Ausgerechnet bei Jürgen Klopps erstem Heimspiel passiert etwas, das es in mehr als sechs Jahrzehnten zuvor nie gegeben hatte. Deutschland verliert gegen Griechenland. Das 0:1 in Augsburg ist im elften Aufeinandertreffen die erste DFB-Niederlage gegen die Hellenen überhaupt. Eine historische Pleite zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Dabei sollte der Abend eigentlich den ersten Sieg der Klopp-Ära bringen. Nach dem 1:1 in Amsterdam gegen die Niederlande wartete ein Gegner, den Deutschland bislang stets mindestens auf Abstand gehalten hatte. Doch Dimitrios Kourbelis schreibt in der 74. Minute Geschichte – und vermiest Klopp seine Heim-Premiere gründlich.
📌 Fakten zu Deutschland gegen Griechenland Erstes Duell: Im November 1960 gewann Deutschland in Griechenland mit 3:0. EM-Kracher 2012: Im bislang einzigen K.-o.-Duell setzte sich Deutschland im Viertelfinale mit 4:2 durch. 28.945 Zuschauer: So viele Fans sahen das Nations-League-Spiel in Augsburg. Perfekter Griechenland-Start: Die Hellenen stehen nach zwei Nations-League-Spielen bei sechs Punkten.
Eine DFB-Serie reißt nach 66 Jahren
Sieben Siege, drei Unentschieden und keine Niederlage: So las sich Deutschlands Bilanz gegen Griechenland vor dem Sonntagabend. Bereits 1960 trafen beide Nationen erstmals aufeinander. Seitdem hatte sich die DFB-Elf in jedem Duell zumindest ein Remis gesichert. Diese bemerkenswerte Serie ist nun Geschichte.
Besonders bitter ist die Art der Niederlage. Deutschland hat deutlich mehr vom Ball und kontrolliert weite Phasen. Karim Adeyemi besitzt gute Möglichkeiten, später kratzt Griechenlands Keeper Konstantinos Tzolakis einen Kimmich-Freistoß aus dem Eck. Doch gegen den tiefen Block fehlt zu häufig der entscheidende Geistesblitz.
Ein „Drecksding“ schreibt Geschichte
Dann kippt die Partie. Erst vergibt Fotis Ioannidis nach einem deutschen Ballverlust die große griechische Chance. Wenige Minuten später bekommt Deutschland die Situation erneut nicht sauber verteidigt. Kourbelis zieht ab, Joshua Kimmich fälscht den Ball entscheidend ab. Alexander Nübel ist machtlos. Plötzlich steht es 0:1.
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Klopp bezeichnet den Treffer später als „Drecksding“, das Griechenland seiner Mannschaft „reinwurschtelt“. Doch der Bundestrainer weiß auch, dass Pech allein die Niederlage nicht erklärt. „Das Spiel heute nicht hoch zu gewinnen oder nicht zu gewinnen, damit hätte ich wirklich leicht leben können. Verlieren darfst du es nicht.“
Klopp versucht die Unruhe einzufangen
Nach Abpfiff bemüht sich der neue Bundestrainer deshalb um Einordnung. Seine fünf Änderungen in der Startelf seien Teil des eingeschlagenen Weges. Klopp übernimmt dafür ausdrücklich Verantwortung. Die vielen neuen Spieler sollen Erfahrungen sammeln. Gleichzeitig weigert er sich, nach wenigen gemeinsamen Tagen bereits grundsätzliche Urteile zu fällen.
Auch die Pfiffe im Stadion gefallen ihm nicht. „Wir müssen nicht alles in Sack und Asche legen“, mahnt Klopp. Dass einige Zuschauer bereits ihren Unmut äußern, habe ihn überrascht. Seine Botschaft bleibt offensiv: Die Mannschaft brauche Zeit. An dem gewählten Weg will der Bundestrainer trotz des Rückschlags festhalten.
Ausgerechnet bei Klopps Heimdebüt
Trotzdem hinterlässt diese Niederlage Spuren. Klopps Start liest sich ergebnistechnisch plötzlich deutlich nüchterner als der Auftritt in Amsterdam vermuten ließ. Nach zwei Nations-League-Spielen steht Deutschland bei einem Punkt. Und sein erstes Heimspiel als Bundestrainer landet direkt in den Geschichtsbüchern – auf der falschen Seite.
Besonders lange muss Deutschland diese Scharte allerdings nicht mit sich herumtragen. Schon am 4. Oktober wartet in Thessaloniki das Rückspiel. Vorher geht es gegen Serbien weiter. Klopp bekommt damit sehr schnell die Gelegenheit, aus der historischen Niederlage eine Reaktion zu formen.
Die erste Chance gegen Griechenland ist allerdings vertan. Jahrzehntelang hatte Deutschland gegen die Hellenen nie verloren. Ausgerechnet Klopps erster Auftritt vor deutschem Publikum beendet diese Serie. Seine neue DFB-Ära hat damit schneller ihren ersten historischen Tiefschlag erlebt, als wohl irgendjemand erwartet hatte.
