Wie die „Trump-Handschrift“ den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt prägte

Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Und mittendrin steckt, unsichtbar aber spürbar, ein Import aus Amerika. Politologen sprechen längst von einer Trump-Handschrift, die sich durch diesen Wahlkampf zieht. Sie zeigt sich in Bühnenauftritten, in Social-Media-Strategien und sogar in den Wahlplakaten der Konkurrenz.

Besonders die AfD orientiert sich an der MAGA-Bewegung, wenn es um Kommunikation geht. Emotionen schlagen Fakten, Algorithmen belohnen Zuspitzung. Gleichzeitig greifen andere Parteien das Trump-Motiv auf, um genau davor zu warnen. Ein Wahlkampf also, der ohne den US-Präsidenten kaum zu verstehen ist.

📌 Das steckt noch hinter dem Wahlkampf Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Siegmund stand nach eigenen Angaben nicht in AfD-Funktion beim Potsdamer Treffen 2023, das durch die Correctiv-Recherche bundesweit bekannt wurde. Beim Landesparteitag erhielt Siegmund 231 von 237 Delegiertenstimmen für Platz eins der Liste, nur vier stimmten gegen ihn. Bei der Bundestagswahl 2025 holte die AfD in Sachsen-Anhalt bereits 37,1 Prozent und wurde stärkste Kraft. Der Begriff „Brandmauer“ wurde ursprünglich in den 1990er-Jahren im Zusammenhang mit der rechtsextremen DVU geprägt.

Wer ist AfD-Spitzenkandidat Siegmund?

Ulrich Siegmund führt die AfD in diesen Wahlkampf. Der 35-Jährige aus Havelberg sitzt seit 2016 im Landtag, seit 2022 leitet er die Fraktion. Beim Landesparteitag wählten ihn die Delegierten mit überwältigender Mehrheit auf Platz eins der Liste.

Sein Ziel ist ambitioniert: mindestens 45 Prozent der Stimmen. Social Media soll dabei die entscheidende Rolle spielen. Wie der „MDR“ berichtet, setzt Siegmund gezielt auf Influencer und erklärt: „Wir möchten die ganze Bandbreite bedienen, damit auch jeder in diesem Land erreicht werden kann.“

Was hat die AfD von MAGA übernommen?

Politologe Johannes Hillje beschäftigt sich seit Jahren mit rechter Kommunikation. Für ihn steht fest: Die AfD ist unter deutschen Parteien Technologieführer, wenn es um künstliche Intelligenz geht. Sie war bei TikTok First Mover und flutet die Plattformen mittlerweile mit massenhaft produziertem KI-Material.

Diese Strategie funktioniert nach Hilljes Beobachtung besonders gut, weil Algorithmen Emotionalisierung belohnen. Provokation und Polarisierung verschaffen mehr Reichweite als sachliche Argumente. Genau das nutzt die Partei konsequent aus.

Woher stammt der neue AfD-Politikstil?

Siegmund setzt in Sachsen-Anhalt nicht mehr nur auf Abgrenzung, sondern auf Vision. Hillje nennt das einen sich verharmlosenden völkischen Visionismus, wie er gegenüber der „Waldeckischen Landeszeitung“ erklärte. Die Botschaft laute: Wir schreiben Geschichte, wir holen uns unser Land zurück.

Dahinter steckt ein Konzept, das ursprünglich aus den USA stammt. Es geht auf den Publizisten Andrew Breitbart zurück, einen Vordenker der MAGA-Bewegung. Erst die Köpfe erobern, dann die Parlamente, lautet die Logik dahinter.

Wie kontert die Konkurrenz mit Trump-Motiven?

Nicht nur die AfD nutzt das Trump-Bild, andere Parteien greifen es zur Kritik auf. Das Bündnis Sahra Wagenknecht stellte seine Kampagne zur Landtagswahl in Magdeburg vor. Dabei inszeniert die Partei den US-Präsidenten als Gegenfigur.

Wie die „Volksstimme“ berichtet, zeigt das BSW-Motiv Trump als Marionettenspieler und Kanzler Merz als angeschlagenen Boxer. Die Partei wirft der Bundesregierung damit implizit vor, sich zu sehr an amerikanischer Politik zu orientieren.

Ist Trump wirklich Vorbild der AfD?

Ganz so einfach liegt der Fall allerdings nicht. Laut Hillje hat die AfD mittlerweile durchaus Probleme mit Trump, etwa wegen dessen Angriffs auf den Iran. In Ostdeutschland pflegt die Partei traditionell eine engere Nähe zu Russland als zu den USA.

Auf medienstrategischer Ebene scheint die MAGA-Bewegung trotzdem Vorbild für die AfD zu sein. Inhaltlich distanziert man sich, kommunikativ kopiert man weiter.