Mitten im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zieht es den US-Rapper Ye für zwei Auftritte nach St. Petersburg. Unter seinem bekannten Namen Kanye West will der Musiker im Oktober die Touristenmetropole bespielen.
Als Veranstaltungsort dient am 10. und 11. Oktober die riesige Gazprom-Arena in der Heimatstadt von Wladimir Putin. Bis zu 80.000 Menschen finden in dem Stadion Platz, dessen namensgebender staatlicher Gaskonzern wegen der Finanzierung des Krieges unter westlichen Sanktionen steht.
📌 Kanye West Kanye West, der sich seit 2021 offiziell Ye nennt, wurde am 8. Juni 1977 in Atlanta geboren. Er zählt aktuell zu den einflussreichsten Rappern und Produzenten. Mit Alben wie „The College Dropout“, „Late Registration“ und „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ prägte er den Hip-Hop. Laut Recording Academy gewann er 24 Grammys bei 76 Nominierungen. Neben seiner Musikkarriere ist West auch als Modedesigner bekannt und gründete die Marke Yeezy. In den vergangenen Jahren sorgten vor allem antisemitische Äußerungen und weitere kontroverse Aussagen für heftige Kritik. 2026 veröffentlichte er das Album „Bully“ und ist erneut auf Tour.
Spekulationen über ein Treffen mit dem Präsidenten
Abseits der Bühne könnte es sogar zu einer Begegnung zwischen dem Künstler und dem Kremlchef kommen. Laut den Organisatoren verriet der Musiker im Vorfeld, dass er von einem solchen Treffen „träume“. Ob Wladimir Putin den Amerikaner tatsächlich empfängt, hängt nach Angaben der Parlamentsabgeordneten Swetlana Schurowa allein vom Terminkalender des Präsidenten ab.
Innerhalb kürzester Zeit rissen die Fans die günstigsten Eintrittskarten für umgerechnet etwa 100 Euro restlos an sich. Auch die teuren VIP-Tickets für rund 1.600 Euro sind russischen Medienberichten zufolge bereits vergriffen. Am Dienstag konnten Interessierte lediglich noch Karten in der Preisklasse zwischen 21.000 und 50.000 Rubel erwerben.
Hitzige Debatten in der russischen Politik
Unter kremltreuen Politikern löste die Ankündigung des Stars umgehend helle Aufregung aus. Der Abgeordnete Nikolai Nowikow verlangte vehement, der Rapper müsse vor seinem Auftritt seine „moralische Unterstützung“ für den Krieg gegen die Ukraine öffentlich machen. Sollte der Amerikaner in Russland Geld verdienen wollen, müsse er diese Bedingung erfüllen oder das Konzert absagen.
Währenddessen werfen andere Abgeordnete dem Künstler vor, er habe eine angebliche Vorliebe für den Diktator Adolf Hitler. Die ultranationalistischen Mitglieder der antiwestlichen Gruppe Sorok Sorokow haben nun den Wunsch geäußert, die Songtexte des Rappers einer genauen Prüfung zu unterziehen. Sie suchen dabei speziell nach in Russland verbotenen Inhalten, wie zum Beispiel der Verherrlichung von Drogen.
Lob für den Besuch trotz westlicher Sanktionen
Deutlichen Zuspruch erhält der Musiker hingegen von Jelena Drapeko aus dem Kulturausschuss des Parlaments. Die Abgeordnete zeigte sich dankbar für das Kommen des Stars „vor dem Hintergrund einer allgemeinen antirussischen Hysterie“ im Westen. Bereits nach einem Besuch des Rappers bei der Geburtstagsfeier eines Designers in Moskau im Jahr 2024 kursierten lange Zeit Gerüchte über mögliche Shows.
Er zählt weltweit zu den einflussreichsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten der Musikindustrie. West sorgte in der Vergangenheit immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen für massive Skandale. Im Februar 2025 warb er in einem regionalen Super-Bowl-Werbespot für seine Marken-Website, indem er die Zuschauer einlud, Yeezy.com zu besuchen. Als die Nutzer die Website aufriefen, entdeckten sie dort nur ein weißes T-Shirt, das ein schwarzes Hakenkreuz und die Bezeichnung „HH-01“ aufwies.
Diese Entgleisungen kosteten ihn bereits mehrfach geplante Auftritte, wie zuletzt eine Konzertabsage im Juli in Italien zeigte.
