Was machte Trumps Beziehung zu Kim Jong-un so einzigartig?

Kaum ein Duo der Weltpolitik sorgte für so viel Kopfschütteln wie Donald Trump und Kim Jong-un. Erst drohten sich die beiden mit atomarer Vernichtung, dann sprach der US-Präsident plötzlich von Liebe. Drei persönliche Treffen, unzählige Briefe und eine Geschichte voller Widersprüche prägten dieses Verhältnis. Bis heute gilt es als eine der ungewöhnlichsten Beziehungen zwischen einem US-Präsidenten und einem Diktator.

Nie zuvor hatte ein amtierender US-Präsident einen nordkoreanischen Machthaber persönlich getroffen. Trump brach mit dieser jahrzehntelangen Zurückhaltung gleich mehrfach. Damit schuf er eine Dynamik, die Diplomaten weltweit überraschte und bis heute nachwirkt.

📌 Das Verhältnis zwischen Trump und Kim Jong-un Trump zeigte Besuchern im Weißen Haus laut übereinstimmenden Berichten gezielt die Briefe von Kim Jong-un und ließ sie sich dafür extra bringen. In seinen Schreiben redete Kim Jong-un den US-Präsidenten wiederholt mit „Your Excellency“ (Eure Exzellenz) an. Der Singapur-Gipfel 2018 dauerte insgesamt rund vier Stunden inklusive Mittagessen mit west- und ostasiatischen Gerichten. Nach dem Singapur-Treffen sagte Trump gegenüber Fox News, er habe Kim eine direkte Telefonnummer gegeben, unter der dieser ihn bei Problemen erreichen könne. Die Ausrichtung des Gipfels kostete den Stadtstaat Singapur nach Medienangaben umgerechnet mehrere Millionen Euro an Sicherheits- und Organisationskosten.

Wie aus Feinden plötzlich Brieffreunde wurden

Am Anfang stand blanker Hass. 2017 nannte Trump den nordkoreanischen Machthaber öffentlich einen „Verrückten“, der sein Volk verhungern lasse. Kim wiederum bezeichnete Trump als „geistig verwirrten Greis“ und drohte ihm mit Vergeltung durch Feuer.

Die Wortgefechte trieben immer neue Blüten. Wie der „Le Parisien“ dokumentierte, verspottete Trump seinen Widersacher als „kleinen Raketenmann“ und schrieb später, er würde Kim niemals „klein und dick“ nennen, obwohl dieser ihn als „alt“ beleidigt habe. Kim wiederum ließ über sein Staatsmedium verkünden, Trump sei ein „verängstigter Hund“. Aus diesem Tiefpunkt sollte binnen weniger Monate scheinbare Zuneigung erwachsen.

Der Wendepunkt: Singapur 2018

Im Juni 2018 änderte sich alles schlagartig. Trump und Kim trafen sich im Hotel Capella auf der Insel Sentosa zum ersten persönlichen Gipfel überhaupt. Ein zwölfsekündiger Handschlag vor amerikanischen und nordkoreanischen Flaggen ging um die Welt.

Nach den Gesprächen zogen sich beide für eine Dreiviertelstunde nur mit ihren Dolmetschern zurück. Trump verkündete danach das Ende gemeinsamer Militärübungen mit Südkorea, eine zentrale Forderung Pjöngjangs. Von Denuklearisierung, dem eigentlichen Ziel des Treffens, war in der Praxis wenig zu sehen.

Warum sprach Trump von „Liebe“?

Was danach folgte, verblüffte selbst erfahrene Diplomaten. Bei einem Wahlkampfauftritt im September 2018 erklärte Trump vor jubelndem Publikum, wie das Verhältnis gewachsen sei. „Er hat mir wunderschöne Briefe geschrieben und es sind großartige Briefe. Wir haben uns verliebt“, sagte er, wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtete.

Der Satz löste international Empörung und Spott aus, wie auch „Vox“ einordnete. Trump und Kim tauschten in den folgenden Monaten tatsächlich zahlreiche persönliche Schreiben aus. Beobachter sprachen von einer diplomatischen Strategie, die weit über klassische Staatskontakte hinausging.

Hanoi und Panmunjom: Nähe ohne Ergebnis

Im Februar 2019 trafen sich beide erneut, diesmal in Hanoi. Der Gipfel endete abrupt, weil Nordkorea auf einer kompletten Aufhebung aller Sanktionen bestand. Trotzdem betonte Trump danach, die persönliche Bindung zu Kim bleibe bestehen.

Besonders bemerkenswert wirkte ein Detail, das erst später öffentlich wurde. Nach eigenen Angaben bot Trump an, Kim mit der Air Force One nach Hause zu fliegen, da dieser tagelang mit dem Zug angereist war. Sicherheitsberater John Bolton beschrieb die Stimmung im Team gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ so: „Trump dachte, er hat einen neuen besten Freund.“

Was blieb von der ungewöhnlichen Beziehung?

Wenige Monate später, im Juni 2019, überquerte Trump spontan die Grenzlinie in Panmunjom und betrat nordkoreanisches Gebiet. Ein Bild, das kein Vorgänger je geliefert hatte. Handfeste Fortschritte bei der atomaren Abrüstung blieben trotz all der Symbolik jedoch aus.

Nordkorea behielt sein Atomwaffenprogramm, die Sanktionen bestanden größtenteils weiter. Ob persönliche Sympathie echte politische Ergebnisse ersetzen kann, bleibt bis heute umstritten. Einzigartig war diese Mischung aus Drohgebärden, öffentlicher Zuneigung und echten Gipfeltreffen dennoch allemal.