Erdoğan schmiedet neues Militärbündnis, doch der Plan hat eine Schwachstelle

Der Ort war mit Bedacht gewählt. In Mekka, der heiligsten Stadt des Islam, unterzeichneten Recep Tayyip Erdoğan, Mohammed bin Salman und Shehbaz Sharif am 8. August einen gemeinsamen Verteidigungspakt, bevor sie gemeinsam in der Großen Moschee beteten. Die Bildsprache war eindeutig, hier rücken drei sunnitisch geprägte Regionalmächte zusammen.

Die eigentliche politische Sprengkraft steckt allerdings nicht in der Inszenierung, sondern in wenigen Sätzen des sogenannten Mekka-Verteidigungspakts. Ein bewaffneter Angriff auf eines der drei Länder soll künftig als Angriff auf alle gelten. Der türkische Außenminister Hakan Fidan verglich die Klausel selbst mit Artikel 5 des Nato-Vertrags, zusätzlich planen die Gründerstaaten einen Ministerausschuss nach Nato-Vorbild sowie ein Generalsekretariat mit Sitz in Saudi-Arabien.

📌 Der Mekka-Verteidigungspakt in Zahlen Unterzeichnet am 8. August 2026 in Mekka, zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan Beistandsklausel nach Vorbild von Artikel 5 des Nato-Vertrags, ein Angriff auf einen Staat gilt als Angriff auf alle drei Geplant sind ein Ministerausschuss nach Nato-Vorbild sowie ein gemeinsames Generalsekretariat mit Sitz in Saudi-Arabien Die Türkei ist seit 1952 Nato-Mitglied und stellt die zweitgrößte Armee des Bündnisses Pakistan ist die einzige Atommacht unter den drei Gründerstaaten Ägypten gilt als möglicher weiterer Beitrittskandidat

Ein Bündnis, das größer werden soll

Erdoğan denkt offenbar schon über die drei Gründerstaaten hinaus. Ägypten gilt bereits als möglicher Beitrittskandidat, und Fidan machte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu deutlich, wohin die Reise gehen soll. „Unter der Vision unseres Präsidenten sollten wir uns nicht auf drei Länder beschränken.“

Das trilaterale Bündnis zwischen Ankara, Riad und Islamabad könnte damit zum Kern einer größeren regionalen Sicherheitsarchitektur werden. Erdoğan baut so an einer sunnitisch geprägten Alternative zur bisherigen Sicherheitsordnung im Nahen Osten, nicht als Ersatz für die türkische Nato-Mitgliedschaft, sondern als zusätzliche Struktur neben dem westlichen Bündnis. Die Türkei kann darüber ihre Rolle als Ordnungsmacht stärken und gleichzeitig dazu beitragen, die USA sicherheitspolitisch zu entlasten. Genau darin liegt Erdogans Chance, aber auch sein Risiko, denn er versucht einen schwierigen Spagat. Die Türkei soll für Washington unverzichtbar werden und sich gleichzeitig unabhängiger von Washington machen.

Die Lehre aus dem Iran-Krieg

Dass der Plan ausgerechnet jetzt Gestalt annimmt, kommt nicht von ungefähr. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Sicherheitsordnung im Nahen Osten spürbar erschüttert, und Saudi-Arabien bekam die Folgen direkt zu spüren. Iran und mit ihm verbündete Gruppen griffen Ziele im Königreich an, die Huthi im Jemen attackierten saudische Infrastruktur und Schiffe, gleichzeitig gerieten wichtige Handelswege im Roten Meer und in der Straße von Hormus unter Druck.

In Riad wächst deshalb der Druck, sich nicht länger allein auf amerikanischen Schutz zu verlassen. Der Nahost-Experte Andreas Reinicke vom Deutschen Orient-Institut bringt diesen Vertrauensverlust gegenüber „ZDFheute live“ auf den Punkt und verweist etwa auf einen früheren Huthi-Angriff auf saudische Ölanlagen, bei dem die USA nicht eingriffen. Auch dass Washington gemeinsam mit Israel den aktuellen Krieg gegen Iran mit angestoßen habe, habe zum Bruch beigetragen.

„Diese Ursprungsidee, die Amerikaner verteidigen den Golf, ist im Grunde genommen ad acta gelegt.“

Die Schwachstelle im Plan

Kritiker warnen bereits vor den Nebenwirkungen eines solchen Bündnisses. Pakistan ist Atommacht, die Türkei stellt die zweitgrößte Armee der Nato, Saudi-Arabien bringt seine Öleinnahmen mit ein. Beobachter befürchten, dass ein derart schlagkräftiges Bündnis ein atomares Wettrüsten in der Golfregion befeuern könnte, gerade weil Pakistans nukleare Fähigkeiten nun formal mit in den Beistandsschirm der anderen beiden Staaten einfließen.

Aus Teheran kam prompt Spott statt Anerkennung. Der iranische Außenpolitiker Ebrahim Resaei erklärte, ein Papierabkommen mit der Türkei und Pakistan werde Saudi-Arabien ebenso wenig Sicherheit bringen wie jahrelange einseitige amerikanische Zusagen. Ein türkischer Regierungsvertreter wiederum betonte, der Pakt sei „rein defensiv“ und richte sich nicht gegen einen bestimmten Staat, stehe grundsätzlich auch weiteren Ländern der Region offen.