Ausgerechnet ohne Joshua Kimmich liefert die deutsche Nationalmannschaft ihr bislang bestes Spiel unter Jürgen Klopp. Beim 2:0 gegen Serbien dominiert ein junges Mittelfeld um Aleksandar Pavlovic, Tom Bischof und Florian Wirtz beinahe nach Belieben.
Kimmich verfolgt das Ganze von der Tribüne der Münchner Allianz Arena. Und natürlich dauert es nach Abpfiff nicht lange, bis die unangenehme Frage kommt: Hat Klopp womöglich gerade ein Zentrum gefunden, das besser zu seinem Fußball passt? Die Reaktion des Bundestrainers spricht Bände.
📌 Kimmich und Klopps DFB-Start Kader eins: Joshua Kimmich spielte beim 1:1 gegen die Niederlande und beim 0:1 gegen Griechenland. Kader zwei: Für die nächsten beiden Nations-League-Spiele musste der DFB-Kapitän wie viele andere etablierte Spieler abreisen. Serbien: Kimmich verfolgte das 2:0 in seinem Münchner Heimstadion von der Tribüne. Mittelfeld: Gegen Serbien setzte Klopp auf Pavlovic, Bischof und Wirtz im Zentrum.
Pavlovic und Bischof überrennen Serbien
Der Unterschied zu den ersten beiden Länderspielen ist frappierend. Deutschland schnürt Serbien phasenweise komplett ein, gibt allein vor der Pause 16 Torschüsse ab – Serbien keinen einzigen. Genau dieser aggressive Fußball hatte gegen die Niederlande und vor allem Griechenland nur phasenweise funktioniert.
Mittendrin: Pavlovic als Ballverteiler und Absicherung, davor der überall auftauchende Bischof. Der 21-Jährige belohnt seinen starken Abend sogar mit dem 1:0. Wirtz komplettiert das Trio, bereitet die Führung entscheidend vor und erzielt später selbst das 2:0.
Klopp schwärmt anschließend vom gesamten Auftritt. „Die Aggressivität ist durch die Decke gegangen“, sagt der Bundestrainer. Seine Mannschaft sei „auf Krawall eingestellt“ gewesen. Genau für diesen permanenten Druck braucht Klopp im Zentrum Spieler, die Wege gehen, Räume zulaufen und nach Ballverlust sofort zuschnappen.
Und plötzlich steht eben eine heikle Frage im Raum.
Was bedeutet das für Kimmich?
Denn Kimmich wollte nach den ersten beiden Spielen eigentlich bei der Nationalmannschaft bleiben. Klopp hatte vor dem Serbien-Spiel selbst verraten, dass sein Kapitän mehrfach nachgefragt habe. Der Trainer blieb trotzdem bei seinem XXL-Casting und wollte bewusst sehen, wie sich andere Spieler präsentieren, wenn die „Platzhirsche“ fehlen.
Das Ergebnis dürfte sogar Klopp überrascht haben. Pavlovic und Bischof harmonierten hervorragend. Wirtz sagte anschließend über Bischof, es habe „sehr viel Spaß gemacht“, mit ihm zusammenzuspielen. Der Bayern-Youngster bewege sich clever zwischen den Räumen und sei stark am Ball.
Kimmich war trotzdem mittendrin. Vor der Partie schaute er gemeinsam mit Jamal Musiala in der DFB-Kabine vorbei, anschließend ging es erneut zur Mannschaft. Ein beleidigter Kapitän sieht anders aus. Sportlich hat der Abend aber eine neue Konkurrenzsituation geschaffen.
Klopp wittert sofort die Kimmich-Debatte
Als Klopp nach dem Spiel auf das Zusammenspiel von Wirtz, Pavlovic und Bischof angesprochen wird, ahnt er sofort, worauf die Frage hinausläuft.
„Es ist so ein schöner Abend“, sagt Klopp und beklagt, dass nun ein Thema aufgemacht werde, „das kein Thema ist“. Wenig später wird er noch deutlicher: „Am Ende wird’s eine Joshua-Kimmich-Geschichte.“
Klopp möchte davon nichts wissen. Sein Plan sei nicht, eine feste Formation zu finden, sondern unabhängig vom Personal denselben Fußball spielen zu können. „Der Fußball muss konstant bleiben, die Aufstellung kann es nicht“, erklärt er.
Das ist logisch. Verletzungen, Formschwankungen und Gegner werden ohnehin Wechsel erzwingen. Außerdem wäre es nach einem starken Abend gegen schwache Serben absurd, einen 116-maligen Nationalspieler plötzlich abzuschreiben. Doch die Frage ist nun trotzdem da.
Denn ausgerechnet in Kimmichs Abwesenheit spielte das deutsche Zentrum schneller, aggressiver und geradliniger als zuvor. Pavlovic und Bischof haben sich damit noch keinen Stammplatz erobert. Sie haben Klopp aber etwas geliefert, das er unbedingt wollte: echte Alternativen. Und Kimmich hat von der Tribüne aus gesehen, wie gut diese funktionieren können.
