SPD auf Sparkurs! Mitarbeitern drohen harte Einschnitte

Faire Löhne fordern, gegen Entlassungen wettern, im eigenen Haus dann doch zu genau diesen Mitteln greifen. Genau das wirft sich die SPD gerade selbst vor die Füße. Weil die Partei nach der Bundestagswahl 2025 mit deutlich weniger staatlicher Parteienfinanzierung rechnen muss, fährt sie im eigenen Willy-Brandt-Haus einen strikten Sparkurs, mit Personalabbau, weniger Extras und offenbar auch längeren Arbeitszeiten.

Wie dramatisch die finanzielle Lage aus Sicht der Partei ist, macht Schatzmeister Dietmar Nietan (62) im aktuellen Finanzbericht deutlich. „Die dramatische Wahlniederlage bei der Bundestagswahl 2025 führt dazu, dass der SPD in den kommenden Jahren viele Millionen Euro Einnahmeverluste aus der staatlichen Parteienfinanzierung bevorstehen.“

📌 Infos zur SPD Älteste noch bestehende Partei Deutschlands, gegründet 1875 als Zusammenschluss zweier Arbeiterparteien Aktuell rund 348.000 Mitglieder, damit hinter der CDU zweitgrößte Bundestagspartei, die Mitgliederzahl sinkt seit Jahren kontinuierlich Parteivorsitzende sind seit 2021 Lars Klingbeil und seit 2025 Bärbel Bas, im Amt des Generalsekretärs seit Mai 2025 Tim Klüssendorf Seit 2013 durchgehend an der Bundesregierung beteiligt, aktuell als Koalitionspartner unter Kanzler Merz Parteizentrale ist das Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg, benannt nach dem ehemaligen SPD-Kanzler Bislang stellte die SPD viermal den Bundeskanzler, mit Willy Brandt, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Olaf Scholz

Weniger Personal, weniger Geld

Nach „Bild“-Informationen wurden im Willy-Brandt-Haus bereits mehrere Abteilungen umstrukturiert, befristete Verträge liefen aus, Personal wurde abgebaut. Ältere Mitarbeiter sollen für ein vorzeitiges Ausscheiden Abfindungen bekommen haben. Auch die Stelle von Bundesgeschäftsführerin Jessika Wischmeier (61), die nach sechs Jahren ging, wurde aus Kostengründen nicht wieder besetzt. Die Partei verweist zwar darauf, dass die Abschaffung dieser Position bereits 2019 beschlossen worden sei, laut dem Boulevard-Blatt spielte beim Zeitpunkt aber durchaus auch das Geld eine Rolle.

Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Partei bereits verkleinert hat. 2025 kam die SPD-Zentrale rechnerisch noch auf rund 200 Vollzeitstellen, heute sind es laut „Bild“-Informationen nur noch 170. Bis 2029 sollen es sogar nur noch 145 sein. Insider beschreiben die Stimmung im Willy-Brandt-Haus entsprechend als „mies“.

Die 37-Stunden-Woche soll fallen

Weil das Geld knapp bleibt, sollen auch die Gehaltsstrukturen neu geregelt werden. Mehrere Betriebsvereinbarungen hat die Partei bereits gekündigt. Bislang bekommen Mitarbeiter im Willy-Brandt-Haus 13,5 Gehälter, arbeiten eine 37-Stunden-Woche und erhalten unter anderem einen Essensgeldzuschuss, ein Jobrad sowie freie Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.

Genau an diesen Punkten will die SPD-Führung jetzt offenbar ansetzen. Wie „Bild“ berichtet, soll unter anderem die 37-Stunden-Woche gestrichen werden. Die Mitarbeiter sollen künftig mehr arbeiten. Dabei hatte die SPD auf ihrem Bundesparteitag 2023 noch eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Damals forderte sie eine schrittweise Verkürzung der Arbeitszeit auf 32 Stunden bei vollem Lohnausgleich. In der eigenen Parteizentrale sieht es nun anders aus.

Aktuell laufen dazu Verhandlungen mit dem Betriebsrat, bis zum 1. Januar sollen neue Vereinbarungen stehen. Zu den Details wollte sich die SPD-Pressestelle auf „Bild“-Anfrage nicht äußern, man mache „keine weiteren Angaben zu personalwirtschaftlichen Angelegenheiten“.