Merz warnt: Viele Deutsche unterschätzen Russland

Bundeskanzler Friedrich Merz schlägt beim Thema Russland alarmierende Töne an. Nach seiner Einschätzung wird die Gefahr, die von Moskau ausgeht, hierzulande noch immer von vielen Menschen unterschätzt. Dabei gehe es längst nicht nur um den Krieg in der Ukraine, sondern um deutlich größere politische Zusammenhänge.

In einem Interview mit Bloomberg äußerte sich der CDU-Politiker besorgt über die Entwicklung in Europa. Merz zufolge verfolgen die russischen Machthaber weitreichendere Ziele als bloß territoriale Gewinne in der Ukraine. Seiner Ansicht nach versuchen sie, die politische Stabilität auf dem europäischen Kontinent nachhaltig zu erschüttern.

📌 Mehr über Merz Bundeskanzler: Friedrich Merz ist seit dem 6. Mai 2025 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Koalition: Die Bundesregierung wird von CDU/CSU und SPD getragen. CDU-Vorsitz: Merz ist seit Januar 2022 Bundesvorsitzender der CDU. Beruflicher Hintergrund: Vor seiner Kanzlerschaft war Merz unter anderem als Rechtsanwalt und in verschiedenen Führungspositionen der Privatwirtschaft tätig.

Merz sieht Demokratie unter Druck

Der Kanzler warnte davor, den Konflikt ausschließlich auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine zu reduzieren. Viele Menschen würden nicht erkennen, welches Ziel Russland tatsächlich verfolge. Aus seiner Sicht richtet sich der Blick des Kremls auf die gesamte europäische Ordnung und deren demokratische Strukturen.

Nach den Worten des Kanzlers fürchte Russland die Stärke demokratischer Gesellschaften. Auch die europäische Integration und die enge Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union seien Moskau ein Dorn im Auge. Deshalb werde versucht, den Erfolg dieser Strukturen zu schwächen und zu untergraben.

Europa trägt Ukraine-Hilfe weiter

Merz betonte, dass diese Bedrohung nicht nur theoretischer Natur sei. Vielmehr handle es sich um eine Entwicklung, die Europa tagtäglich beschäftige. Gerade deshalb hält er es für problematisch, dass viele Bürger die Situation seiner Meinung nach nicht ernst genug einschätzen.

Mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine verwies Merz darauf, dass die europäischen Partner inzwischen einen großen Teil der Hilfe schultern. Trotz der erheblichen finanziellen Belastungen solle die Unterstützung fortgesetzt werden. Ziel sei es, der Ukraine so lange wie nötig beizustehen.

Gleichzeitig setzt der Kanzler weiter auf enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Nach eigenen Angaben versucht er bei Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump immer wieder deutlich zu machen, dass ein stabiles Europa auch im Interesse Amerikas liege. (mit dpa)