Marva Cook (66) kennt nur ein Leben: das in den USA. Sie ging in Syracuse (New York) zur Schule, glänzte im Uni-Basketball und gab bei Wahlen ihre Stimme ab. Jetzt folgt der Schock: Sie ist keine US-Staatsbürgerin.
Die Staatsanwaltschaft des nördlichen Bezirks von New York wirft ihr illegale Wahlteilnahme als Ausländerin vor. Ihr drohen bis zu ein Jahr Gefängnis, bis zu 100.000 US-Dollar Strafe und die Abschiebung.
📌 Staatsbürgerschaft in den USA Geburtsortprinzip (Jus soli): Wer auf US-Boden geboren wird, ist in der Regel automatisch US-Staatsbürger. Das legt der 14. Verfassungszusatz von 1868 fest. Ausnahmen gelten zum Beispiel für Kinder von ausländischen Diplomaten. Abstammung (Jus sanguinis): Kinder von US-Bürgern können die Staatsbürgerschaft auch bei Geburt im Ausland erhalten. Dafür gelten Bedingungen, etwa zur Aufenthaltsdauer der Eltern in den USA. Einbürgerung (Naturalization): Erwachsene können sich in der Regel nach 5 Jahren als Inhaber einer Green Card einbürgern lassen. Bei Ehe mit einem US-Bürger sind es meist 3 Jahre. Voraussetzungen sind unter anderem: ausreichende Englischkenntnisse, bestandener Staatsbürgerkundetest (Civics Test), guter moralischer Charakter und ein Treueeid (Oath of Allegiance)
Adoptiert in den USA, geboren in Deutschland
Cook kam offenbar mit zwei Jahren in die USA und wurde dort adoptiert, wie „Bild“ berichtet. Als sie kürzlich ihre leibliche Mutter suchte, erfuhr sie, dass sie in Deutschland zur Welt kam. Vor Gericht beteuerte sie, davon nichts gewusst zu haben.
Warum die Adoption ihr nicht automatisch die Staatsbürgerschaft brachte, bleibt ungeklärt. Im Alltag fiel das nie auf, denn zur Einschulung braucht man sie nicht. Eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung besitzt Cook ohnehin. Sie stellte sich selbst den Behörden.
Wahlbetrug: Hitzige Debatte in den USA
Die Anklage glaubt, Cook habe ihren Status gekannt und trotzdem bewusst gewählt. HSI-Sonderagent Anthony J. Patrone betont: „Gemäß Bundesgesetz ist es Nicht-Staatsbürgern strengstens untersagt, an Bundeswahlen teilzunehmen.“
Der Erste Stellvertretende US-Staatsanwalt John A. Sarcone III nutzt den Fall für eine klare Forderung: „Wahlbetrug ist im Bundesstaat New York weitverbreitet. Der Staat New York muss dieses Problem beheben und die Wähleridentifizierung einführen, um die Integrität unserer Wahlen zu gewährleisten und die Unantastbarkeit unseres wertvollsten und wichtigsten Rechts, des Wahlrechts, zu wahren.“
Cook und ihr Anwalt schweigen zu den Vorwürfen. Die frühere Hausmeisterin eines Kinderheims hat Rückhalt in ihrer Gemeinde. Sie sagt: „Die Gebete und die Unterstützung sind ein wichtiger Teil davon, wie ich das durchstehen werde. Ich habe ein tiefes Vertrauen, dass Gott mir da durchhelfen wird.“
Ein Einzelfall ist das nicht. In Kalifornien klagte die Justiz diese Woche mehr als zwei Dutzend Menschen mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis an. In Minnesota trifft es zehn Personen. Wann über Cooks Schicksal entschieden wird, steht noch nicht fest.
