„Putin kennt unsere Schlagkraft“ – Deutschlands Spezialkräfte rüsten sich für Ernstfall

Geiseln befreien, Terroristen jagen, Menschen aus Krisengebieten retten: Seit 1996 schickt Deutschland das KSK in Einsätze, an denen normale Soldaten scheitern würden. In Afghanistan kämpften die Kommandos gegen die Taliban. Diese Ära ist vorbei.

Jetzt rückt ein anderer Gegner in den Fokus. „Wir richten uns sehr konkret auf den Gegner Russland aus“, sagt KSK-Kommandeur Andreas Kühne zu „Bild“. Früher dauerten Operationen rund drei Tage. Dann ging es zurück ins Lager: „Essen, duschen, Wäsche waschen – wunderbar.“

📌 Das ist das KSK Gründung: Das KSK wurde 1996 gegründet. Anlass waren die Erfahrungen aus dem Völkermord in Ruanda 1994. Damals konnte die Bundeswehr deutsche Staatsbürger nicht selbst aus dem Krisengebiet evakuieren. Stationiert ist das KSK in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw (Baden-Württemberg). Aufgaben: Dazu gehören die Rettung und Evakuierung deutscher Staatsbürger aus dem Ausland und die Befreiung von Geiseln. Hinzu kommen Aufklärung in gegnerischem Gebiet, Terrorismusbekämpfung und der Schutz eigener Kräfte. Einsätze finden meist verdeckt statt und sind oft geheim. Auswahlverfahren: Es gilt als sehr hart. Nur ein kleiner Teil der Bewerber besteht das Auswahlverfahren, meist deutlich unter der Hälfte. Es prüft körperliche und psychische Belastbarkeit und dauert mehrere Wochen. Danach folgt eine mehrjährige Ausbildung zum Kommandosoldaten, unter anderem mit Fallschirmspringen, Kampftauchen und Gebirgskampf.

Putin soll den Preis genau kennen

Gegen Russland fällt dieser Luxus weg. „Da werden wir viel länger im Felde ausharren müssen“, sagt Kühne. „Womöglich erstmal ohne Ende.“ Darum trainieren die Kommandos gegen Panzer, Artillerie, Drohnen und elektronische Kampfführung. Auch Einsätze bei extremer Kälte stehen auf dem Plan.

Im Ernstfall wären die Männer früh am Ziel. „Innerhalb von vier Stunden sitzen wir in Stuttgart im Flieger“, sagt Kühne. Ihren Job wollen sie erledigen, bevor die Panzerbrigade 45 in Litauen startet. Für Putin ist das ein „Preisschild“: „Das kostet euch ein Angriff auf uns.“ Kühne ergänzt: „Putin kennt unsere Schlagkraft.“

Elite-Drill: Wie sich das KSK für Putin wappnet

Gesucht sind Ausnahmesoldaten, geistig belastbar und körperlich topfit. Nur gut 15 Prozent bestehen die Auslese. In Calw feuern sie bis zu 500.000 Schuss pro Jahr ab. Dazu kommen Kampfsport, Eisbäder und ein Fitness-Tempel. Von knapp 1.500 Mitarbeitern sind nur ein Drittel Kommandosoldaten. Der Besetzungsgrad liegt bei 70 bis 80 Prozent. Eine neue Wehrpflicht könnte die Lücke verkleinern.

Vor wenigen Jahren stand die Einheit selbst auf der Kippe. Rechtsextreme Vorfälle und verschwundene Munition erschütterten sie, 2020 löste die Bundeswehr eine Kompanie auf. Heute gelte: „Im Zweifel gibt es kein Pardon. Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt.“ Das KSK soll wieder Deutschlands Speerspitze gen Osten sein.

In Putins Russland wirkt sich der Krieg derweil auf die Preise in den Supermärkten aus – Lebensmittel werden wesentlich teurer.