Erstmals seit 20 Jahren: Deutscher General wird neuer Nato-Chef

In Kopenhagen fiel eine wichtige Entscheidung für das westliche Bündnis. Generalinspekteur Carsten Breuer rückt an die Spitze des Nato-Militärausschusses auf. Damit löst der ranghöchste deutsche Soldat den italienischen Admiral Giuseppe Cavo Dragone ab. Er setzte sich bei der Wahl gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch.

Im Juli 2027 wird der Deutsche seinen neuen Posten offiziell antreten. Gegenüber der dpa bedankte sich der künftige Vorsitzende „für das in mich gesetzte Vertrauen“. Er betonte zudem den starken Rückhalt aus den Mitgliedsstaaten. „Die Unterstützung der Generalstabschefs unserer Nato-Verbündeten bedeutet mir viel. Im Bündnis liegen große Aufgaben vor uns – für unsere Sicherheit und den Frieden in Europa und darüber hinaus“, erklärte Breuer.

📌 Das ist die NATO Gründung: Die NATO wurde am 4. April 1949 mit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags in Washington D.C. gegründet – ursprünglich von 12 Staaten, darunter die USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich. Kernprinzip: Das Herzstück des Bündnisses ist Artikel 5 des Vertrags – die kollektive Verteidigungsklausel. Sie besagt, dass ein Angriff auf ein Mitgliedsland als Angriff auf alle gilt. Bisher wurde dieser Artikel nur ein einziges Mal ausgelöst: nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Mitgliederzahl: Die NATO ist inzwischen auf 32 Mitgliedsstaaten angewachsen. Die jüngsten Beitritte waren Finnland (2023) und Schweden (2024) – beide traten als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bei. Hauptsitz: Der politische Hauptsitz der NATO befindet sich in Brüssel, Belgien. Dort tagt der Nordatlantikrat (NAC), das wichtigste Entscheidungsgremium des Bündnisses.

Ein mächtiger Berater für das Bündnis

Ab Mitte des kommenden Jahres will der General die Perspektiven aller Mitgliedstaaten bündeln. Fundierte militärische Ratschläge sollen dann direkt in die Entscheidungen der Allianz einfließen. Der Vorsitzende zählt neben dem Oberbefehlshaber in Europa zu den einflussreichsten Militärs der Nato, berät den Generalsekretär und fungiert als zentrales Bindeglied zu den nationalen Generalstabschefs.

Mit Harald Kujat bekleidete vor über zwei Jahrzehnten zuletzt ein Deutscher dieses Spitzenamt. Die Wahl Breuers gilt im Bündnis als klarer Beweis der Wertschätzung, da Deutschland seine Verteidigungsfähigkeiten zuletzt massiv steigerte. Dank Ausgaben von rund 125 Milliarden Euro belegt die Bundesrepublik momentan den ersten Platz in Europa. Das erlaubt den USA, sich künftig stärker auf den Indopazifik und die Herausforderung durch China zu konzentrieren.

Rennen um die Nachfolge in Berlin

Seit März 2023 lenkt Breuer als Generalinspekteur die Bundeswehr und treibt die Umorganisation nach der sogenannten Zeitenwende voran. Bekannt wurde der Offizier, der bereits 1984 in die Armee eintrat, einer breiten Öffentlichkeit vor allem als Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt.

Durch den Wechsel nach Brüssel muss Verteidigungsminister Boris Pistorius bald eine wichtige Personalie klären. Als möglicher Anwärter auf den Posten des Generalinspekteurs gilt Generalleutnant Christian Freuding. Aktuell modernisiert er als Inspekteur des Heeres die deutschen Landstreitkräfte, nachdem er zuvor die militärische Ukraine-Hilfe koordinierte.