Rente mit 63 soll fallen – die Deutschen haben eine klare Meinung

Kaum eine Rentenregel ist so umstritten wie die „Rente mit 63“. Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission empfiehlt, sie abzuschaffen. Drei CDU-Ministerpräsidenten aus Ostdeutschland stellen sich dagegen. Und auch die Bevölkerung hat eine ziemlich klare Meinung.

78 Prozent der Deutschen wollen, dass Menschen nach 45 Jahren in der gesetzlichen Rentenversicherung weiterhin ohne Abschläge in Rente gehen können. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von „FOCUS online“. Damit stellt sich eine deutliche Mehrheit gegen einen der wohl brisantesten Vorschläge für die geplante Rentenreform.

📌 Das würde sich bei der „Rente mit 63“ ändern Heute: Wer auf mindestens 45 Versicherungsjahre kommt, kann vor der regulären Altersgrenze ohne Abschläge in Rente gehen. „Mit 63“ stimmt längst nicht mehr: Für den Jahrgang 1961 liegt die Altersgrenze 2026 bei 64 Jahren und acht Monaten. Ab Jahrgang 1964 ist die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren erst mit 65 Jahren möglich. Das steht zur Debatte: Die Alterssicherungskommission empfiehlt, diesen abschlagsfreien früheren Renteneintritt nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Nicht verwechseln: Nach 35 Versicherungsjahren kann man weiterhin früher in Rente gehen. Dabei werden allerdings dauerhaft 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat, maximal 14,4 Prozent, von der Rente abgezogen.

Rente mit 63 soll abgeschafft werden

Die Alterssicherungskommission hatte Ende Juni ihre Vorschläge für einen großen Umbau des Rentensystems vorgelegt. Einer davon betrifft die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte. Wer mindestens 45 Versicherungsjahre vorweisen kann, soll künftig nicht mehr vorzeitig ohne Abschläge in den Ruhestand gehen können. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Empfehlungen der Kommission umfassend und zügig umzusetzen.

Der Name „Rente mit 63“ ist dabei mittlerweile etwas irreführend. Als die Regelung 2014 eingeführt wurde, konnten besonders langjährig Versicherte tatsächlich mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Die Altersgrenze steigt seitdem schrittweise. Für den Jahrgang 1962 liegt sie beispielsweise bereits bei 64 Jahren und acht Monaten, ab Jahrgang 1964 bei 65 Jahren.

Gegen die geplante Abschaffung regt sich inzwischen Widerstand ausgerechnet innerhalb der Union. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze wollen die Regelung erhalten. Die CDU-Führung hält bislang dagegen und stellt sich hinter die Vorschläge der Rentenkommission.

78 Prozent wollen abschlagsfreie Rente behalten

Wie die Deutschen darüber denken, hat Civey nun für „FOCUS online“ abgefragt. 78 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Menschen nach 45 Versicherungsjahren weiterhin ohne Abschläge in Rente gehen dürfen.

Interessant ist dabei der Blick auf die verschiedenen Berufsgruppen. Unter Arbeitern liegt die Zustimmung laut der Umfrage sogar bei 95 Prozent.

Bei Angestellten und Führungskräften fällt sie niedriger aus. Am geringsten ist die Zustimmung ausgerechnet unter Beamten. 69 Prozent von ihnen wollen die Regelung beibehalten. Damit gibt es zwar auch dort noch eine deutliche Mehrheit, der Wert liegt aber klar unter dem der Arbeiter. Der Unterschied fällt auch deshalb auf, weil Beamte in der Regel nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sondern im Alter eine Pension erhalten.

Selbst Unions-Anhänger mehrheitlich für Erhalt

Auch politisch lässt sich die Zustimmung nicht einfach einem Lager zuordnen. Unter Anhängern von Union und FDP fällt sie laut Civey zwar am niedrigsten aus. Trotzdem wollen auch dort jeweils mehr als die Hälfte der Befragten an der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren festhalten.

Etwas gespaltener sind die Deutschen bei der grundsätzlichen Frage, ob einzelne Maßnahmen des geplanten Rentenpakets noch einmal zur Diskussion gestellt werden sollten. Jeweils 43 Prozent halten diese Debatte für richtig beziehungsweise falsch.

Im Osten fällt die Zustimmung mit 48 Prozent höher aus als im Westen mit 41 Prozent. Unter Führungskräften finden es 54 Prozent richtig, einzelne Maßnahmen noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Streit um Rente mit 63 dürfte weitergehen

Hinter der politischen Debatte steckt ein grundsätzliches Problem. Die Rentenkommission will das System angesichts der alternden Bevölkerung langfristig stabilisieren. Neben dem Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren schlägt sie deshalb weitere Änderungen vor.

Nach 2031 soll sich etwa die Regelaltersgrenze an der steigenden Lebenserwartung orientieren. Nach heutigen Annahmen könnte sie dadurch bis 2041 schrittweise von 67 auf etwa 67,5 Jahre steigen.