Anzeige erstattet: Tübingens Oberbürgermeister Palmer mit schweren Vorwürfen konfrontiert

Wegen massiver Anschuldigungen der sexualisierten Belästigung legt der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer sein Ehrenamt als Bürokratie-Berater für die baden-württembergische Landesregierung auf Eis. In einer Stellungnahme wehrt sich der 54-Jährige jedoch entschieden gegen die Behauptungen. „Die Vorwürfe sind haltlos“, teilt der parteilose Politiker in einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Erklärung mit.

Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über den Fall berichtet. Auf der Plattform Instagram tauchten die Anschuldigungen auf einem Profil auf, das einer früheren Abgeordneten des Tübinger Gemeinderats zugeordnet wird. Bislang konnte die Deutsche Presse-Agentur keinen Kontakt zu der Frau herstellen. Laut Palmer zielen die Behauptungen auf sein Privatleben ab, wobei er nicht weiter ins Detail geht. Er kündigt an: „Ich werde mich hiergegen zur Wehr setzen und lasse rechtliche Schritte prüfen.“

📌 Hast du das über Boris Palmer gewusst? Oberbürgermeister von Tübingen: Boris Palmer ist seit Januar 2007 Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen und wurde seitdem mehrfach (zuletzt im Oktober 2022 für eine dritte, achtjährige Amtszeit) direkt im ersten Wahlgang wiedergewählt. Austritt aus den Grünen: Er war ab 1996 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen, ließ seine Mitgliedschaft im April 2022 nach internen Konflikten ruhen und trat schließlich am 1. Mai 2023 endgültig aus der Partei aus. Sohn des „Remstalrebells“: Sein Vater Helmut Palmer (1930–2004) war in Baden-Württemberg als streitbarer Bürgerrechtler, Baumkundler und sogenannter „Remstalrebell“ bekannt, der bei Hunderten von Bürgermeisterwahlen als unabhängiger Außenseiter antrat. Ämter und Tätigkeiten neben dem OB-Posten: Er studierte Mathematik und Geschichte in Tübingen und Sydney, saß von 2001 bis 2007 im Landtag von Baden-Württemberg und wurde 2026 zudem ehrenamtlicher Rat für Staatsmodernisierung im Staatsministerium Baden-Württemberg.

Auszeit vom Beraterjob in Stuttgart

Mittlerweile liegt der Staatsanwaltschaft Tübingen eine Anzeige gegen Boris Palmer wegen des Verdachts eines sexuellen Übergriffs vor. Wie „Focus online“ berichtet, stamme die Anzeige von einer unbeteiligten Person. Es bestehe der Anfangsverdacht eines strafbaren Verhaltens, weshalb der Sachverhalt geprüft werde. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Bis zur vollständigen Aufklärung der Angelegenheit wird Palmer seine ehrenamtliche Tätigkeit für Staatsmodernisierung und Verwaltungsvereinfachung ruhen lassen. Diesen Schritt vollzieht er offenbar nicht völlig freiwillig. Aus dem Staatsministerium verlautet, dass Ministerpräsident Cem Özdemir den Tübinger Rathauschef um das Pausieren des Amtes gebeten hat.

Erst nach der jüngsten Landtagswahl hatte der 54-Jährige den Auftrag erhalten, für die kommenden zwei Jahre als ehrenamtlicher Berater den Bürokratieabbau in Baden-Württemberg voranzutreiben. Für diese Aufgabe erhielt Palmer keine Bezahlung. Seinen neuen Posten füllte er zusätzlich zu seinen Pflichten als Oberbürgermeister aus.

Eine umstrittene Figur mit Ambitionen

Bereits seit 2007 lenkt Palmer die Geschicke der Stadt Tübingen als Rathauschef, nachdem er zuvor als Landtagsabgeordneter aktiv war. Einst galt er sogar als potenzieller Nachfolger des damaligen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Nach diversen Skandalen trat er jedoch im Jahr 2023 aus der Partei der Grünen aus. Besonders beim linken Flügel der Ökopartei löst sein Name bis heute heftige Abwehrreaktionen aus. Der parteilose Politiker scheut keine klaren Worte bei sensiblen Themen, was ihn zu einem der bekanntesten Politiker des Landes und einem gern gesehenen Gast in Talkshows machte.

Auch interessant: Nach Grünen-Wahlsieg: Boris Palmer bringt sich in Position – „Horror“

In der jüngeren Vergangenheit signalisierte Palmer durchaus Interesse an einer Rückkehr zu den Grünen. Führende Parteimitglieder sendeten ebenfalls versöhnliche Botschaften in seine Richtung. Schon vor längerer Zeit äußerte Özdemir den Wunsch nach einem Weg zurück in die Partei für den Tübinger. Auch der frühere Ministerpräsident Kretschmann betonte: „Es wäre schön, wenn er wieder zurückkehrt.“ Neben der politischen Nähe verbindet Özdemir und Palmer eine langjährige private Freundschaft. Erst kürzlich bezeichnete der Ministerpräsident den Oberbürgermeister auf dessen Hochzeit als einen Freund der Familie. (mit dpa)