„Rewe Bonus“ ist längst zum Automatismus geworden. An fast jeder Kasse hält jemand sein Handy hoch und lässt einen QR-Code scannen. Wer glaubt, das bringe nur ein paar Cent Rabatt, irrt gewaltig. Für Rewe steckt hinter jedem Scan ein deutlich größeres Geschäft.
Seit dem 29. Dezember 2024 hat der Kölner Handelskonzern sein eigenes Bonusprogramm am Start. Zuvor kooperierte Rewe zehn Jahre lang mit Payback, dem bekannten Punktesammelsystem vieler Händler. Jetzt sammeln Kundinnen und Kunden ihr Guthaben direkt in Euro und lösen es beim nächsten Einkauf ein. Der Wechsel kam nicht zufällig.
📌 Das wusstest du noch nicht über Rewe-Bonus Rewe zahlte während der Kooperation mit Payback Berichten zufolge zeitweise mehr als 150 Millionen Euro pro Jahr an das Punkteprogramm. Die Zusammenarbeit mit Payback bestand seit 2014, der Rewe-Discounter Penny stieß erst 2018 dazu. Das Deutsche Kundeninstitut bewertete Rewes Bonussystem im Vergleich mit 40 anderen Programmen als besonders kundenfreundlich und vergab den Spitzenplatz. Laut einer vzbv-Umfrage haben nur 18 Prozent der App-Nutzer die Datenschutzbestimmungen vollständig gelesen, 40 Prozent gar nicht. Bonus-Guthaben lässt sich ausschließlich für Einkäufe bei Rewe einlösen, eine Barauszahlung ist nicht möglich.
Rewe wollte eigene Kundendaten statt Payback
Rewe soll laut Zahlen der „Lebensmittel Zeitung“ jährlich mehr als 150 Millionen Euro an Payback gezahlt haben, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Mit einem eigenen System spart sich der Konzern nicht nur diese Kosten, sondern gehören die gesammelten Kundendaten fortan allein Rewe. Niemand muss mehr über Payback als Mittler gehen, um an Informationen über das eigene Klientel zu kommen.
Das Deutsche Kundeninstitut hat 40 firmeneigene Bonussysteme verglichen. Rewe belegte dabei den Spitzenplatz vor Kaufland und der Tankstellenkette Shell. Genau in dieser direkten Datenhoheit liegt der eigentliche Wert der App, weit über kleine Rabatte hinaus.
Jeder Scan verrät dein Einkaufsverhalten
Jeder Scan an der Kasse offenbart mehr, als viele ahnen. Neben Namen und Alter erfährt Rewe genau, was regelmäßig im Einkaufswagen landet. Kauft jemand oft Alkohol oder ein bestimmtes Shampoo, taucht das in den Daten auf. Wechselt die Person die Marke, lässt sich das ebenfalls nachvollziehen.
„Wir beäugen das sehr kritisch, denn als Kunde werden Sie da schon sehr gläsern“, sagt Simone Bueb von der Verbraucherzentrale Bayern gegenüber „Bayern 1„. Wer die App nutzt und dazu Standortdaten oder Mikrofonzugriff erlaubt, macht sich nach ihrer Einschätzung besonders gut verfolgbar. Rewe kann dann sogar erkennen, in welchem Markt jemand gerade einkauft.
Ein Gericht nennt Rewes Rabatte irreführend
Ein Gericht hat Rewe kürzlich in die Schranken gewiesen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klagte gegen Bonus-Aktionen, bei denen der eigentliche Produktpreis in der App verborgen blieb. Nur der Bonus selbst war sichtbar, der tatsächliche Preis nicht. Das Landgericht Köln gab den Verbraucherschützern recht, wie „tagesschau.de“ berichtet.
„Ich muss am Ende wissen, ob das ein guter Preis ist oder nicht. Wenn mir ein Rabatt über 30 Prozent gewährt wird, aber eine Woche vorher hat der Händler den Preis des Produkts extra hochgesetzt, dann beträgt der Vorteil vielleicht nur wenig Cent, und ich werde in die Irre geführt“, erklärt Christine Steffen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Rewe selbst begründete sein Programm mit dem Ziel langfristiger Kundenbeziehungen: „Wir setzen auf neueste Technologie für personalisierte Angebote.“ Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig.
Die gefühlte Ersparnis täuscht die meisten Nutzer
Viele Nutzer fühlen sich clever, wenn die App piept. Laut einer Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands glauben 93 Prozent, durch Coupons und Rabatte Geld zu sparen. Zwei Drittel haben demnach schon zusätzliche Produkte gekauft, nur um weitere Angebote freizuschalten. Die gefühlte Ersparnis täuscht jedoch gewaltig.
Wie „t-online.de“ berichtet, liegt die tatsächliche Ersparnis im Schnitt bei maximal zwei Prozent. „Gerade in Zeiten hoher Lebensmittelpreise gilt: Rabatte dürfen nicht von der App-Nutzung abhängen“, mahnt Ramona Pop vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Der eigentliche Gewinn der App liegt demnach woanders.
Die REWE App hat Payback ersetzt. Wer Coupons & Bonus-Booster richtig nutzt, spart bis zu 10 % beim Einkauf. Alles zu Funktionen, Vorteile & Schwächen!
