„Zeitpunkt ist sehr speziell“: Was hinter der Razzia beim SPD-Spitzenkandidaten steckt

Nach den Durchsuchungen bei Steffen Krach bringt die Berliner SPD nun Licht ins Dunkel. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt aktuell gegen den Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten. Dabei geht es um eine fragwürdige Geldüberweisung, die kurz vor dem Jahreswechsel auf dem Konto der Partei einging.

Am 29. Dezember 2025 überwies ein Unternehmer exakt 9.900 Euro an die Berliner SPD. Die Landesgeschäftsführung informierte Krach laut den Berichten am 7. Januar über den Geldeingang. Daraufhin ordnete der Politiker am Folgetag die sofortige Rückabwicklung an. Bereits am 9. Januar floss die Summe zurück an den Absender. Schatzmeister Fabian Fischer erklärte dazu: «Auf Weisung unseres Spitzenkandidaten wurde umgehend entschieden, diese Spende abzuweisen.»

Ermittlungen wegen eines Klinikverkaufs

Hintergrund der Ermittlungen ist ein Vergabeverfahren in der Region Hannover. Dort amtierte Krach als Regionspräsident, bevor er im Sommer 2025 für den Wahlkampf nach Berlin wechselte. Es geht um den Verkauf einer Klinik. Den Vorwurf der unlauteren Beeinflussung weist der SPD-Mann zurück. Er betonte, er habe «in keinster Weise irgendeine Summe von diesem Bieter, weder privat noch als SPD-Landesvorsitzender, jemals angenommen».

Rückendeckung erhält der Spitzenkandidat aus den eigenen Reihen. Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey berichtete dem rbb von einer ausführlichen Stellungnahme Krachs vor der Fraktion und dem Landesvorstand. Mit Fakten habe der Politiker die Vorwürfe widerlegt. Giffey stellte klar: «Und wir haben keinen Anlass, an der Wahrheit seiner Aussagen zu zweifeln.»

Kritik am Zeitpunkt der Razzia

Laut Giffey fand das Bieterverfahren noch während der Amtszeit von Krach statt. Der besagte Unternehmer schickte die Spende, unterlag am Ende aber ohnehin bei der Vergabe. Krach habe das Geld sofort abgelehnt. Mit Blick auf die anstehende Berlin-Wahl in anderthalb Wochen und die Kommunalwahl in Niedersachsen äußerte sich die Senatorin skeptisch. «Also der Zeitpunkt ist schon sehr speziell», merkte Giffey an.

Zudem wundert sich die SPD-Politikerin über das harte Vorgehen der Ermittler. Am Mittwoch durchsuchten Beamte mehrere Objekte in Berlin und Hannover. Dabei beschlagnahmten sie auch das Handy des Spitzenkandidaten. Giffey kritisierte diese Maßnahme mit den Worten: «Es besteht ja keine Fluchtgefahr bei ihm.» Ein abschließendes Urteil wolle sie sich darüber jedoch nicht anmaßen.

Wahlkampf in der heißen Phase

Für die Berliner SPD kommen die Schlagzeilen zur Unzeit. Umfragen prognostizieren der Partei ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis. Trotz des Wirbels setzt Krach seinen Wahlkampf fort. Heute steht ein Auftritt mit SPD-Chef Lars Klingbeil auf dem Programm. Später diskutiert der Spitzenkandidat zudem mit Luisa Neubauer von Fridays for Future und weiteren Politikern.