„Die Sicherheit Europas ist in einer Weise bedroht, wie wir das seit den Zeiten des Kalten Krieges nicht mehr kennen“, meint Wolfgang Ischinger im Gespräch mit dem „Handelsblatt“. Er ist Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. Von Deutschland fordert er, „Führung oder Mitführungsmacht“ sowie ein „Stabilitätsfaktor für Europa“ zu sein. „Deutschland darf nicht wackeln“, so sein Appell an die Merz-Regierung auch angesichts der Bedrohung durch Putin.
Aus seiner Sicht könnte der Kreml-Herrscher durch die jüngsten Entwicklungen im Westen ermutigt werden. Trump verpulvert seine Munition gegen den Iran und ist kein verlässlicher Partner mehr für die Europäer. Merz ist auf dem Umfrage-Tiefpunkt und seine Regierung steckt in der Dauerkrise. Zudem ist Emmanuel Macron nur noch wenige Monate im Amt. Abreckend ist der Zustand des Westens nicht.
📌 Das ist Wolfgang Ischinger Der 80-Jährige gehört zu den renommiertesten und am besten vernetzten Experten für Internationale Politik in Deutschland. Der Jurist war im diplomatischen Dienst für die Bundesrepublik tätig. So als Botschafter in Washington und in London. Im Jahr 2008 übernahm er die Leitung der Münchner Sicherheitskonferenz. Zwischenzeitlich hatte er die Leitung an Christoph Heusgen übergeben, sie aber 2025 interimsmäßig wieder übernommen. Er ist in zweiter Ehe mit der Publizistin und Journalistin Jutta Falke-Ischinger verheiratet.
Ischinger: Merz muss für Europas Stabilität sorgen
„Uns steht der bisher gefährlichste Herbst bevor“, warnt Ischinger im „Handelsblatt“ daher. „Bildet sich da ein Zeitfenster heraus, eine Schwächephase, die Russland nutzen könnte? Nicht nur für Desinformation, sondern auch für militärische Drohungen und Nadelstiche.“ Um dem entgegenzuwirken, pocht Ischinger darauf, dass Merz auf der internationalen Bühne entschlossen in Erscheinung tritt. Das sei enorm wichtig für die Stabilität Europas.
Vorfall in Polen: Erneute Provokation durch Putins Armee
Ein Vorfall am Mittwoch unterstreicht die Position Ischingers. Im polnischen Luftraum gab es offenbar eine weitere gezielte Provokation Russlands. Ein Mi-8-Hubschrauber aus Putins Armee drang aus Richtung der russischen Exklave Kaliningrad kommend rund 300 Meter in den Luftraum Polens ein. Sofort wurden polnische Kampfflugzeuge und Bodentruppen alarmiert und blieben in Bereitschaft.
Die Hintergründe des Vorfalls sind unklar. Es erscheint aber wahrscheinlicher, dass das ein bewusstes Manöver und kein Versehen war.
