Die Stimmung in Teilen der CDU wird offenbar rauer. Ausgerechnet in Baden-Württemberg, einer traditionellen Hochburg der Christdemokraten, mehren sich Berichten zufolge kritische Stimmen zur Arbeit der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Während einige Parteimitglieder offen ihren Unmut äußern, halten andere weiterhin demonstrativ zu ihrem Parteichef.
Besonders deutlich fällt die Kritik des früheren CDU-Fraktionsvorsitzenden im baden-württembergischen Landtag, Wolfgang Reinhart, gegenüber der „FAZ“ aus. Er zählt zu den langjährigen Unterstützern von Merz und hatte dessen Kandidaturen für den Parteivorsitz über Jahre begleitet. Umso größer sei nun seine Ernüchterung über die politische Bilanz des Kanzlers, die nach seiner Auffassung hinter den Erwartungen zurückbleibe. Er sei „gnadenlos enttäuscht“.
📌 Fakten Drei Anläufe bis zum Parteivorsitz: Friedrich Merz kandidierte mehrfach für die CDU-Führung. Erst Ende 2021 setzte er sich nach zwei gescheiterten Versuchen gegen seine parteiinternen Konkurrenten durch. Hohe Erwartungen an den Kanzler: Viele CDU-Mitglieder verbanden mit Merz die Hoffnung auf einen klareren konservativen Kurs und wirtschaftspolitische Reformen. Entsprechend groß ist in Teilen der Partei die Enttäuschung, wenn diese Erwartungen als nicht erfüllt gelten. Regieren statt Opponieren: Seit dem Wechsel ins Kanzleramt im Jahr 2025 steht Merz vor anderen Herausforderungen als zu Oppositionszeiten. Kompromisse innerhalb der Koalition sorgen regelmäßig für Konflikte mit Teilen der eigenen Basis. Unterschiedliche Erwartungen innerhalb der CDU: Innerhalb der CDU gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, welchen politischen Kurs Merz einschlagen sollte. Besonders beim Umgang mit der AfD, bei Migration und bei sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen wird über das richtige Profil der Partei diskutiert. In Regionen mit starkem AfD-Wettbewerb ist der Druck auf die CDU besonders groß.
Kritik und Skepsis an Merz in eigener Partei nimmt zu
Nach Angaben aus Parteikreisen soll die Skepsis gegenüber Merz inzwischen deutlich zugenommen haben. Funktionäre beschreiben eine Entwicklung, bei der sich das Verhältnis von Unterstützern und Kritikern im Vergleich zu früher nahezu umgekehrt habe. Damit wächst der Druck auf die Parteiführung, die eigene Basis wieder stärker hinter sich zu versammeln.
Für zusätzlichen Unmut sorgen demnach Personalentscheidungen der Bundesregierung. Vor allem die jüngste Umbildung des Kabinetts wird von einigen Christdemokraten kritisch bewertet. Auch Veränderungen auf Staatssekretärsebene haben intern Fragen ausgelöst und werden von manchen Parteivertretern als nicht ausreichend nachvollziehbar angesehen.
Sie stellen sich hinter den Kanzler
Gleichzeitig gibt es innerhalb der CDU weiterhin starke Stimmen, die Merz den Rücken stärken. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Christian von Stetten, sieht die Ursachen politischer Probleme nicht beim Kanzler, sondern beim Koalitionspartner SPD. Aus seiner Sicht verfügt Merz nach wie vor über die richtigen Konzepte für notwendige Reformen in Deutschland.
Ähnlich äußert sich auch der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger. Spekulationen über einen möglichen Wechsel an der Spitze der Bundesregierung weist er zurück. Nach seiner Einschätzung arbeitet in der Landes-CDU niemand aktiv auf einen Austausch des Kanzlers hin, auch wenn Enttäuschungen und Ernüchterung in der Partei spürbar seien.
Die Debatte zeigt, wie unterschiedlich die Bewertung von Friedrich Merz innerhalb der CDU derzeit ausfällt. Während Kritiker fehlende Fortschritte und umstrittene Entscheidungen beklagen, verweisen Unterstützer auf die schwierigen Rahmenbedingungen der Koalition.
