Die CDU steckt im Umfragetief. Der Abstand zur AfD wächst, und in der Partei wächst die Unruhe. Die Suche nach den Gründen beschäftigt Mitglieder wie Beobachter.
Eine Erklärung hört man in der Union besonders oft. Ein prominenter Meinungsforscher widerspricht ihr nun deutlich. Seine Analyse stützt sich auf Zahlen der vergangenen Jahre.
📌 AfD-Wählerschaft: Extremismusforscher sieht starke Bindung Im August 2026 führte „tagesschau.de“ ein Interview mit Matthias Quent, ein renommierter Soziologe und Extremismusforscher. Dabei ging es um den Höhenflug der AfD und die Gründe dafür. Quent ging von einer starken Bindung vieler AfD-Wähler an die Partei aus. Einen massenhaften Rückgang hielt er kurzfristig für unwahrscheinlich. Selbst politische Reformen anderer Parteien dürften diese Bindung kaum auflösen.
CDU-Sinkflug hält an
In einer „Insa“-Umfrage kam die Union zuletzt nur noch auf 17,5 Prozent. Die AfD liegt weit vorn. Andere Institute sehen die Union etwas besser. Doch überall wächst der Abstand zwischen CDU/CSU und AfD.
Seit Jahren gilt in der CDU ein Unvereinbarkeitsbeschluss. Er schließt jede Zusammenarbeit mit der AfD aus. Die Partei verzichtet auch auf Gesetzentwürfe, die nur mit AfD-Stimmen eine Mehrheit fänden.
Kritiker sehen darin ein Problem. Die Union könne so keine konservative Politik machen. Sie müsse Kompromisse mit linken Parteien eingehen. JU-Schatzmeisterin Clara von Nathusius nannte die Brandmauer ein „gescheitertes Projekt.“
Historiker Andreas Rödder, Ex-Chef der CDU-Grundwerte-Kommission, plädiert laut „WELT“ seit 2023 für „rote Linien“ statt eines kategorischen Neins. Auch Sven Schulze, CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt, deutete nach dem Wahl-Debakel einen neuen Umgang an.
Forsa-Chef widerspricht
Manfred Güllner, Chef von „Forsa“, sieht das anders. Der Stimmenschwund von Kanzler Merz hänge weniger mit der Brandmauer zusammen. Entscheidend sei die Unzufriedenheit mit der schwarz-roten Bundesregierung. Die Union sei immer dann stark gewesen, wenn sie sich klar von der AfD abgegrenzt habe, schreibt Güllner in einer Analyse.
Unter Angela Merkel sei das bürgerliche Lager Union und FDP weitgehend treu geblieben. Mit den Kandidaten Armin Laschet und Friedrich Merz habe die Abwanderung begonnen.
Den AfD-Höhenflug während der Ampel-Zeit erklärt Güllner mit dem Streit um Habecks „Heizungsgesetz“. Im Herbst 2023 erreichte die AfD 22 Prozent bei „Forsa“. Bei der Europawahl 2024 holte sie nur 15,9 Prozent. Kurz zuvor hatte „Correctiv“ über das „Potsdamer Treffen“ berichtet. Die Proteste waren groß, und die Union hielt Distanz.
Der Wendepunkt
Im November 2024 stand die Ampel vor dem Bruch. Die Union lag bei Forsa bei 33 Prozent, die AfD bei 17 Prozent. Dann folgten Gewalttaten. Im Dezember 2024 fuhr ein Mann aus Saudi-Arabien auf einen Weihnachtsmarkt, mehrere Menschen starben. Im Februar griff ein Afghane mit einem Messer eine Gruppe von Kita-Kindern an.
Merz brachte daraufhin im Wahlkampf einen „Fünf-Punkte-Plan für sichere Grenzen und das Ende der illegalen Migration“ in den Bundestag ein. Er nahm AfD-Stimmen in Kauf. Güllner, selbst SPD-Mitglied, hält das für den entscheidenden Moment.
Danach sei die AfD auf 20 Prozent gestiegen, die Union auf 28 Prozent gesunken. Zugleich habe die Aktion die Linkspartei belebt. Nach der Wahl blieb Merz nur die SPD als Partner.
Wohin wandern CDU-Wähler?
Güllner bestreitet, dass die Union vor allem an die AfD verliert. Von 100 Abwanderern seit 2025 würden laut Forsa Anfang Oktober nur 18 die AfD wählen.
32 Prozent würden sich für SPD, Grüne oder Linke entscheiden. 13 Prozent gingen zur FDP oder zu sonstigen Parteien. 37 Prozent würden gar nicht wählen.
Offen bleibt, wie stark die zähe Zusammenarbeit in der Koalition die CDU belastet. Diesen Punkt klammert Güllners Analyse aus.
Ungewöhnliche Szenen im Landtag von Sachsen-Anhalt. Ulrich Siegmund sorgt mit einer Fotosession für Aufmerksamkeit.
