Diese bekannten Hersteller liefern heimlich an Lidl

Im Lidl-Regal warten günstige No-Name-Packungen direkt neben teuren Markenartikeln. Wer genau hinschaut, entdeckt hinter Eigenmarken wie Milbona, Dulano oder Bellarom.

Discounter wie Lidl kaufen ihre Handelsmarken selten bei unbekannten Kleinbetrieben ein. Stattdessen liefern oft dieselben Firmen die günstigen Produkte, die auch teure Markenprodukte herstellen. Für Verbraucher bedeutet das: Der günstige Aufstrich oder die Billigschokolade kann aus derselben Produktionslinie stammen wie das teure Pendant. Nur Verpackung und Preis unterscheiden sich meist deutlich.

📌 Fakten zu Lieferanten und Herstellern Frosta betreibt mit der Copack Tiefkühlkost Produktionsgesellschaft eine eigene Tochterfirma, die speziell Eigenmarken für Aldi, Edeka und Rewe herstellt, oft mit abweichenden Rezepturen. Die Dalli-Werke Group, Zulieferer von Lidls Cien, stellt parallel auch eigene Marken wie dalli, Dash und Bonux her. Keksproduzent Lambertz räumt offen ein, dass seine „Feine Gebäckauslese“ aus derselben Fabrik stammt wie Eigenmarken-Gebäck für Aldi und Norma. Über die Tochterfirma Goldstein GmbH beliefert der Oetker-Konzern (Coppenrath & Wiese) auch die Kaufland-Eigenmarke K-Classic mit Tiefkühltorten.

Warum beliefern Großkonzerne den Discounter?

Der Hauptgrund liegt in der Auslastung der Fabriken. Große Hersteller besitzen riesige Produktionsanlagen, die nicht immer komplett ausgelastet sind. Um Leerlaufzeiten zu vermeiden, produzieren sie zusätzlich Eigenmarken für Lidl und andere Discounter. So sichern sie sich zusätzliche Umsätze, ohne den eigenen Markennamen zu riskieren.

Der Trend wächst spürbar. Handelsmarken machen mittlerweile fast die Hälfte des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus, wie aus einer Erhebung hervorgeht, über die „netzwelt“ berichtete. Discounter setzen damit gezielt auf eigene Produktion und machen sich unabhängiger von klassischen Markenherstellern. Für die Konzerne bleibt die Zusammenarbeit trotzdem lukrativ, auch wenn sie diese lieber nicht an die große Glocke hängen.

Diese Marken stecken bei Lidl dahinter

Die Liste bekannter Zulieferer ist lang. Der sogenannte „Markendetektiv“ Stefan Duphorn deckt mit seinem Unternehmen „Wer zu Wem“ solche Firmenverflechtungen regelmäßig auf, wie „SOL.DE“ berichtete. Milchprodukte der Eigenmarke Milbona stammen häufig von Müller Milch oder Arla. Bei Fin Carré und King Size Neo Schokolade steht die Ludwig Schokolade GmbH hinter dem Etikett, ein Hersteller, der auch Trumpf und Aero produziert.

Der Kaffee der Marke Bellarom kommt von der Minges Kaffeerösterei, die ebenfalls Alvorada und Käfer herstellt. Teekanne produziert einige Sorten des Lord-Nelson-Tees, während Fuchs Gewürze hinter den Kania-Gewürzen steckt. Selbst die Chips von Crusti Croc stammen aus der Produktion von Intersnack, bekannt für Pom-Bär und Chio.

Steckt hinter der Milch wirklich Campina?

Bei Molkereiprodukten wird die Sache noch eindeutiger. Der niederländische Konzern Campina produziert teilweise für Lidl, wie „t-online“ berichtete. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, geht sogar noch weiter und hat mit der Solent GmbH & Co. KG ein eigenes Unternehmen für Schokolade, Nüsse und Trockenfrüchte gegründet.

Auch bei Drogerieartikeln zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Dalli-Werke Group produziert unter anderem die Lidl-Eigenmarke Cien. Dasselbe Unternehmen steht zugleich hinter Balea bei dm, Bilk bei Penny und Tandil bei Aldi. Ein einziger Hersteller beliefert damit mehrere Konkurrenten gleichzeitig, ohne dass Kundinnen und Kunden das auf den ersten Blick erkennen.

So entlarvt man den Hersteller

Wer selbst nachforschen will, kann bei tierischen Produkten auf das ovale Identitätskennzeichen achten, erklärt der NDR. Es beginnt mit dem Länderkürzel, etwa DE für Deutschland, gefolgt vom Bundesland und einer Zulassungsnummer des Betriebs. Stimmen diese Angaben bei Eigenmarke und Markenprodukt überein, stammt die Ware aus demselben Betrieb.

Bei anderen Lebensmitteln hilft ein Blick auf die Herstelleradresse oder den Hinweis „Hergestellt für…“ auf der Verpackung. Auch ein Vergleich der Zutatenliste und der Nährwerte kann Klarheit schaffen. Wer zusätzlich Online-Datenbanken wie das Handelsregister oder den Bundesanzeiger nutzt, findet oft die passende Konzernmutter hinter der unscheinbaren Eigenmarke.

Hier gibt es noch mehr Informationen zu heimlichen Markenwaren bei Lidl.