Lange Zeit war es ein eingespieltes System – und eine Win-Win-Situation sowohl für die Supermärkte wie Aldi, Rewe und Co. als auch für die Tafeln. Lebensmittel, die nicht mehr zu verkaufen, aber durchaus noch verzehrbar waren, gingen regelmäßig in großen Chargen umsonst an die Tafeln. Für die hauptsächlich ehrenamtlich organisierten Hilfsorganisationen war das über Jahre hinweg eine wichtige Säule bei der Versorgung von bedürftigen Menschen.
Es ist aber eine, die immer weiter wegzubrechen scheint. Unsere Redaktion erfuhr aus Tafelkreisen: Die Spenden gehen zurück. Und das aus einem überraschenden Grund. Weil die Märkte mit moderner Software immer passgenauer kalkulieren können, bleibt am Ende einfach immer weniger übrig, das man spenden könnte.
📌 Tafeln in Deutschland In Deutschland verteilt gibt es über 980 örtliche Tafeln. Die erste deutsche Tafel wurde 1993 in Berlin ins Leben gerufen. Jährlich werden etwa 265.000 Tonnen Lebensmittel von der Vernichtung bewahrt.
Tafeln schlagen Alarm
Für die Tafeln bedeutet das gerade in der jetzigen Zeit, wo das Geld für allgemeine Spenden bei den Menschen nicht wirklich locker sitzt, eine enorme Belastung. Klar: Die Tafeln retten ohnehin alles, was den Helfern unter den Nagel kommt. Früher konnten sie aber viel mehr darauf setzen, dass regelmäßig große Chargen von hochwertigen Lebensmitteln aus den Supermärkten kommen.
Und genau hier versiegt in letzter Zeit immer mehr die Quelle. KI-gestützte Warenwirtschaftssysteme können immer genauer voraussagen, wie viel Kunden von einem bestimmten Produkt abnehmen. Auf der einen Seite führt das natürlich zu weniger Lebensmittelverschwendung. Auf der anderen Seite stehen aber die Tafeln, die in den letzten Jahren eine Krisenlage nach der nächsten durchmachen mussten und ohnehin auf der letzten Kufe fahren. Personell wie finanziell.
Es ist ein Teufelskreis für die Einrichtungen: Die Schlangen an Bedürftigen werden immer länger, die Spendengelder versiegen, die Inflation sorgt für immer höhere Kosten und immer weniger Ehrenamtliche sehen sich dazu berufen, bei den Tafeln mit anzupacken. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Die Tafeln stellen sich jedenfalls auf eine bleibende Herausforderung ein – wobei die einbrechenden Supermarkt-Spenden nur eines von vielen Problemen ist. Wenn Lebensmittelspenden zurückgehen, gibt es für die Einrichtungen nur wenige Stellschrauben. Im schlimmsten Fall muss die Ausgabe an Bedürftige eingeschränkt werden.
