Dieser Moment dürfte Friedrich Merz nicht entgangen sein: Kaum stand der Kanzler (70, CDU) beim CSU-Parteitag in München am Rednerpult, begrüßte er Ilse Aigner (61). Sofort sprangen die Delegierten auf. Minutenlang feierte der Saal die bayerische Landtagspräsidentin.
Die Botschaft an Merz kam unmissverständlich an: Die CSU will Aigner 2027 als Bundespräsidentin. CSU-Chef Markus Söder (59) legte danach nach: „Eigentlich kann man schon mal argumentieren, dass wir jetzt auch ein bisschen dran wären.“ Tatsächlich stellte die CSU in 77 Jahren Bundesrepublik noch nie den Bundespräsidenten.
📌 So wird der Bundespräsident gewählt Wahl durch die Bundesversammlung: Das Volk wählt den Bundespräsidenten nicht direkt. Das macht die Bundesversammlung. Sie besteht aus allen Bundestagsabgeordneten und der gleichen Zahl von Mitgliedern, die die Landesparlamente nach dem Verhältniswahlrecht bestimmen. Das sind oft auch Prominente und Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben. Zusammentritt und Zeitpunkt: Der Bundestagspräsident beruft die Bundesversammlung ein. Sie tritt spätestens 30 Tage vor Ablauf der Amtszeit zusammen. Das gilt auch bei vorzeitigem Ende der Amtszeit. Dann beträgt die Frist 30 Tage nach dem Ende. Die Sitzung findet traditionell am 23. Mai statt, dem Tag des Grundgesetzes, oder rund um dieses Datum. Der Tagungsort ist in der Regel das Reichstagsgebäude in Berlin. Wählbarkeit und Amtszeit: Wählbar ist, wer Deutscher ist, das Wahlrecht zum Bundestag besitzt und mindestens 40 Jahre alt ist. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre. Eine einmalige Wiederwahl ist zulässig. Die Wahl erfolgt geheim und ohne Aussprache.
Merz schweigt, die CSU wird nervös
Im März 2027 endet Frank-Walter Steinmeiers (70) zweite Amtszeit. Die Suche nach seiner Nachfolge läuft. Generalsekretär Martin Huber (48) wirbt bei „Bild“ für Aigner: „Die CSU hat mit Ilse Aigner ein tolles Angebot gemacht.“
Auch Ulrike Scharf (58), Chefin der Frauen-Union in Bayern, macht Druck: „Deutschland ist reif für eine Bundespräsidentin.“ Sie wünscht sich Aigners Nominierung. Die SPD zeigt sich für diese Idee offen.
Welche Karte spielt Merz noch?
Die Sozialdemokraten wollen ebenfalls erstmals eine Frau im höchsten Staatsamt, betont Dirk Wiese (43). Über Aigner fällt dort kein böses Wort. Das Vorschlagsrecht liegt aus SPD-Sicht aber bei der Union. Nach dem Debakel um Frauke Brosius-Gersdorf (55) soll die Koalition geschlossen auftreten.
Merz selbst äußert sich nicht. Offiziell verweist die CSU darauf, dass die Parteichefs von CSU, CDU und SPD gemeinsam einen Vorschlag machen müssen. Hinter vorgehaltener Hand schwindet die Geduld. Einen Zeitplan gibt es nicht. Ein CSU-Grande sagt genervt: „Ich weiß es nicht“.
In der CDU kursieren derweil andere Namen: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53), Familienministerin Karin Prien (61) und Thomas de Maizière (72). Klöckner wäre SPD und Grünen schwer zu vermitteln. Prien stieße in der eigenen Partei auf Widerstand. De Maizière gilt der CSU wegen der Flüchtlingspolitik als Problem.
Merz soll zudem mindestens drei weitere Frauen aus den Landesverbänden auf dem Zettel haben. Ihnen fehlt bundesweit die Bekanntheit. Aigner kennt dagegen jeder, spätestens seit ihrer Zeit als Landwirtschaftsministerin von 2008 bis 2013.
