Das Auto von heute ist ein Computer auf vier Rädern. Genau deshalb haben Cyberkriminelle es im Visier. Eine neue Studie warnt: Gefährlich wird es nicht nur im Motorraum, sondern auch in Apps, Cloud-Diensten und Infotainment-Systemen. Im schlimmsten Fall greifen Hacker auf wichtige Fahrzeugfunktionen zu.
Moderne Autos hängen ständig am Netz. Per Mobilfunk melden sie sich bei den Herstellern, manche lassen sich sogar per Smartphone-App steuern. Bequem, aber riskant! Forscher werteten 413 gemeldete Sicherheitslücken aus den Jahren 2022 bis 2024 aus, wie das Portal „BasicThinking“ berichtet. Sie verglichen die Funde mit dem Jahrzehnt davor.
📌 Hacker-Attacken in Deutschland Phishing und Social Engineering: Das E-Mail-Postfach ist weiterhin das häufigste Einfallstor. Gefälschte Mails, SMS (Smishing) oder Anrufe verleiten Menschen dazu, Zugangsdaten preiszugeben oder Schadsoftware zu öffnen. Der Mensch gilt deshalb oft als das schwächste Glied in der Sicherheitskette. Ransomware gegen Unternehmen und Kommunen: Erpressungssoftware verschlüsselt Daten und legt den Betrieb lahm. Betroffen sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Kommunalverwaltungen, Krankenhäuser und Hochschulen. Das BSI stuft Ransomware seit Jahren als eine der größten Bedrohungen ein. Häufig kommt zusätzlich die „Double Extortion“ vor: Die Täter stehlen die Daten vorher und drohen mit deren Veröffentlichung. Ungepatchte Software und Schwachstellen: Angreifer nutzen bekannte Sicherheitslücken aus, die noch nicht durch Updates geschlossen wurden. Das betrifft besonders aus dem Internet erreichbare Systeme wie VPN-Gateways, Firewalls, Mailserver (z. B. Exchange) und Webanwendungen. Oft vergehen Wochen oder Monate, bis Updates eingespielt sind. Das schafft ein großes Zeitfenster für Angriffe.
Auto-Hacker nutzen die Cloud
Früher steckten die Probleme meist im Fahrzeug selbst. Heute sieht das anders aus: Der Anteil der Lücken in Apps, Webseiten und Cloud-Diensten hat sich laut Studie fast verdreifacht. Dadurch geraten nicht nur Fahrzeugfunktionen in Gefahr. Auch Wohnort, Fahrtrouten und Fahrtzeiten könnten bei Fremden landen.
Manche Schwachstellen wirken erstaunlich altbacken. Die Forscher fanden Passwörter, die seit der Installation nie jemand geändert hat. Laut Studienautorin Srijita Basu können Kriminelle deshalb teils auf bekannte Methoden setzen. Ein weiteres Problem ist die Vernetzung der Systeme im Fahrzeug. Besonders das Infotainment mit Musik und Navigation gilt als Schwachstelle.
Wie Hacker ein Auto übernehmen
Ist das Infotainment nicht sauber von den wichtigen Systemen getrennt, haben Hacker ein offenes Einfallstor. Wie ernst das ist, zeigte 2015 ein Test von Sicherheitsforschern. Über das Mediensystem erreichten sie weitere Systeme. Am Ende kontrollierten sie Lenkung, Bremsen und Gaspedal.
Ähnliche Lücken entdeckten die Forscher auch zwischen 2022 und 2024. Ihre Forderung ist klar: Die Hersteller müssen sicherheitskritische Systeme konsequent von Infotainment und vernetzten Diensten trennen. Denn je stärker ein Auto mit der Außenwelt verbunden ist, desto mehr Angriffspunkte bietet es.
