Flucht aus der Hauptstadt: Auffällig viele Polizisten wollen weg aus Berlin

Polizisten-Exodus? Das Werben der Nachbarn zeigt Wirkung. Seit der Abgeordnetenhauswahl in Berlin haben mindestens 72 Polizisten eine Versetzung in ein anderes Bundesland angefragt oder beantragt. Das ergab eine Umfrage von „Focus online“. Im ganzen Jahr 2025 wechselten im Vergleich dazu nur 22 Beamte.

Die meisten zieht es in den Südwesten. 58 Beamte meldeten Interesse an Baden-Württemberg an, zehn an Bayern, drei an Thüringen und einer an Bremen. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) hatte offen um Berliner Kräfte geworben.

📌 Die Linke in Berlin und die Poliueo Die Linke wurde Wahlsiegerin bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 in Berlin. Sie sieht die Polizeiarbeit traditionell kritisch, beispielsweise anlasslose Kontrollen oder Videoüberwachungen im öffentlichen Raum. Gleichzeitig wurde in den vergangenen Wochen viel über eine mutmaßliche Nähe der Linken zu radikalen Israel-Gegnern und Clanstrukturen gesprochen.

Versetzungsanträge: Berlin fürchtet den Polizei-Aderlass

Die Berliner Polizei kennt bislang nur sieben offizielle Anträge seit dem 6. September. Die Lücke hat einen simplen Grund: Wer in einem anderen Land anfragt, muss sich in Berlin noch nicht erklären.

Benjamin Jendro von der GdP Berlin warnt laut „Focus“: „Die Zahl überrascht uns nicht, in den wenigen Wochen ist das aber viel und wenn es Schule macht, haben wir ein Problem.“

Jendro rechnet vor: „Wenn das jedes Jahr passiert, ist personell in zwei Jahren ein Polizeiabschnitt in Berlin weg.“ In der Hauptstadt versehen 18.500 Polizisten Vollzugsdienst. Bisher war ein Wechsel „fast unmöglich“, weil die Innenminister Abwerbungen untereinander ausgeschlossen hatten. „Das scheint nunmehr obsolet“, so Jendro.

Baden-Württemberg will mehr Polizisten abwerben: „Immer willkommen“

Hagel buhlt weiter um Personal: „Wer für Sicherheit, Freiheit und unseren Rechtsstaat einsteht, ist bei uns immer willkommen.“ Besonders gern nimmt er erfahrene Ermittler gegen organisierte Kriminalität. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) zielt vor allem auf Nachwuchs, denn sein Land will 440 zusätzliche Stellen schaffen.

Beide Minister verweisen auf das Wahlprogramm der Berliner Linken: „Die immer weitere, teure Aufrüstung der Polizei wollen wir stoppen und die Mittel umverteilen.“ Außerdem soll der Personalbestand auf das Niveau anderer Stadtstaaten sinken. Gleichzeitig stieg die Zahl der Gewaltopfer unter Beamten laut Berliner Kriminalstatistik seit 2019 um etwa 50 Prozent.

Kritikerin von Rot-Grün-Rot: Giffey will Basis-Abstimmung

Derweil fordert die SPD-Politikerin und Ex-Bürgermeisterin Franziska Giffey eine Basis-Abstimmung über eine Koalition mit den Linken. Via Instagram schrieb sie: „Die Regierungsbildung in Berlin ist eine absolute Richtungsentscheidung für die SPD. Eine solche Entscheidung muss von der Breite ihrer Mitglieder getragen sein. Deshalb fordere ich ganz klar ein Mitgliedervotum aller Berliner SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag, der in den kommenden Wochen ausgehandelt wird.“ Dabei muss eine viel stärkere Rolle als bisher spielen, wie all die Wünsche und Versprechen bei einem Haushalt, der eigentlich Einsparungen erfordert, finanziert werden sollen.“

In einem weiteren Beitrag kritisierte sie die geplante Ausweitung des Wahlrechts für alle Menschen nach fünf Jahren Aufenthalt in Berlin. In Bezug auf die deutsche Staatsbürgerschaft als Zugangsvoraussetzung schrieb sie: „Wer wählen will, muss diese Voraussetzungen erfüllen. Alles andere führt zu einer Aushöhlung unserer Demokratie.“