Heimisches Obst wird knapp: Deutsche Bauern bangen um Erträge

Gnadenlose Hitze und anhaltende Trockenheit hinterlassen auf den deutschen Plantagen deutliche Spuren. Nach einer ersten Schätzung aus dem Juli rechnet das Statistische Bundesamt bei der diesjährigen Apfelernte mit einem massiven Rückgang. Voraussichtlich holen die Betriebe nur rund 934.000 Tonnen von den Bäumen. Im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre fehlen damit fast 53.000 Tonnen. Gegenüber dem besonders ertragreichen Vorjahr stürzt die Menge sogar um knapp 18 Prozent ab.

Für diesen dramatischen Schwund sorgt in erster Linie das extreme Wetter. Wegen des fehlenden Regens fallen unzählige Äpfel viel zu früh zu Boden oder wachsen gar nicht erst zur normalen Größe heran. Zudem beschädigt starker Sonnenbrand die Früchte direkt am Ast. Bei einigen Betrieben schlug das Wetter noch brutaler zu, denn dort vernichtete heftiger Hagel teilweise den kompletten Ertrag.

📌 Deutsches Obst Der Apfel ist der unangefochtene Favorit: Äpfel sind seit Jahrzehnten das mit Abstand beliebteste und meistangebaute Obst in Deutschland. Sowohl beim Anbau auf dem Feld als auch beim Verzehr pro Kopf übertreffen sie jede andere Obstsorte deutlich. Das Alte Land ist Europas größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet: Die Region südwestlich von Hamburg entlang der Elbe gilt als das größte geschlossene Obstanbaugebiet Nordeuropas und ist besonders für seinen Apfelanbau bekannt. Deutschland deckt seinen Obstbedarf nur teilweise selbst: Trotz umfangreichem heimischem Anbau importiert Deutschland einen erheblichen Teil des konsumierten Obstes aus dem Ausland, da die inländische Produktion, besonders bei wärmeliebenden Obstsorten wie Zitrusfrüchten oder Bananen, klimatisch stark eingeschränkt ist.

Zwei Bundesländer dominieren den heimischen Anbau

Trotz der aktuellen Rückschläge verteidigt der Apfel seinen Spitzenplatz in der Bundesrepublik mühelos. Mit einer gewaltigen Anbaufläche von 32.700 Hektar bleibt er das mit großem Abstand am häufigsten geerntete Baumobst des Landes. Fast zwei Drittel dieser riesigen Gebiete verteilen sich auf lediglich zwei Bundesländer. In Baden-Württemberg wachsen die Früchte auf 11.600 Hektar, wobei sich die Plantagen vor allem rund um den Bodensee konzentrieren.

Niedersachsen belegt mit 8.400 Hektar den zweiten Platz. Dort bewirtschaften die Bauern überwiegend Flächen im bekannten Alten Land. Gemeinsam stemmen diese beiden Regionen mehr als zwei Drittel der gesamten deutschen Apfelproduktion.

Überraschende Zahlen bei einer anderen Frucht

Deutlich besser sieht die Lage bei Pflaumen und Zwetschgen aus. Hier blicken die Landwirte wesentlich optimistischer auf die kommenden Wochen. Die Experten prognostizieren eine Ernte von gut 49.300 Tonnen. Damit übertreffen die Betriebe den zehnjährigen Durchschnitt von 44.200 Tonnen um beachtliche 11,5 Prozent. Lediglich im direkten Vergleich mit dem extrem starken Vorjahr verzeichnen die Bauern ein leichtes Minus von 3,9 Prozent.

Die größten Flächen für dieses Steinobst liegen in Baden-Württemberg mit 1.700 Hektar und in Rheinland-Pfalz mit 900 Hektar. Allerdings entwickeln sich die Erträge in diesen beiden Hochburgen völlig gegensätzlich. Während die baden-württembergischen Betriebe mit 24.100 Tonnen fast 38 Prozent mehr Früchte als im langjährigen Schnitt erwarten, droht den Nachbarn eine Enttäuschung. In Rheinland-Pfalz stellen sich die Obstbauern auf lediglich 9.900 Tonnen ein, was einem Rückgang von rund acht Prozent gegenüber dem Zehnjahresdurchschnitt entspricht.