„Keine politische Einigung“: Bas stellt sich bei Rentenreform gegen Merz

Vor ein paar Monaten gab sich die Regierungskoalition noch geschlossen: Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas sprach bei der Vorstellung der Vorschläge zur Rentenreform von einem „Gesamtkunstwerk“ und betonte, dass es nur als Ganzes funktionierte.

Noch vor der parlamentarischen Sommerpause gingen dann allerdings die Diskussionen los – auch innerhalb von CDU und SPD. Diskussionen – unter anderem um die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63 – machten das Fahrwasser trüb. Und im September scheint sogar Bas selbst in Sachen Renten-Reform zurückzurudern. Gegenüber der „Bild“ signalisierte sie am Dienstag (1. September), dass offenbar noch Diskussionsraum offen ist.

📌 Die Vorschläge der Rentenkommission Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission (Rentenkommission) hat im Juni 2026 einen umfassenden Bericht mit 33 konkreten Empfehlungen zur Zukunft der Alterssicherung in Deutschland ab dem Jahr 2031 vorgelegt. Die Regierungskoalition aus Union und SPD hat angekündigt, dieses Reformpaket als Gesamtkonzept vollständig umsetzen zu wollen. Zu den wichtigsten Vorhaben zählen unter anderem die Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung und die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente („Rente mit 63“).

Bas stellt sich erneut gegen Merz

Ob das Bundeskanzler Friedrich Merz schmecken wird, darf dabei ruhig bezweifelt werden. Er sprach zuletzt noch davon, dass man die Vorschläge der Rentenkommission „in ihrer Gesamtheit auch in ein Gesetzgebungsverfahren“ geben wolle. Nun sagte Bas bei einem Wahlkampftermin in Sachsen-Anhalt, dass das alles „erstmal nur ein Kommissionsbeschluss“ sei. „Das ist ja noch keine politische Einigung“, so die Arbeitsministerin gegenüber der Zeitung.

Kommt jetzt also der neue große Rentenstreit? Das alles wirkt jedenfalls meilenweit von der klaren Linie entfernt, mit der sich die Merz-Regierung noch im Juni bei der Vorstellung des Rentenpakets präsentierte.

Drängen auf Gesetzgebungsverfahren

Die Zeit drängt jedenfalls, die großen Reformvorhaben endlich über die Bühne zu bringen. „Bas ist jetzt in der Verantwortung, zügig Gesetzentwürfe vorzulegen“, sagte am Sonntag (30. August) der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stefan Nacke (CDU), dem „Tagesspiegel“. Damit sprach er an, was sich nicht nur in Unionskreisen derzeit zu einer Überzeugung herauskristallisiert.

Es werde Zeit das parlamentarische Verfahren zu beginnen, „so dass wir uns fachlich seriös über konkrete Texte und Formulierungen beugen können“. Ein ewiges „Hätte-wäre-wenn“ wird der Beliebtheit der Reform wohl kaum dienlich sein.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung wurde Bundeskanzler Friedrich Merz von einem Restaurantbesitzer festgenagelt – und ließ sich ein Versprechen herauslocken.