Wer bei Action ein Lieblingsprodukt sucht und ein leeres Regal findet, denkt schnell an einen Lieferengpass. Oft trifft das nicht zu. Bei laufend wechselnden zwei Dritteln des Sortiments gehört das Verschwinden vieler Artikel zum Modell. Nicht jedes fehlende Produkt ist deshalb schlicht ausverkauft.
Der niederländische Non-Food-Discounter arbeitet mit einem Sortiment, das sich ständig verändert. Rund 6.000 Artikel führt eine Filiale. Wer das Prinzip kennt, ärgert sich seltener und kauft klüger ein.
📌 Action im Überblick: Beliebteste Einzelhandelsmarke: In Frankreich wurde Action von 2023 bis 2026 vier Jahre in Folge in der Verbraucherumfrage von EY-Parthenon zur beliebtesten Einzelhandelsmarke gewählt. Karriere der Unternehmenschefin: Hajir Hajji begann ihre Laufbahn bei Action mit 17 Jahren als Filialmitarbeiterin. Damals betrieb das Unternehmen erst zwölf Märkte. Logistik und Belegschaft: Action betreibt inzwischen 19 Verteilzentren in Europa. Die Beschäftigten stammen aus 166 Nationen. Zertifiziertes Holz und Papier: Mehr als 99 Prozent der erfassten Eigenmarken- und White-Label-Produkte aus Holz und Papier sind laut Unternehmen FSC- oder PEFC-zertifiziert. Klimaschutz: Bis Ende 2025 reduzierte Action seine direkten und energiebedingten Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2) gegenüber 2021 nach eigenen Angaben um 56 Prozent
Wie viele Artikel bleiben dauerhaft im Regal?
Nur ein Drittel des Sortiments bleibt fest im Regal, wie die DER WESTEN-Redaktion in einem Artikel berichtete. Das sind etwa 2.000 Artikel. Die übrigen rund 4.000 wechseln früher oder später.
Wer zögert, findet einen Artikel beim nächsten Besuch oft nicht mehr. Das gilt vor allem für Wechselware. Dauerartikel lassen sich dagegen meist nachkaufen.
Wie schnell dreht sich das Sortiment?
Das Tempo ist hoch. Nach Angaben der „Lebensmittelzeitung“ weichen jede Woche 150 bis 200 alte Artikel ebenso vielen neuen. DerWesten nennt rund 150 Produkte pro Woche. Beide Quellen beschreiben also eine ähnliche Größenordnung.
Bei diesem Takt ist ein Wechsel nichts Ungewöhnliches. Ein Regal, das beim nächsten Besuch anders aussieht, entspricht dem Plan. Ein Produkt kann also verschwinden, obwohl es sich gut verkauft hat.
Was bedeutet „Op is op“?
Einen Teil der Ware bestellt Action nach dem Ausverkauf nicht nach. Die Kette nennt diese Kategorie „Op is op“, auf Deutsch „Aus ist aus.“ Wie die „Lebensmittelzeitung“ beschreibt, gehört sie ausdrücklich zum Konzept. Andere Aktionsartikel, die nicht ausverkauft sind, bleiben dagegen teils im regulären Sortiment.
Für Kunden heißt das: Ein leeres Regal hat mindestens zwei mögliche Gründe. Entweder war der Artikel schnell vergriffen, oder er lief planmäßig aus. Von außen lässt sich beides kaum unterscheiden.
Warum arbeitet Action mit wechselnder Ware?
Der Wechsel hängt mit dem Einkauf zusammen. Action kauft gezielt Restposten, Überproduktionen und ausgemusterte Artikel von Herstellern auf. Solche Waren sind günstig einzukaufen, aber nur in begrenzter Menge vorhanden. Dazu kommen rund 70 eigene Handelsmarken.
Ein Lebensmittelhändler braucht dagegen dauerhaft verfügbare Mengen in gleichbleibender Qualität. Action kann flexibler auf günstige Gelegenheiten reagieren. Ein wechselndes Sortiment erlaubt es, Produkte zeitlich begrenzt oder in anderen Ausführungen anzubieten.
Was steckt hinter der „Schatzsuche“?
Marktbeobachter nennen das Konzept „Schatzsuche.“ Kunden wissen nicht genau, was sie beim nächsten Besuch finden. Diese Überraschung ist gewollt und zieht Käufer immer wieder in die Märkte. Europaweit kommen mehr als 20 Millionen Menschen pro Woche.
Wer mit fester Einkaufsliste kommt, erlebt das Konzept anders als ein Stöberer. Aldi und Lidl setzen stärker auf Lebensmittel für den Wocheneinkauf. Bei Action stoßen Besucher eher zufällig auf Dinge, die sie vorher gar nicht gesucht haben.
Wie passen die niedrigen Preise dazu?
Die Preise sind ein zweiter Teil des Systems. Zwei Drittel des Sortiments kosten unter zwei Euro, rund 1.500 Artikel sogar unter einem Euro. Große Bestellmengen drücken die Einkaufspreise zusätzlich. Auch die Betriebskosten bleiben niedrig, etwa durch eine schlichte Ladenausstattung und wenig Werbung.
Niedrige Preise und hohe Rotation bedingen sich also. Wer Restposten und Überproduktionen kauft, kann das Sortiment nicht beliebig lange vorhalten. Das nimmt Action in Kauf.
Was können Kunden aus dem Prinzip ableiten?
Gefällt ein Artikel, nimmt man ihn am besten gleich mit. Wechselware kehrt oft nicht zurück. Fehlt dagegen ein Produkt, das man schon lange im Regal kannte, hilft ein Blick in eine andere Filiale.
Ein leeres Regal bedeutet bei Action nicht automatisch eine Panne. Häufig gehört es zum Geschäftsmodell. Wer das weiß, geht gelassener durch die Gänge.
Wie viel Schnäppchen wirklich hinter den Action-Tiefstpreisen steckt, erfährst du hier.
