Kaum war der Besuch aus den USA abgereist, endete die kurze Atempause für die ukrainische Hauptstadt. In der Nacht erschütterten schwere Explosionen Kiew, als das russische Militär seine Luftangriffe wieder aufnahm. Raketen und Drohnen beschädigten laut Medienberichten Wohnhäuser, Lagerhallen, eine Schule und Autos. Der Zivilschutz meldete zwei Tote und zehn Verletzte.
Weit über die Hauptstadt hinaus heulten in vielen Regionen der Ukraine die Sirenen. Sogar im Nachbarland Polen versetzte das Militär die Luftabwehr in Alarmbereitschaft. Am Morgen berichtete Präsident Wolodymyr Selenskyj von massiven Zerstörungen. In der Region Kiew trafen die Geschosse kritische Infrastruktur, in Odessa wurde ein Markt attackiert und in Charkiw kamen zwei Menschen zu Schaden.
📌 Der Konflikt auf einen Blick Der russische Großangriff begann am 24. Februar 2022. Die militärische Aggression startete jedoch bereits 2014 mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und Kämpfen im Donbass. Wladimir Putin will den Westkurs der Ukraine (angestrebter Beitritt zu EU und NATO) mit Gewalt stoppen und spricht der Ukraine das Recht auf staatliche Souveränität ab. Kiew verlangt den vollständigen Abzug russischer Truppen und Sicherheitsgarantien. Moskau fordert die Anerkennung der besetzten Gebiete und die Neutralität der Ukraine.
Forderung nach besserer Raketenabwehr
Der Staatschef beschrieb einen komplexen Angriff mit ballistischen Raketen, Anti-Schiffs-Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Die ukrainische Luftwaffe fing 175 Flugkörper ab, doch einige durchbrachen den Schutzschild. Einmal mehr beklagte Selenskyj den Mangel an Abwehrsystemen gegen ballistische Raketen, die wegen ihrer Geschwindigkeit schwer aufzuhalten sind. Über dieses Problem und das Raketenabwehrprojekt Freyja führt Kiew derzeit Gespräche mit Partnern.
Auf der anderen Seite der Grenze blieben die russischen Gebiete nicht verschont. In der Region Saratow verletzten ukrainische Drohnen laut Gouverneur Roman Bussargin zehn Menschen, darunter drei Minderjährige. In Starodub im Grenzgebiet Brjansk starb nach Angaben des kommissarischen Gouverneurs Jegor Kowaltschuk ein Mann durch einen Angriff, drei weitere wurden verletzt. Diese Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Geheime Gespräche der US-Gesandten
Am Wochenende hatten Trumps Gesandter Steve Witkoff und Jared Kushner Moskau und Kiew besucht. Dort verhandelten sie mit Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj über ein Ende des im Februar 2022 begonnenen Krieges. Konkrete Ergebnisse dieser Treffen drangen bislang nicht an die Öffentlichkeit. Für die Dauer des Besuchs hatten sich beide Seiten auf einen Verzicht von Luftangriffen gegen die Hauptstädte geeinigt.
Vor dieser Kampfpause hatte Russland die Ukraine massiv mit Drohnen und Raketen attackiert. Die ukrainischen Streitkräfte antworteten vor allem mit weitreichenden Drohnen und Marschflugkörpern. Bei diesem Abwehrkampf bleibt die Ukraine stark auf westliche Hilfe angewiesen.
