Das verbirgt sich hinter dem Rainforest-Alliance-Siegel

Ein kleiner grüner Frosch klebt auf Kaffeepackungen, Schokoriegeln, Teebeuteln und sogar auf Bananenkisten im Supermarkt. Dahinter steckt das Siegel der Rainforest Alliance, einer internationalen Nichtregierungsorganisation. Sie will Landwirtschaft nachhaltiger machen und gleichzeitig die Lebensbedingungen der Hersteller verbessern. Doch was bedeutet das Siegel wirklich, und hält es, was es verspricht?

Millionen Produkte weltweit tragen inzwischen den Frosch. Er soll Käuferinnen und Käufern zeigen, dass ein Produkt unter bestimmten ökologischen und sozialen Standards entstanden ist. Gleichzeitig gehört das Siegel zu den meistdiskutierten Nachhaltigkeitslabeln überhaupt. Kritiker und Befürworter liefern sich seit Jahren einen Streit um seine Wirkung.

📌 Wissenswertes rund um das Rainforest-Alliance-Siegel Der grüne Frosch auf dem Siegel ist keine Fantasiefigur, sondern an den Rotaugenlaubfrosch angelehnt, eine Art aus den mittelamerikanischen Regenwäldern. Neben Landwirtschaftsprodukten vergibt die Rainforest Alliance seit dem Jahr 2000 auch ein eigenes Siegel für nachhaltige Tourismusbetriebe. Nach eigenen Angaben trugen 2019 rund 44.000 Produkte weltweit das Rainforest-Alliance-Siegel oder das ältere UTZ-Label.

Dieser Mann steckt hinter dem grünen Frosch

Gegründet wurde die Rainforest Alliance bereits 1987 von dem US-amerikanischen Umweltaktivisten Daniel Katz. Ausgangspunkt war die fortschreitende Zerstörung tropischer Regenwälder. Katz erkannte früh, dass Umweltschutz nur funktioniert, wenn er auch wirtschaftliche Realitäten der Hersteller berücksichtigt.

Ein wichtiger Wendepunkt kam 2018: Die Rainforest Alliance fusionierte mit dem niederländischen Siegel UTZ, das zuvor nachhaltig angebauten Kaffee, Tee und Kakao kennzeichnete. Seit einem neuen, gemeinsamen Zertifizierungsprogramm setzt die Organisation auf mehr Klimaschutzmaßnahmen und ein neues Prüfsystem, wie die Rainforest Alliance selbst mitteilte. Weltweit waren nach eigenen Angaben bereits 2019 mehr als fünf Millionen Hektar Land und über zwei Millionen Farmen nach den Standards der Organisation zertifiziert.

An diese Regeln müssen sich Betriebe halten

Landwirtschaftsbetriebe, die das Siegel tragen wollen, müssen sich an feste Vorgaben halten. Dazu zählen der Erhalt der Artenvielfalt, bessere Lebensbedingungen für Beschäftigte und ein sorgsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen. Ausbeuterische Kinderarbeit zählt ausdrücklich zu den Ausschlusskriterien, wie die „Deutsche Welle“ in ihrer Analyse verschiedener Siegel berichtete. Neben diesen Pflichtkriterien gibt es weitere „Kann-Kriterien“, auf deren Erfüllung Betriebe lediglich hinarbeiten sollen.

Seit einigen Jahren kommt ein finanzieller Baustein hinzu. Kakao-Anbauer erhalten seit 2022 eine Bonuszahlung für nachhaltigen Anbau von über 70 US-Dollar pro Tonne Kakao. Hinzu kommen weitere Investitionen in Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur vor Ort, wie die Verbraucherzentrale Niedersachsen erklärte. Große Schokoladenhersteller zählen längst zu den festen Kunden der Organisation.

Hier hakt es bei den Standards

So umfassend die Kriterien klingen, so deutlich fällt die Kritik mancher Verbraucherschützer aus. Anders als etwa beim Siegel Fairtrade garantiert die Rainforest Alliance den Herstellern keinen festen Mindestpreis. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen zog deshalb ein eindeutiges Fazit: Bei Rainforest Alliance seien die Anforderungen im Vergleich zu anderen Fair-Handels-Siegeln am geringsten, der Schwerpunkt liege stärker auf ökologischen Aspekten.

Auch praktische Kontrollen gerieten schon in die Kritik. 2016 veröffentlichte Oxfam gemeinsam mit anderen Organisationen einen Bericht über Ananas- und Bananenplantagen in Südamerika, von denen einige das Froschsiegel trugen. Löhne reichten den Arbeitern demnach kaum zum Überleben, zudem gab es Berichte über Pestizidvergiftungen. Die Rainforest Alliance ließ die betroffenen Plantagen daraufhin überprüfen, stellte jedoch keine Verstöße fest, sodass die Betriebe ihr Siegel behalten durften.

Trotz aller Kritik gilt: Ein Siegel ist besser als gar kein Siegel. Wer auf den grünen Frosch achtet, unterstützt zumindest gewisse ökologische Mindeststandards und ein Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit. Wer zusätzlich Wert auf garantierte Mindestpreise und eine strengere soziale Kontrolle legt, sollte allerdings einen genaueren Blick auf andere Siegel wie Fairtrade oder GEPA werfen.

Am Ende bleibt das Prinzip vieler Nachhaltigkeitslabel gleich: Kein Siegel ist perfekt, aber jedes setzt zumindest gewisse Leitplanken. Wer bewusst einkaufen möchte, sollte deshalb nicht blind vertrauen, sondern die Unterschiede zwischen den Siegeln kennen. Auch bei Bio-Siegeln gibt es einiges zu beachten.