Nach den verheerenden Wahlniederlagen der CDU in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern und dem Absturz in bundesweiten Umfragen ist nun die Zeit der Rache gekommen. Zwei CDU-Politiker, die unter Friedrich Merz ihre Ämter verloren, gehören zu den lautesten Kritikern des Kanzlers in diesen Tagen.
Dabei geht es ihnen wohl nicht nur um den politischen Kurs der Union, sondern auch um persönliche Genugtuung. Sie sägen nun an seinem Stuhl. Doch eine Revolution in der Union nach den Wahlpleiten ist ausgeblieben.
📌 Mehr über die CDU Die Christlich Demokratische Union wurde 1945 gegründet und stellte bislang sechs Kanzler. Schwerpunkte der Volkspartei sind Wirtschaft, Familie und Sicherheit. Prägende Bundeskanzler der CDU waren Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel. Traditionelle Hochburgen der Partei sind in NRW das Münsterland, Ostwestfalen sowie das Sauerland, Oberschwaben in Baden-Württemberg sowie die Region Fulda in Hessen.
Ex-Generalsekretär: „Merz fehlt die emotionale Intelligenz, um das zu verstehen“
Merz macht Mario Czaja nach seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden zum Generalsekretär. Doch der Berliner konnte sich nicht lange halten und wurde schon nach anderthalb Jahren durch Carsten Linnemann abgelöst. Bei der Bundestagswahl 2025 verlor Czaja auch sein Bundestagsmandat. Nun schießt er scharf gegen seinen ehemaligen Boss.
In der „Welt TV“-Sendung „Meinungsfreiheit“ warf er Merz vor, „das Erbe von Wolfgang Schäuble mit Füßen getreten“ zu haben. Der Kanzler habe direkt „grundlegendes Vertrauen verspielt“, als er die Schuldenbremse mit der SPD und Lars Klingbeil lockerte. Er diese Grundüberzeugung der CDU „auf dem Altar seiner eigenen Kanzlerschaft“ geopfert.
Zu dem Merz-Auftritt am Sonntagabend nach den ersten Prognosen bemerkt Czaja: „Ich glaube, ihm fehlt einfach die emotionale Intelligenz, zu verstehen, was da gerade im Land passiert.“
„Zeit, dass er den Platz freimacht“
Für den früheren Merz-Vertrauten steht fest: „Es ist an der Zeit, dass er den Platz freimacht. Es funktioniert nicht mehr mit ihm. Ihm noch Zeit zu geben, macht gar keinen Sinn.“ Wenn die Ministerpräsidenten der Union diesen Mut nicht haben, müsse die Basis der CDU handeln. „Die Zeit ist bald gekommen.“ Es werde zu einer „Überlebensfrage der Christdemokraten“, ob man Merz zeitnah loswird.
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Indirekte Attacke gegen Brinkhaus: „Jeder muss sich fragen“
Ähnlich harsch fällt die Kritik von Ralph Brinkhaus aus – ebenfalls ein Verlierer der Merz-Zeit in der CDU. Merz machte ihm 2022 sein Amt als Fraktionsvorsitzender und Oppositionsführer streitig. Seitdem ist Brinkhaus einfaches Mitglied der Unionsfraktion. Bei der CDU/CSU-Fraktionssitzung am Dienstag gehörte er zu den lautesten Kritikern des Bundeskanzlers.
Seine Generalkritik laut „Bild“: „Wir haben ein Glaubwürdigkeitsdefizit, ein Zukunftsdefizit, unsere Politik kommt bei den Menschen und Unternehmen nicht an, wir sind im Team nicht breit genug aufgestellt.“ Es würden heute Persönlichkeiten wie ein Norbert Blüm oder eine Rita Süssmuth fehlen – also Legenden des sozialen Flügels der Volkspartei. Die Partei habe ihren Markenkern verloren – „das Verbindende“. Man könne „nicht alles auf die Krisen oder auf die anderen Parteien schieben – wir müssen unsere Politik ändern“.
Dann sein indirekter Angriff gegen Merz: „Jeder muss sich fragen, ob und wie er diesem Land und dieser Partei noch helfen kann.“ Auch wenn er nicht den Namen des Bundeskanzlers in den Mund nahm, war der Adressat unmissverständlich.
