„Politik-Stillstand wird zu Zug-Stillstand“ – Bahngewerkschaft droht mit massiven Streiks im Januar

Ab dem kommenden Januar könnte der regionale Zugverkehr in Deutschland massiv stillstehen. Mit drastischen Maßnahmen droht die Bahngewerkschaft EVG, falls die Bundesregierung nicht zügig handelt. Im Kern geht es um den Schutz der Beschäftigten vor Gewalt.

Gegenüber der „Bild am Sonntag“ fand Gewerkschaftschef Martin Burkert klare Worte. Er fordert eine rasche Verschärfung des Strafmaßes bei Übergriffen auf das Personal. „Das versprochene Gesetz für härtere Strafen bei Angriffen auf Zugpersonal muss noch in diesem Jahr in den Bundestag, sonst legen wir im Januar den Betrieb lahm“, betonte Burkert.

📌 Das ist die Deutsche Bahn Das Schienennetz der DB umfasst über 33.000 Kilometer, und das Unternehmen beschäftigt rund 320.000 Mitarbeiter, was es zu einem der größten Arbeitgeber Deutschlands macht. Die Deutsche Bahn (DB) verhandelt regelmäßig Tarifverträge mit Gewerkschaften wie der GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) und der EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft). Der letzte größere Streik bei der Deutschen Bahn fand im März 2024 statt, ausgerufen von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) – im Rahmen dieser Tarifrunde gab es damals insgesamt sechs Streiks.

Tödlicher Vorfall als Auslöser

Hintergrund der Drohung ist ein tragisches Ereignis aus dem vergangenen Februar. In einem Regionalexpress attackierte ein Fahrgast den Zugbegleiter Serkan Çalar und verletzte ihn tödlich. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilte ein Gericht den Täter später zu zehn Jahren Haft.

Für die Politik fand der EVG-Chef scharfe Kritik. „Ein Zugbegleiter wurde vor einem halben Jahr im Dienst getötet und seitens der Politik gab es betroffene Gesichter und große Worte, aber keine Taten“, erklärte Burkert. Die Regierung verweigere die Arbeit, während die Eisenbahner mit ihrer Gesundheit oder ihrem Leben bezahlen. Die Politiker hätten Serkan vergessen, die Gewerkschaft jedoch nicht.

Minister kündigt Gespräche an

Kürzlich äußerte sich Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) zu der angespannten Lage. Er stellte klar: „Sicherheit im Zug ist kein Randthema. Sie ist eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr.“ Um höhere Strafen für Angreifer durchzusetzen, kündigte der Minister Gespräche innerhalb der Regierung an. Dabei soll ein ähnliches Schutzniveau wie bei Rettungskräften erreicht werden.

Beim Gesamtbetriebsrat der DB Regio ist der Geduldsfaden derweil gerissen. Dessen Vorsitzender Ralf Damde schilderte der „Bild am Sonntag“ die dramatische Realität. „Es reicht! Statistisch gesehen werden jeden Tag acht Kollegen im Dienst angegriffen“, machte Damde deutlich. Niemand wisse vor Arbeitsbeginn, ob er unversehrt nach Hause zurückkehre.

Sollte der Gesetzentwurf weiterhin im Ministerium liegen bleiben, kündigte der Betriebsratschef Blockaden an. Die Betriebsräte würden in diesem Fall den Dienstplänen nicht mehr zustimmen. „Der Politik-Stillstand wird dann zum Zug-Stillstand“, warnte Damde.

Nach dem Fall Serkan Çalar: Ein Dortmunder DB-Zugbegleiter erzählt über seinen Arbeitsalltag und die Unsicherheit, die ihn permanent begleitet.