Bei Ferrari brodelt es – für Teamchef Vasseur wird es brenzlig

Ferrari fährt den eigenen Ansprüchen einmal mehr hinterher – und damit gerät automatisch der Mann an der Spitze ins Visier. Fred Vasseur soll die Scuderia zurück auf den Formel-1-Thron führen. Stattdessen droht auch 2026 eine Saison ohne Titel. Rund um den Franzosen werden die Fragen deshalb immer lauter.

So laut, dass Ferrari zuletzt ungewöhnlich deutlich reagieren musste. Noch vor dem Rennen in Malaysia ließ die Führung um Präsident John Elkann und Vorstandschef Benedetto Vigna öffentlich ausrichten, dass Vasseur das volle Vertrauen genieße. Eigentlich ein starkes Signal. In der Formel 1 zeigt eine solche Rückendeckung aber auch, wie groß die Debatte um seine Zukunft längst geworden ist.

📌 Fakten Ferrari-Teamchef: Fred Vasseur führt die Scuderia seit Januar 2023 und soll Ferrari zurück an die Spitze der Formel 1 bringen. Vertrag verlängert: Ferrari stattete den Franzosen im Sommer 2025 mit einem langfristigen Vertrag aus. Titel-Durststrecke: Ferraris letzter Konstrukteurs-Titel stammt aus dem Jahr 2008, der letzte Fahrer-WM-Triumph aus 2007. Unter Druck: Nach erneut ausbleibenden Titeln und mehreren strategischen Fehlern wird Vasseurs Zukunft immer wieder öffentlich diskutiert. Rückendeckung: Ferrari-Präsident John Elkann, Vorstandschef Benedetto Vigna sowie die Fahrer Lewis Hamilton und Charles Leclerc stellten sich zuletzt demonstrativ hinter ihn.

Ferrari stärkt Vasseur demonstrativ

Vasseur ist seit Anfang 2023 Teamchef. Sein Auftrag ist dabei so einfach formuliert wie schwer zu erfüllen: Ferrari soll endlich wieder Weltmeister werden. Der letzte Konstrukteurstitel stammt aus dem Jahr 2008, Kimi Räikkönen holte 2007 die bislang letzte Fahrer-WM für die Scuderia.

Auch in dieser Saison wird es immer schwieriger, diese lange Durststrecke zu beenden. Mercedes liegt in der Teamwertung deutlich vor Ferrari, Kimi Antonelli führt die Fahrer-WM an. Die Scuderia besitzt zwar ein konkurrenzfähiges Auto, lässt aber immer wieder entscheidende Punkte liegen.

Genau deshalb richtet sich der Blick auf Vasseur. Zuletzt wurde sogar Ex-Red-Bull-Teamchef Christian Horner als möglicher Nachfolger gehandelt. Ferrari sah sich daraufhin veranlasst, den Spekulationen öffentlich entgegenzutreten.

„Das Verhältnis zu meinen Chefs Benedetto und John ist hervorragend. Wir stehen täglich in Kontakt“, betonte Vasseur. Im Sommer 2025 hatte Ferrari seinen Vertrag noch langfristig verlängert.

Hamilton legt den Finger in die Wunde

Doch ausgerechnet Lewis Hamilton hatte seinem Teamchef zuvor zusätzlichen Druck beschert. Nach dem Ferrari-Heimrennen in Monza beklagte der Rekordweltmeister fehlende klare Regeln zwischen den Fahrern – und verwies dabei ausdrücklich auf Vasseur.

Auch Malaysia lieferte neues Futter für die Kritiker. Hamilton startete als Zweiter, Ferrari setzte auf dem noch feuchten Asphalt aber zunächst auf Slicks. Andere Fahrer entschieden sich für Intermediates. Hamilton fiel zwischenzeitlich bis auf Rang 18 zurück.

Mit einer starken Aufholjagd rettete er noch Platz drei. Am grundsätzlichen Problem änderte das wenig: Wieder hatte eine Ferrari-Entscheidung ein möglicherweise deutlich besseres Resultat erschwert.

Dabei sprang Hamilton Vasseur anschließend demonstrativ zur Seite. Der Franzose sei ein „fantastischer Anführer“ und der Richtige, um Ferrari in die richtige Richtung zu führen. Gleichzeitig sieht Hamilton strukturellen Handlungsbedarf innerhalb der Scuderia.

Vasseur kämpft gegen die Unruhe

Für Vasseur besteht die Aufgabe deshalb längst nicht nur darin, ein schnelles Formel-1-Auto auf die Strecke zu bringen. Er muss auch eine Mannschaft zusammenhalten, die bei Ferrari unter einer Öffentlichkeit arbeitet, die Erfolge feiert wie kaum irgendwo sonst – und Misserfolge genauso gnadenlos seziert.

„Manchmal“ würden die Angriffe gegen ihn „ein wenig persönlich“, beklagte Vasseur zuletzt. Er selbst versucht, die Debatte auszublenden. „Ich habe kein Instagram, ich habe kein Twitter, ich lese keine Presse.“

Ganz verschwinden wird der Druck dadurch nicht. Ferrari hat seinem Teamchef öffentlich den Rücken gestärkt. Doch weitere strategische Fehler und ausbleibende Siege würden die Diskussion schnell wieder anheizen. Der beste Schutz für Vasseur bleibt deshalb genau das, worauf Ferrari seit Jahren wartet: Erfolg auf der Strecke.