Wie schon unter Nagelsmann: Auch Klopp kann dieses Problem nicht beheben

Wieder kein Spiel zu null! Auch unter Jürgen Klopp bekommt die deutsche Nationalmannschaft ihr altes Gegentor-Problem nicht in den Griff. Beim 0:1 gegen Griechenland reicht ein abgefälschter Schuss von Dimitrios Kourbelis, um Klopps Heim-Premiere zu vermiesen. Aus einem mühsamen 0:0 wird plötzlich eine Niederlage.

Besonders ärgerlich: Dieses Gegentor wäre vermeidbar gewesen. Deutschland kontrolliert über weite Strecken den Ball und lässt nur wenige gefährliche Szenen zu. Dann fällt in der 74. Minute trotzdem das 0:1. Klopp nennt es später ein „Drecksding“. Genau solche Dinger begleiten das DFB-Team inzwischen verdächtig regelmäßig.

📌 Fakten zu Deutschland – Griechenland Historischer Sieg: Griechenland gewann im elften Duell erstmals überhaupt gegen Deutschland. 28.945 Zuschauer: Die WWK-Arena in Augsburg war gut gefüllt. Fünf Änderungen: Klopp baute seine Startelf gegenüber dem 1:1 in Amsterdam auf fünf Positionen um. Heim-Premiere: Für Klopp war es das erste Spiel als Bundestrainer vor deutschem Publikum.

Die Null bleibt Deutschlands Problem

Schon unter Julian Nagelsmann zog sich die fehlende defensive Stabilität durch die letzten Monate. Das letzte deutsche Zu-null liegt inzwischen fast vier Monate zurück. Am 31. Mai gewann die DFB-Elf 4:0 gegen Finnland. Seitdem kassierte Deutschland in sieben aufeinanderfolgenden Länderspielen mindestens einen Treffer.

Dazu gehören sämtliche vier WM-Partien im Sommer. Selbst gegen Curaçao beim 7:1 schlug es hinten ein. Gegen die Elfenbeinküste folgte ein Gegentor, Ecuador traf doppelt. Paraguay beendete Nagelsmanns Amtszeit ebenfalls nicht ohne deutschen Gegentreffer. Klopp übernimmt damit ein Problem, das längst vor seinem Start existierte.

Klopp nimmt die Schuld auf sich

Nach der Griechenland-Pleite bemüht sich Klopp deshalb um Ruhe. „Es ist Teil des Prozesses, absolut“, erklärt der Bundestrainer. Seine Aufstellung und die vielen Wechsel nehme er voll auf sich. Zugleich stellt er klar: „Das Spiel nicht zu gewinnen, damit hätte ich leben können. Verlieren darfst du es nicht.“

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Klopp will verhindern, dass aus zwei Spielen ohne Sieg sofort eine Grundsatzdebatte entsteht. „Wir müssen nicht alles in Sack und Asche legen“, sagt er. Die Pfiffe einzelner Zuschauer hätten ihn überrascht. Sein Vertrauen in den eingeschlagenen Weg bleibt groß. Das Problem mit den Gegentoren verschwindet dadurch allerdings nicht.

Kleine Fehler werden sofort bestraft

Gerade gegen einen tief stehenden Gegner wie Griechenland wiegt ein Gegentreffer doppelt schwer. Deutschland tut sich offensiv lange schwer, arbeitet sich mühsam Richtung Führung. Dann genügt den Gästen eine einzige Szene, um das gesamte Spiel zu kippen. Aus einem zähen Punktgewinn wird eine unnötige Heimniederlage.

Klopp selbst erkennt das Muster. Das Tor sei unglücklich gewesen, passe aber zu den wenigen griechischen Möglichkeiten. Seine Mannschaft habe die entscheidenden Situationen zuvor nicht dominant genug verteidigt. Genau darin liegt die Baustelle: Deutschland muss Spiele kontrollieren können, ohne jederzeit für ein Gegentor gut zu sein.

Klopp schützt seine Spieler

Öffentlich stellt sich der Bundestrainer demonstrativ vor seine Mannschaft. „Wenn ihr jemanden kritisieren wollt, macht das mit mir“, fordert Klopp. Die neuen Spieler sollen Zeit bekommen. Auch den etablierten Kräften sichert er seine Unterstützung zu. Nach zwei Partien will er keine abschließenden Urteile über einzelne Profis zulassen.

Das ist nachvollziehbar. Klopp experimentiert bewusst mit großen Kadern und vielen neuen Kombinationen. Automatismen entstehen dabei nicht über Nacht. Trotzdem gibt es ein Problem, das sich nicht ewig mit fehlender Eingespieltheit erklären lässt. Wer auf internationalem Spitzenniveau bestehen will, braucht regelmäßig Spiele ohne Gegentor.

Das Nagelsmann-Problem lebt weiter

Denn genau daran scheiterte Deutschland bereits unter Nagelsmann zu oft. Die Mannschaft konnte begeistern und Spiele dominieren. Gleichzeitig blieb hinten immer die Gefahr eines Aussetzers. Klopp hat bislang zwei Partien absolviert. Beide Male bekam Deutschland spät einen eingeschenkt – gegen Holland zum 1:1, gegen Griechenland sogar zum 0:1.

Noch besteht kein Grund für Alarmismus. Klopp selbst sagt: „Es gibt keinen Grund für mich, in Depression zu verfallen und zu sagen: Wir sind so schlecht.“ Recht hat er. Doch auch sein zweiter Satz gehört dazu: „Aber eben auch nicht so gut.“ Vor allem defensiv muss Deutschland diesen Abstand schnell schließen.

Am Mittwoch gegen Serbien und anschließend erneut gegen Griechenland bekommt Klopp mit seinem zweiten Kader die nächsten Erkenntnisse. Dann braucht es neben neuen Gesichtern auch etwas ganz Altmodisches: endlich wieder eine Null.