Gletscher schmelzen, Felsen werden instabil, Berghütten kämpfen mit Wassermangel: Der Deutsche Alpenverein (DAV) warnt vor den Folgen des Klimawandels in den Alpen. Das schreibt die „SZ“. In einem offenen Brief richtet sich der Verband direkt an Bundeskanzler Friedrich Merz – und fordert, Klimaschutz, Klimaanpassung und Naturschutz endlich zusammenzudenken und verlässlich zu finanzieren.
Die Berge seien ein „Frühwarnsystem“ für die Folgen der Klimakrise, argumentiert der DAV. Was dort heute sichtbar werde, könne künftig auch andere Regionen treffen. „Wer heute bei Klima und Natur spart, zahlt morgen doppelt: mit gesperrten Wegen, teuren Schäden und verlorener Sicherheit“, sagt DAV-Präsident Roland Stierle.
📌 Klimawandel in den Alpen Gletscher: verlieren weiter Eis und ziehen sich zurück. Permafrost: Das Auftauen kann Fels und Hänge destabilisieren. Starkregen: Erhöht das Risiko von Muren und Schäden an Wegen und Brücken. Wasser: Besonders hoch gelegene Hütten leiden zunehmend an Wassermangel. Anpassung: Der DAV setzt unter anderem auf Wassersparmaßnahmen und Trockentoiletten. Politik: Bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg wurde über Klimafolgen und Hitzeschutz beraten, konkrete neue Schutzmaßnahmen wurden jedoch nicht beschlossen.
Gletscher schmelzen, Wege werden gefährlicher
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung an den Gletschern. Sie verlieren weiter Eis und ziehen sich zurück. Gleichzeitig verändert sich die Sicherheit im Hochgebirge. Taut der Permafrost im Untergrund auf, können Felsen und ganze Hänge instabil werden. Nach Starkregen drohen Muren, die Wege und Brücken beschädigen oder komplett unpassierbar machen.
Auch der Wassermangel wird für die Alpen zunehmend zum Problem. Berghütten müssen sich bereits an die veränderten Bedingungen anpassen. Der DAV investiert deshalb unter anderem in Maßnahmen zur Wassereinsparung und in Trockentoiletten.
„Unsere ehrenamtlichen Teams setzen Wege und Hütten instand, die der Klimawandel oft schneller beschädigt, als wir reparieren können“, sagt DAV-Vizepräsident Ernst Schick. Ohne verlässliche staatliche Förderung drohe die Infrastruktur für einen sicheren Zugang zu den Bergen nach und nach verloren zu gehen.
Klimawandel war Thema bei Merz‘ Kabinettsklausur
Besonders bemerkenswert: Ausgerechnet während des jüngsten Treffens der Bundesregierung in Schloss Neuhardenberg war der Klimawandel ebenfalls Thema. Das Kabinett beriet über die Folgen von Hitze und Dürre und darüber, wie Deutschland besser mit den Auswirkungen des Klimawandels umgehen kann, so „tagesschau.de“.
Doch konkrete neue Schutzmaßnahmen wurden bei der Klausur nicht beschlossen. Union und SPD konnten sich insbesondere nicht darauf verständigen, Klimaanpassung und Schutz vor den Folgen des Klimawandels stärker im Grundgesetz zu verankern. Stattdessen sollen andere gesetzliche Möglichkeiten geprüft werden, berichtet „ZDFheute“.
Das dürfte den Appell des Alpenvereins noch dringlicher machen. Denn der Verband fordert nicht lediglich politische Absichtserklärungen, sondern konkrete und verlässlich finanzierte Maßnahmen.
Alpenverein will mehr als kurzfristige Reaktionen
Bundeskanzler Merz verwies nach der Klausur darauf, dass aus dem Hitzesommer Konsequenzen gezogen werden müssten – unter anderem für Gesundheitsvorsorge, Waldbrände sowie die Auswirkungen auf Handel und Landwirtschaft. Forderungen nach zusätzlichen Bundesmitteln für den Klimaschutz wies er allerdings zurück.
Genau hier setzt der DAV an. Die Politik dürfe nicht nur reagieren, wenn bereits Wege gesperrt, Hütten von Wassermangel betroffen oder Schäden entstanden seien. Klimaschutz müsse verhindern, dass sich die Probleme weiter verschärfen. Gleichzeitig brauche es Anpassungsmaßnahmen für Schäden, die sich bereits nicht mehr vermeiden lassen.
Der Verband sieht dabei auch die eigene Arbeit unter Druck: Viele Wege und Hütten werden von Ehrenamtlichen betreut. Wenn Extremwetter und auftauender Permafrost die Infrastruktur schneller beschädigen, als sie repariert werden kann, steigen Aufwand und Kosten. Der Appell an Merz lautet deshalb im Kern: Nicht erst handeln, wenn die Folgen noch teurer geworden sind.
