Habeck kapiert Putins Zögern nicht: „Wir wären im Arsch gewesen“

Robert Habeck ist raus aus der deutschen Politik, doch vor allem im Milieu der Grünen hoffen viele auf ein Comeback. Nun gab der frühere Vizekanzler Einblick in eine besonders angespannte Zeit während der Ampel-Regierung. Es ging um die Wochen und Monate direkt nach dem Überfall von Putin-Russland auf die Ukraine im Jahr 2022.

Kaum waren Habeck und die Ampel-Minister im Amt, kam es zu einer extremen Krise. Putin startete einen Krieg in Europa, mit massiven Auswirkungen auf die deutsche Energiesicherheit. Schließlich war das Land bis dahin abhängig von russischem Gas – und damit in Putins Hand.

📌 Was macht Robert Habeck jetzt? Robert Habeck legte wenige Monate nach der Bundestagswahl 2025 sein Bundestagsmandat nieder. Derzeit ist er Berater bei der dänischen Investmentgesellschaft Urab Partners. Zudem ist er Professor an der Copenhagen Business School und forscht zu den Themen Geopolitik, Sicherheit und Wirtschaft. Im Oktober erschien sein neues Buch „Artic Meltdown – Die Neuvermessung der Welt“. Es geht um die Arktis als Brennpunkt der Machtkonflikte zwischen USA, Russland und China.

Habeck wehrt sich „gegen AfD-Propaganda“

Im Gespräch mit Journalist Jan Schipmann (Podcast: „Bengalos im Bundestag“) will Habeck mit einer Legende aufräumen, die immer noch von der AfD und dem Wagenknecht-BSW gestreut wird. Nach dieser Erzählung habe Deutschland aufgehört, trotz gegenläufiger ökonomischer Eigeninteressen, russisches Gas zu kaufen. „Gegen jede AfD-Propaganda muss man sagen: Es stimmt nicht!“, so Habeck.

Habeck stellt klar: Es war Putin, der den Gashahn zudrehte. Er müsse jedoch zu seiner Schande bekennen, dass er sich in den ersten sechs Monaten des Krieges dagegen gesperrt habe, Gasimporte aus Russland zu sanktionieren, „weil die Speicher leer waren und weil ich Angst hatte, dass wir Deutschland nicht mehr versorgen können“. Diese Schuld trage er mit sich herum, so der Ex-Minister.

Abhängig von Putins Gas: Habeck bekennt seine Angst vor dem Kollaps

Dem damaligen Wirtschaftsminister sei klar gewesen, dass Putin mit den Gas-Einnahmen seine Kriegskasse fülle. „Aber ich habe immer gesagt: Wir brauchen dieses Gas, weil wir keine Wahl haben. Wir stehen mit dem Rücken an der Wand.“ Der Grüne spricht davon, dass die deutsche Industrie hätte zusammenbrechen können und die Menschen ihre Häuser nicht mehr hätten beheizen können, ohne russische Energielieferungen.

Eine Sache versteht Habeck bis heute nicht

Putin habe dann im September 2022 das Gas abgestellt. Einen Zeitpunkt, den Habeck bis heute nicht nachvollziehen kann. „Das habe ich bis heute nicht klar kriegen können, warum er es nicht im März gemacht hat. Oder mit dem Kriegsausbruch. Denn dann wären wir wirklich, auf gut Deutsch, im Arsch gewesen…!“

Tatsächlich stellte Putin zum 31. August 2022 die direkten Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 vollständig ein. Schon im Juli drosselte und unterbrach die russische Seite die Lieferungen zeitweise und begründete das mit angeblichen Problemen mit einer Turbine und Wartungsarbeiten.