Notrufsäulen auf dem Prüfstand – sie könnten bald für immer verschwinden

Rund 17.000 orangefarbene Notrufsäulen stehen im Abstand von zwei Kilometern an deutschen Autobahnen. Schwarze Pfeile an den Leitpfosten weisen den Weg zu den Kästen, die eine gelbe Taste für Pannen und eine rote für Notfälle besitzen. Seit 2024 bearbeitet Bosch Service Solutions im Auftrag der Autobahn GmbH die Hilferufe.

Im Smartphone-Zeitalter nutzen jedoch immer weniger Menschen diesen Service. Zuerst berichtete die „Rheinische Post“ über die sinkenden Zahlen, die nun eine mögliche Abschaffung der Anlagen ins Rollen bringen.

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Drastischer Rückgang der Notrufe

Auf eine AfD-Anfrage erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte (CDU), dass die Nutzung massiv einbreche. Verzeichnete die Autobahn GmbH 2009 noch 167.000 Meldungen, sank der Wert 2023 auf 30.000. Gleichzeitig verschlingt das in die Jahre gekommene System weiterhin Millionen. Für Betrieb, Wartung und Notrufzentrale fielen 2024 rund 8,2 Millionen Euro an, für 2025 sind 4,5 Millionen Euro veranschlagt.

Deshalb prüft die Autobahn GmbH derzeit eine mittelfristige Abschaltung. Ein Sprecher betonte dabei, dass die Verkehrssicherheit stets oberste Priorität habe. Neben den Nutzerzahlen spielt die Technik eine Rolle, da Neufahrzeuge das verpflichtende eCall-System an Bord haben. Dieses wählt bei Unfällen über das Mobilfunknetz völlig automatisch die 112. Dänemark und die Niederlande haben ihre Säulen wegen der geringen Nutzung bereits komplett abgebaut.

Experten warnen vor dem Abbau

Verkehrsexperten leisten gegen diese Pläne jedoch massiven Widerstand. Stefan Grieger vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat verweist auf die wichtige Unabhängigkeit vom Handynetz bei lästigen Funklöchern. Er erklärte: „Notrufsäulen entlang der Autobahnen sind auch im Zeitalter von Smartphones und automatischen eCall-Systemen ein unverzichtbarer Bestandteil einer zuverlässigen Verkehrssicherheitsinfrastruktur.“

Auch die Deutsche Verkehrswacht fordert eine sorgfältige Prüfung, da längst nicht jedes Auto eCall besitze. Unfallforscher Siegfried Brockmann erinnert an die tausenden verbleibenden Notrufe. Anja Käfer-Rohrbach vom Versicherungsverband GDV ergänzte: „Die Notrufsäulen bleiben insbesondere für ausländische Verkehrsteilnehmer wichtig, die sich so im Notfall unkompliziert Hilfe rufen können.“

Der ADAC zeigt hingegen Verständnis für das mögliche Aus der Technik. Eine Sprecherin des Automobilclubs nannte jedoch klare Bedingungen für diesen Schritt. „Voraussetzung für eine Abschaltung ist aus Sicht des ADAC allerdings, dass zuvor die noch bestehenden Lücken in der Mobilfunkabdeckung an den Autobahnen geschlossen werden.“ Zudem müssten die Notrufstationen in den Tunneln auf jeden Fall langfristig erhalten bleiben.

Quelle: dpa