Amazon steigt mit frischen Lebensmitteln in den deutschen Same-Day-Markt ein. Seit Freitag, dem 30. Oktober, können Kunden in ausgewählten Gebieten von Frankfurt, Köln und München jetzt Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukte bestellen. Die Ware kommt noch am selben Tag nach Hause. Damit greift der Online-Riese auch das Geschäft klassischer Supermärkte an.
Besonders Rewe dürfte den Schritt aufmerksam verfolgen. Der Händler gehört zu den wichtigsten Anbietern im deutschen Lebensmittel-Onlinehandel. Amazon bringt nun seine große Kundenbasis und sein bestehendes Logistiknetz in diesen Wettbewerb ein. Für Rewe und andere Supermärkte wächst damit der Druck, ihre digitalen Angebote weiterzuentwickeln.
📌 Rewe und sein Onlinegeschäft Der Rewe-Lieferservice erreicht nach Unternehmensangaben rund die Hälfte aller Haushalte in Deutschland. Das Sortiment umfasst rund 15.000 Produkte. Rewe betreibt nach eigenen Angaben 16 Versandzentren für den Lieferservice. Mehr als 3.600 Beschäftigte arbeiten für diesen Bereich.
Warum Amazon für Rewe gefährlich werden könnte
Der entscheidende Vorteil für Amazon liegt in der Verbindung verschiedener Einkäufe. Kunden können frische Lebensmittel zusammen mit Technik, Büchern oder Haushaltsartikeln in einen Warenkorb legen. Eine zusätzliche App ist nicht nötig. Das könnte besonders für Menschen attraktiv sein, die ohnehin regelmäßig bei Amazon bestellen.
Für Rewe entsteht dadurch ein neuer Konkurrent um den täglichen Einkauf. Der Lieferservice des Händlers bietet zwar ein großes Sortiment und erreicht nach Unternehmensangaben rund die Hälfte der deutschen Haushalte. Amazon könnte aber Kunden ansprechen, die ihren Einkauf möglichst bequem mit anderen Bestellungen verbinden möchten. Über den Start und die Konditionen informiert Amazon.
Rewe hat bereits eigene Schnelllieferungen
Rewe ist dem Wettbewerb allerdings nicht schutzlos ausgeliefert. Der Händler baut sein Onlinegeschäft seit Jahren aus und bietet neben dem klassischen Lieferservice auch Abholung und schnelle Zustellung an. Im September 2026 startete Rewe zudem eine Sofort-Lieferung über Uber Eats, Wolt und Lieferando. In ausgewählten Städten sollen Bestellungen innerhalb einer Stunde eintreffen.
Damit konkurriert Rewe bereits direkt um Kunden, die Lebensmittel kurzfristig benötigen. Der Unterschied: Bei Rewes Sofort-Lieferung kommen die Produkte aus teilnehmenden Märkten. Amazon bündelt die Frischeprodukte dagegen mit seinem übrigen Sortiment. Details zum eigenen Angebot nennt die Rewe Group.
Was bedeutet das für Lidl und Edeka?
Auch Lidl und Edeka müssen die Entwicklung beobachten. Wer online einkaufen möchte, vergleicht zunehmend Komfort, Sortiment und Lieferkosten. Edeka setzt im Onlinegeschäft unter anderem auf die Zusammenarbeit mit Picnic. Lidl wiederum steht vor der Frage, wie stark es digitale Einkaufsangebote künftig ausbauen will.
Für alle Händler wird es wichtiger, ihre Stärken klar herauszustellen. Rewe kann mit einem breiten Lebensmittelsortiment und regionaler Präsenz punkten. Edeka und seine selbstständigen Kaufleute haben ebenfalls eine starke Verankerung vor Ort. Amazon muss dagegen erst beweisen, dass Frischequalität und Lieferzuverlässigkeit dauerhaft überzeugen.
Der Preis entscheidet mit
Für Prime-Mitglieder ist die Lieferung ab 29 Euro Bestellwert im Vier-Stunden-Fenster kostenlos. Unterhalb dieser Grenze verlangt Amazon 3,99 Euro. Kunden ohne Prime zahlen 9,99 Euro pro Lieferung. Das könnte den Dienst vor allem für bestehende Prime-Mitglieder interessant machen.
Für Rewe ist das eine wichtige Vergleichsgröße. Der klassische Wocheneinkauf unterscheidet sich schließlich von einer spontanen Bestellung weniger Produkte. Wer größere Mengen plant, achtet stärker auf Sortiment und Gesamtpreis. Wer schnell Milch oder Obst benötigt, bewertet dagegen vor allem die Lieferzeit.
Amazon startet zunächst nur in Teilen von drei Großstädten. Eine flächendeckende Konkurrenz zum Rewe-Lieferservice entsteht dadurch noch nicht. Außerdem muss Amazon zeigen, dass Kunden das Angebot regelmäßig nutzen und die Qualität stimmt. Ein früherer Frische-Lieferdienst des Konzerns war in Deutschland bereits eingestellt worden.
Der neue Vorstoß könnte den Wettbewerb dennoch verschärfen. Rewe dürfte seine Lieferangebote weiter schärfen müssen, während Lidl und Edeka ihre digitalen Strategien prüfen. Entscheidend wird, ob Amazon weitere Städte erreicht und Verbraucher dauerhaft überzeugt. Für die Supermärkte ist der Start deshalb ein Warnsignal, aber noch kein K.o.
