus dem Kanzleramt nur: Man schaue „mit großem Interesse“ nach Amerika. So groß die Freude vieler Politiker über den Wahlausgang ist, so offen bleibt, was er für Europa bedeutet.
