Politiker kritisiert Putin: Jetzt wartet das Straflager

Für seine Kritik am Ukraine-Krieg muss der russische Oppositionspolitiker Lew Schlosberg für elf Jahre und einen Monat ins Gefängnis. Der hochrangige Vertreter der liberalen Partei Jabloko wurde wegen der Diskreditierung der russischen Armee und der Verbreitung angeblicher Falschinformationen verurteilt.

Nach langem Hausarrest und neun Monaten Untersuchungshaft soll der 63-Jährige seine Strafe nun in einer Strafkolonie verbüßen. Ein Gericht im nordwestrussischen Pskow sprach ihn schuldig.

📌 Das ist Lew Schlosberg Lew Markowitsch Schlosberg wurde am 30. Juli 1963 in Pskow geboren. Der Journalist und Menschenrechtsaktivist gehört seit 1994 der liberalen russischen Partei Jabloko an. Von 1996 bis 2023 leitete er deren Regionalverband in Pskow. Zudem saß er von 2011 bis 2015 sowie von 2016 bis 2021 im Regionalparlament. Seit 2023 ist Schlosberg stellvertretender Vorsitzender von Jabloko und Mitglied des föderalen politischen Komitees der Partei. Bekannt wurde Schlosberg auch durch seine kritische Haltung gegenüber dem russischen Vorgehen in der Ukraine. Für sein Engagement erhielt er unter anderem 2016 den Boris-Nemzow-Preis für Mut im Kampf für demokratische Werte.

Schlosberg forderte Waffenstillstand

Im November 2025 war Schlosberg bereits zu 420 Arbeitsstunden verurteilt worden, da er angeblich Auflagen als „ausländischer Agent“ nicht erfüllt hat. Die russische Justiz kennzeichnet Personen und Organisationen mit einem Stigma, die tatsächlich oder vermeintlich Geld aus dem Ausland beziehen und aus der Perspektive der russischen Regierung dadurch gegen die Interessen Russlands handeln.

Die Behörden leiteten das Verfahren gegen Schlosberg ein, nachdem er – ebenso wie seine Partei Jabloko – einen sofortigen Waffenstillstand im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gefordert hatte. Zudem veröffentlichte Schlosberg in seinem Telegram-Kanal eine Seite der britischen Zeitung Daily Mirror. Darauf war eine blutüberströmte Frau neben einem Bild von Staatschef Wladimir Putin zu sehen, den die Darstellung für das Blutvergießen verantwortlich machte. Die Behörden führen den Fall jedoch auf einen Beitrag zurück, den Schlosberg vor dem Inkrafttreten des russischen Gesetzes gegen „Falschnachrichten“ veröffentlicht haben soll.

Das Urteil

Am 17. August wurde dann das Urteil gefällt. Diese Entscheidung folgte einem Teilnahme-Verbot für die Partei „Jabloko“. Diese darf laut Tagesspiegel in den nächsten zwei Monaten nicht an Parlamentswahlen teilnehmen.

In seinem Schlussplädoyer beteuerte Schlosberg erneut seine Unschuld. Er bezeichnete sich als Opfer eines politischen Prozesses. Die Behörden stellten den Politiker zunächst lange unter Hausarrest und brachten ihn im Dezember 2025 in Untersuchungshaft. Wie viele andere Kriegsgegner werfen sie auch Schlosberg vor, falsche Informationen über die russische Armee zu verbreiten. Kritiker bezeichnen das Verfahren als politischen Schauprozess.

Sie sehen darin einen weiteren Versuch, Kriegsgegner zum Schweigen zu bringen.